Modell-Eisenbahn-Club Hildesheim

Mini-Metronom, Weinberge, Verfolgungsjagd: Das gibt’s beim Hildesheimer Modell-Eisenbahn-Club zu entdecken

Hildesheim - Loks, Anhänger, Tunnel – alles im Miniaturformat: In der Schützenallee baut der Hildesheimer Modell-Eisenbahn-Club seine Anlage auf: mit viel Liebe zum Detail. (mit Video)

Mit Blick auf den Rangierbahnhof bringt MEC-Vorsitzender Helmut Kröher einen Zug in Position, während Manfred Kaltenthaler zusieht. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Die Weinberge sind schon fertig, auch das Lokal mit Terrasse und schönem Ausblick darüber. An anderen Stellen zeigt die Landschaft, die der Modell-Eisenbahn-Club (MEC) in seinen Vereinsräumen aufgebaut hat, aber noch Lücken, und die Züge fahren über nacktes Holz statt durch Wiesen und Wälder. Das ganze Projekt mit Häusern, Tunneln, Bahnhöfen, Gleisen und Straßen macht eben viel Arbeit – und es gibt auch Rückschläge.

Bauen, Umbauen und Reparieren gehören für die Modellbahner aber zu ihrem Hobby dazu, erklären der Vorsitzende Helmut Kröher und sein Stellvertreter Joachim Hartmann. Das Gestalten mache ebenso viel Spaß wie später das fertige Ergebnis.

Der 1950 gegründete Club musste in seiner Geschichte schon öfter umziehen. Lange Zeit – von 1969 bis 2008 – drehten die Modellbahnen in der Größe 1:87 in einem Kellerraum unter dem Bahnhof ihre Runden. Doch dort musste der Club ausziehen, weil es derzeit Pläne gab, den Bahnhof umzubauen und ein Einkaufszentrum anzuschließen. Die Clubmitglieder bangten um ihre Zukunft, fanden aber in einem Keller in der Schützenallee 41b eine neue Unterkunft.

Anlage erstreckt sich über 47 Quadratmeter

Hier gab es zwar erstmal viel Renovierungsbedarf, dafür aber auch Platz für eine Werkstatt und einen Aufenthaltsraum. Auf 47 Quadratmetern breitet sich die Modellbahnanlage im größten Raum aus, dazu kommt ein Abstellbahnhof im Nachbarzimmer. Den fahren die Züge durch Löcher in der Wand an, so dass sie aus dem Sichtfeld von Besuchern und Besucherinnen diskret verschwinden.

Nach dem Umzug musste die Anlage komplett ab- und neu aufgebaut werden. Für den Fall, dass so etwas nochmal passieren sollte, erstreckt sich die Landschaft nun über 1 Meter mal 1,5 Meter große Elemente in Rahmenbauweise. Zum Aufbau kommt hinzu, dass die H0-Anlage jetzt komplett von analog auf digital umgestellt wird. Karl-Heinz Herrlich steht hinter der Steuerzentrale, behält die Monitore im Blick und sucht die Ursache, wenn die Züge plötzlich nicht mehr fahren wie sie sollen. Später soll es mehrere Anschlüsse geben, um die Anlage auch per Smartphone oder Laptop zu steuern.

Alle Loks müssen für den digitalen Betrieb neu verkabelt und anschließend eingemessen werden. „Das ist eine schöne Herausforderung“, findet Joachim Hartmann. Bei ihm hat die Liebe zum Modellbahnbau schon mit vier Jahren begonnen: „Da habe ich von meiner Oma das erste Oval bekommen.“ Sein Hobby gab auch den Anstoß, von Beruf Elektriker zu werden.

Magnetstreifen leiten die Autos

Jetzt kümmert er sich unter anderem um das Car-System der Anlage. Die Begeisterung lässt ihn strahlen, wenn er von den Möglichkeiten spricht: Ein Trecker fährt durch einen Tunnel und stoppt am Landhandel auf der Waage; im Feuerwehrhaus öffnen sich nacheinander die Tore und die Fahrzeuge fahren hinaus; ein Polizeiwagen kurvt um Häuserzeilen, deren Fenster von zig kleinen LED beleuchtet werden, und sogar der Misthaufen auf dem Bauernhof wird qualmen.

Einen Teil der Strecke hatte Hartmann schon einschließlich der Fahrbahnmarkierungen fertiggestellt, die Fahrzeuge wurden mit einem unsichtbaren Draht geleitet. Es stellte sich aber heraus, dass die Methode nicht sicher war, ein Auto kam von der Straße ab und fiel zu Boden. Darum haben sich die Hobby-Bahner nun für Magnetstreifen in den Straßen entschieden, um Fahrzeuge zuverlässig auf der Spur zu halten.

15 Männer und eine Frau gehören derzeit dem Club an. Dass sie unter den Modellbahnfans eine Ausnahme darstellt, daran hat sich Manuela Koch als einzige Frau im MEC längst gewöhnt. Es ging ihr schon als Kind so: Als die Brüder Modellbahnen geschenkt bekamen, wünschte sie sich auch eine, fand das spannender als ein Puppenhaus, erzählt Koch. Ihre Freundinnen konnte sie dafür aber nicht begeistern.

Neue Mitglieder sind sehr willkommen

Die Arbeit an der Anlage wäre mit mehr Mitgliedern natürlich schneller geschafft, sagt Vorsitzender Kröher, besonders wenn sie Interesse an Elektrotechnik und Digitalisierung mitbringen. Bei einem Altersdurchschnitt von jetzt 66 Jahren wären junge Leute höchst willkommen, könnten auch erstmal zuschauen und mitmachen, ohne gleich in den Club einzutreten. Informationen gibt es auf der Internetseite mec-hildesheim, seit Ende Juni ist auf YouTube auch ein Video des Clubs zu sehen.

Immer dienstags und donnerstags ab 19 Uhr können Besucher oder Besucherinnen vorbeischauen, sollten sich aber möglichst vorher anmelden.

Der letzte Fahrtag des MEC für die Öffentlichkeit, damals noch in den alten Räumen, erfuhr 2008 einen regelrechten Ansturm. Die Mitglieder hoffen, dass die Anlage bald soweit fertiggestellt ist, dass sie vielleicht noch in diesem Jahr wieder einen Fahrtag anbieten können.

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