Hannover - Nach der ersten Impfung mit Astrazeneca haben viele Menschen bei ihrer Zweitimpfung den Corona-Wirkstoff von Biontech bekommen. Und genau diese Kombination verspricht besonders guten Schutz, wie eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jetzt feststellt.
Die Geimpften sind demnach auch gegen die sogenannte britische (Alpha), südafrikanische (Beta) und brasilianische Virusvariante (Gamma) geschützt. Die Untersuchung zur Kreuzimpfung mit zwei Wirkstoffen wird vor der Veröffentlichung aktuell zwar noch international von Forschern überprüft. „Unsere Ergebnisse sind aber sehr deutlich“, sagt Professor Reinhold Förster, Leiter des MHH-Instituts für Immunologie.
Bisher noch wenig Daten zur Wirksamkeit von Kreuzimpfungen
Um den Astrazeneca-Impfstoff gab es viel Verunsicherung. Es gab einen kurzzeitigen Impfstopp wegen einer – allerdings geringen – Gefahr einer Hirnvenenthrombose. Seit April empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Astrazeneca in erster Linie für Menschen ab 60 Jahren. Mitarbeiter in Grundschulen, Kitas und Pflegeheimen, die bereits Astrazenca erhalten haben, standen oder stehen deshalb vor der schwierigen Frage, ob sie sich beim zweiten Mal wieder damit impfen lassen. Zur Wirksamkeit von Kreuzimpfungen gibt es bisher allerdings wenig Daten.
Auch an der MHH hatten sehr viele Mitarbeiter zuerst Astrazeneca erhalten. Ein Drittel blieb dabei, die anderen schwenkten bei der Zweitimpfung auf Biontech um. Kurz vorher und drei Wochen danach nahm das Studienteam Blutproben bei rund 175 MHH-Angestellten. Auch Förster und sein Mitstudienleiter Professor Georg Behrens von der Klinik für Rheumatologie und Immunologie ließen sich testen.
Kombi-Impfung ist besser
Vom Ergebnis waren die Forscher überrascht. Bei der Kombination von Astrazeneca und Biontech, so zeigte sich, bilden Geimpfte eine hohe Anzahl schützender Antikörper und T-Zellen aus. Qualität und Menge liegen um ein Vielfaches höher als bei einer ausschließlichen Impfung mit Astrazeneca. Ein entscheidender Vorteil der Kreuzimpfung: Nach den im Labor ermittelten Werten schützt sie auch gegen Virusvarianten Alpha, Beta und Gamma. Dagegen blieb die Immunantwort auf die Mutationen nach der doppelten Astrazeneca-Impfung oft schwach.
„Unsere Mitarbeiter haben vier Wochen Tag und Nacht durchgearbeitet, damit wir die Ergebnisse schnell haben“, erzählt Förster. Tests zur Wirksamkeit gegen die indischen Virusvarianten sollen folgen. Ob die Impfstoffkombination gesundheitliche Risiken birgt, ist nicht Thema der Studie mit geringer Fallzahl.
Eine Zweifachimpfung mit Biontech schütze ebenfalls sehr gut gegen die Virusvarianten, sagt Förster. Das ist aus anderen Studien bekannt. „Die Kreuzimpfung Astrazeneca-Biontech leistet mindestens genauso viel“, sagt der Immunologe. Ob die Kombination der beiden Wirkstoffe sogar überlegen ist, könnte eine größere Studie zeigen.
Wie lange hält der Impfschutz?
Diese Fragen sind für die künftige Impfstrategie wichtig. Denn wenn die Kreuzimpfung besonders wirksam ist, sollten gerade Ältere sie erhalten. Sie haben ein hohes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Gleichzeitig reagiert das Immunsystem älterer Menschen oft nur noch lückenhaft auf eine Impfung.
Förster sieht die Bundesregierung in der Pflicht. „Es liegt in ihrer Verantwortung zu untersuchen, wie lange der Impfschutz vor allem bei den Älteren hält. Und wir sollten im Herbst wissen, welcher Impfstoff sich am besten für eine Auffrischung eignet.“ Je nach Altersgruppe und den vorher verimpften Wirkstoffen kann die Antwort darauf unterschiedlich ausfallen.
Von Bärbel Hilbig
