Kreis Hildesheim - Die Harzwasserwerke setzen die umfangreiche Sanierung wichtiger Bauwerke der Söse-Talsperre in den kommenden Jahren fort. In den nächsten gut zwei Jahren lässt das Hildesheimer Unternehmen die sogenannte Vorsperre des Stausees aufwendig sanieren und zum Teil auch umbauen. Die Anlage soll dann selbst auf ein Hochwasser eingestellt sein, wie es statistisch gesehen nur alle 10 000 Jahre einmal vorkommt. Die Arbeiten beginnen am 6. März. In ihrem Zuge wird eine wichtige Bundesstraße in den Harz hinein für mehr als zwei Jahre gesperrt. Insgesamt ist das Bauprojekt mit 30 Millionen Euro veranschlagt.
22 Meter lange Bohrpfähle
Die „Vorsperre“ der Söse-Talsperre ist ein Becken, das dem eigentlichen Stausee vorgelagert ist. Hier fließt das Wasser der Söse zunächst hinein, bevor hinter einer ersten Staumauer die eigentliche Talsperre beginnt. Die Vorsperre dient unter anderem dazu, Baumstämme, Sedimente und anderes Treibgut herauszufiltern und nicht in den eigentlichen Stausee gelangen zu lassen. Ist sie voll, hat sie ungefähr eine so große Wasserfläche wie der Hohnsensee und ein Fassungsvermögen von 620 000 Kubikmetern. Zum Vergleich: Die Söse-Talsperre selbst kann 25,6 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen.
Zwischen Vorsperre und Stausee sind nun eine komplett neue Dammdichtung und eine neue Wehranlage nötig. „Dafür wird im ersten Bauabschnitt eine Dichtwand und Baugrube errichtet, in der bis zu 22 Meter lange Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 1,20 Metern verbaut werden“, erklären die Harzwasserwerke. Daraus soll später die neue, rund 18 Meter hohe Dichtung im Kern des Staudamms entstehen.
Fokus auf der Schussrinne
Ein besonderer Fokus liegt aber auf einer neuen „Hochwasserentlastung“ samt sogenannter Schussrinne. Diese Anlage dient dazu, Wasser direkt in den Stausee weiterzuleiten, wenn die Söse außergewöhnlich viel Wasser in die Vorsperre spült. Damit die Dammkrone samt Bundesstraße dann nicht überschwemmt wird, richten die Harzwasserwerke wie an anderen Talsperren diese Art einen Überlauf ein. Dort sollen im Notfall bis zu 140 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der Vorsperre in den Stausee fließen – eine Situation, zu der es nach Einschätzung des Unternehmens nur alle 10 000 Jahre kommen kann. „Die Modernisierung der Vorsperre dient der Anpassung der Söse-Talsperre an den Klimawandel und macht die Talsperre auch für Extremwetter-Ereignisse zukunftssicher“, betont Harzwasserwerke-Geschäftsführer Lars Schmidt.
Bundesstraße im Harz gesperrt
Was das ganze Bauvorhaben speziell macht: Die Bundesstraße 498, die Osterode mit Altenau im zentralen Westharz sowie mit der Bundesstraße 242 verbindet, führt über die Dammkrone zwischen Vorsperre und Stausee. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr lässt große Teile der Fahrbahn erneuern und zudem die Brücke über die Stauanlagen neu bauen. Deshalb ist die Bundesstraße zwischen der Talsperre und dem Ort Riefensbeek-Kamschlacken bis Sommer 2025 gesperrt. Die Staumauer der Talsperre, ein beliebtes Ausflugsziel, bleibt aber aus Richtung Osterode erreichbar.
Die Söse-Talsperre wurde in den Jahren 1928 bis 1931 als erste Talsperre im Westharz errichtet. Das Trinkwasser für Hildesheim, Sarstedt und weitere Städte und Gemeinden im Kreisgebiet stammt von hier. Aktuell ist die Söse-Talsperre zu 78,8 Prozent gefüllt. Dieser Wert ist etwas höher als der Füllstand des Trinkwasser-Reservoirs zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren.

