Sarstedt - Ein ständiges Summen dringt gleich ins Ohr. Das Geräusch stammt von den Schleifgeräten in einem kleinen Wagen, in dem die Maschinen befestigt sind und in dem nur wenig Bewegungsfreiheit ist. An der mobilen Werkstatt am Eingang des Rewe-Markts an der Voss-Straße prangt ein rotes Plakat mit einem gelben Schriftzug: „Familienschleiferei seit Generationen“. Das sticht sofort ins Auge. Darauf kommt es den beiden „Scharfmachern“ an, die sich auf dem Parkplatz postiert haben. Sie bringen dort stumpfe Messer und noch vieles mehr wieder auf Vordermann. „Ein guter Schliff ist immer günstiger als ein Neukauf“, wirbt Enrico Rose. Der 29-Jährige kümmert sich mit einem Kollegen, der anonym bleiben will, um die Kundschaft.
Alle paar Minuten kommen Leute vorbei. Sie haben Taschen voller Messer, Scheren, Küchenbeile oder sogar auch mal eine Axt dabei. Zwischen 9 und 17 Uhr üben die beiden Männer am Dienstag und Mittwoch in dieser Woche ihr messerscharfes Handwerk aus. Auch der Sarstedter Tierarzt Frieder Gundling gehört zu den Kunden. Er hat den Handwerkern zwei kleine Messer, mit denen er Gemüse zerteilt, und ein größeres Exemplar zum Brotschneiden mitgebracht. „Nach 50 Minuten waren sie fertig“, sagt der Ruther, der mit dem Schliff vollauf zufrieden ist. Das Ganze kostet 30 Euro. „Das ist angemessen“, meint Gundling.
Spontan-Schliff
Andreas Sehlen aus Jeinsen hat ebenfalls Arbeit für die Profis – und einen Schwung Messer dabei. „Das Schleifen würde ich selbst niemals hinbekommen“, sagt der Mann. Ein weiterer kommt offenbar spontan vorbei, zückt ein Taschenmesser. „Bitte beide Klingen schärfen.“ Gesagt, getan. In wenigen Minuten sind die Klingen wieder in Schuss. Fünf Euro kostet der Schliff.
Damit das Schneidgerät gut funktioniert, muss Enrico Rose das Metall in einem bestimmten Winkel an die Schleifmaschine ansetzen. Nach und nach werden etwa die Wellen eines Besteckmessers wieder brauchbar. Mit diesem konnte man kurz zuvor nur graue Striche auf ein weißes Blatt Papier ziehen, doch nach dem Feinschliff gleitet es durch den Zettel wie durch Butter.
Seit 100 Jahren unterwegs
Da strahlt der junge Mann. Seit sieben Jahren macht er nun diese Arbeit, bei der Präzision gefragt ist. „Die Handgriffe müssen genau sitzen“, sagt er. Das ist auch wichtig, um sich nicht zu verletzen – und vor allem eins: Übungssache, jahrelanges Training eben. Das ist Usus in der Familie, aus der Enrico Rose stammt. Schon seit 100 Jahren sei sie unterwegs, erzählt der 29-Jährige.
Und nun also in Sarstedt. Die mobilen Handwerker sind in dieser Woche nicht zum ersten Mal in der Stadt – vor ein paar Jahren haben sie hier schon mal Station gemacht. Die Messerschleifer, die in Seesen wohnen, sind während des Jahres kreuz und quer durch Deutschland unterwegs. „An der A7 entlang. Von Konstanz bis Flensburg“, erzählt Roses Kollege. Und immer geht’s ums Schärfen, Richten und Polieren. Der Bedarf ist jedenfalls da, etwa 50 Kunden hat Enrico Rose am Dienstag schon bis zum Mittag gezählt. Die Handwerker haben reichlich zu tun. Etliche geben ihre Messer ab, um sie nach ein paar Stunden wieder abzuholen.
Zehn Prozent Rabatt
Damit dies alles wie geschmiert läuft, summen die ölgetränkten Schleifsteine mit grober und feiner Struktur um die Wette. Die Zunft der fahrenden Scherenschleifer mit einer viele Jahrhunderte alten Tradition, die gibt es mithin noch. Zwei der wenigen Vertreter kann man jedenfalls dieser Tage in Sarstedt einspannen. Und ab zehn Teilen gibt es zehn Prozent Rabatt – die „Scharfmacher“ wissen, wie sie Kundschaft anlocken.
