Drispenstedt - Man muss schon Jahrzehnte in die Vergangenheit schauen, um auf ein Drispenstedter Bauprojekt ähnlichen Ausmaßes zu stoßen. Rund 40 Millionen Euro will die Gemeinnützige Baugesellschaft gbg in die Hand nehmen, um innerhalb der nächsten vier Jahre an der Ehrlicherstraße ein komplett neues Einkaufszentrum heranwachsen zu lassen. Noch während der Vorbereitungen fiel auf, dass auch viele Leitungen in der Umgebung ihre besten Zeiten lange hinter sich haben. Also lässt die Stadtentwässerung Hildesheim (SEHi) von Montag an und bis voraussichtlich Ende 2023 die Kanäle erneuern.
Gleichzeitig rücken demnächst Arbeiter in der Umgebung an, um im Auftrag der Energieversorgung Hildesheim (EVI) weitere Versorgungsleitungen in der Umgebung zu tauschen. Am Ende sollen Gas-, Wasser-, Strom-, Fernwärme-, aber auch Fernmelde- und Glasfaserleitungen im Bestzustand sein. Erst danach können die Abrissbagger kommen, um der maroden Ladenzeile den Garaus zu machen. Sie war zuletzt 1992 umfangreich saniert worden. Aber eine weitere Sanierung kam jetzt nicht mehr infrage.
Noch sind nicht alle Mietparteien ausgezogen
Wer dieser Tage in dem Bereich zwischen Jordan- und Hermann-Seeland-Straße unterwegs ist, hat zumeist das Gefühl, dass das Leben die alte Ladenzeile schon jetzt verlassen hat. Auch wenn noch nicht alle Mieter ausgezogen, alle Geschäfte geschlossen sind: Laut gbg ist die Entmietung des Objekts in vollem Gange. Die acht privaten Mieter sollen bis Ende Juni in andere Wohnungen ziehen. „Einige sind schon, andere noch nicht“, sagt gbg-Sprecher Frank Satow. Was preiswerten Wohnraum angeht, wird der neue Komplex am Ende des Projekts deutlich mehr zu bieten haben: Nach Abschluss aller Arbeiten soll es 51 Sozialwohnungen geben.
Von den gewerblichen Mietern werden nicht alle nach Abschluss der Arbeiten in den Neubau wechseln. Die Hubertus-Apotheke, die Arztpraxis, die Kneipe (Café Istanbul), das Dönerbistro, Lotto- und Poststelle, die SB-Sparkasse und die Versicherung kehren zurück. Auch einen Frisör soll es wieder geben. „Hierfür suchen wir derzeit noch einen Mieter“, sagt Satow. Das kleine Reisebüro und einen Kiosk in bisheriger Form soll es in der neuen Ladenzeile aber nicht mehr geben. Mit allen bisherigen Parteien sei aber eine einvernehmliche Lösung gefunden worden, heißt es von der gbg.
Freude über neue „Ankermieter“ ist groß
Viele Menschen im Stadtteil dürften sich vor allem auf die neuen „Ankermieter“ freuen, wie sie im Stadtentwicklungs-Jargon genannt werden. Denn sowohl die Drogerie-Kette Rossmann als auch Lebensmittelhändler Edeka werden wohl nicht nur die rund 5500 Bewohner Drispenstedts locken, sondern auch weitere Menschen aus der Umgebung. Im Edeka soll zudem ein Bäcker öffnen.
Daneben hat die gbg eine Eisdiele gewonnen, die mit einziehen will. Bis man sich hier das erste – vor Ort produzierte Eis – kaufen kann, wird aber noch viel Zeit vergehen. Die gbg rechnet damit, dass die Arbeiten bis 2026 dauern werden.
