Hildesheim - Mit je einem Glas Wein in der Hand sitzen meine Schwester und ich im Parkett des Hauses Auensee in Leipzig und freuen uns auf die Musik, die wir gleich zu hören bekommen. Guter Dinge schauen wir uns um und die anderen Gäste an. „Ganz schön viele alte Leute hier“, raune ich meiner Schwester zu. Sie stimmt zu und gibt zu bedenken, dass der Musiker, für den wir da sind, auch nicht mehr knackfrisch ist: Mike Rutherford, 74 Jahre alt. Und wir kennen den schließlich auch schon echt lange.
„Fucking Hufte“
Die Saalbeleuchtung geht aus, das Licht auf der Bühne an – Tatatataaa: Mike an the Mechanics oder: der Mike mit den Krücken. Denn Rutherford hatte sich kurz vor Tourbeginn die Hüfte gebrochen. Aber was so ein alter Rocker ist, der zieht trotzdem durch. Schimpft kurz auf die die „Fucking Hufte“ und greift in Saiten. Der Mann im lilafarbenen Anzug lehnt sich gegen einen Barhocker, um seine angeknackste Körpermitte zu schonen. Doch nach drei oder vier Liedern scheint das Schmerzmittel Musik bei ihm zu wirken, ohne Stütze wippt er zur Musik. Da stehen auch die alten Menschen im Parkett geschlossen auf und tanzen ebenfalls.
Der Sohn von Phil Collins
Am Schlagzeug, so Rutherford, sitzt der Sohn seines Kumpels Phil, Nic Collins. Meine Schwester und ich schauen uns an. „Weißt du noch, das Genesis-Konzert in Wolfsburg?“, sage ich. Sie nickt: „Das ist ein Leben her!“ Das mache einem doch manchmal ganz schön Angst, sagt meine große Schwester noch. Und da hat sie vollkommen recht.
Vergiss die schmerzende „Hufte“
Aber warum sind wir hier? Genau. Um zu feiern, die schmerzende Fucking Hufte vergessen, die Krücken wegwerfen und tanzen. So machen wir es und die vielen die anderen alten Leute im Saal. Vergiss die 60, die in greifbarer Nähe liegt. It’s Partytime – solange es geht!
