Hildesheim - Jo-Beach, Freitag 16.30 Uhr: Die Luft ist vom Regen der vergangenen Nacht noch angenehm kühl, als Moderator Christoph „Scholle“ Scholz das erste Startsignal für den achten Hildesheimer Firmenlauf gibt. Den Anfang macht der Schnupperkurs: auf 3,5 Kilometern geht es – wie auch kurz darauf beim Walken – einmal um den Hohnsensee. Ganz vorne an der Startlinie bilden die Sportlerinnen und Sportler der Diakonie Himmelsthür einen hochmotivierten pinken Block.
Insgesamt werden an diesem Tag 2768 Teilnehmende in verschiedenen Laufgruppen erst die Start- und dann die Ziellinie überqueren. Der älteste unter ihnen ist mit 88 Jahren Hans Kabatnik vom Team Bosch. Er schafft die Walking-Runde um den Hohnsensee in 22:27 Minuten und belegt damit Platz 12 von 125. Früher sei er Marathons gelaufen, die letzten fünf noch in dem Jahr, als er 75 wurde. „Dann habe ich mit dem Laufen aufgehört.“ Aber nicht mit dem Sport. Zwei Mal die Woche trifft er sich mit der Bosch-Betriebsgruppe zum Training im Hildesheimer Wald. „Unsere Jugendlichen in der Gruppe werden jetzt 70“, sagt er und schmunzelt.
Die Schnellsten auf 9,5 Kilometer
„Es ist richtig crazy hier – echt wild“, sagt eine Zuschauerin in ihr Smartphone, als gegen 16.45 Uhr die ersten Teilnehmer des Schnupperkurses, von Jubel begleitet, ins Ziel einlaufen. Er sei normalerweise kein Läufer, sagt schwer atmend der Erstplatzierte Christoph Meister von der Firma Petrofer Chemie. Seine Sportarten seien Volleyball oder Basketball. „Deshalb der Schnupperkurs.“
Während wenig später die schnellsten Walker im Ziel ankommen, ist an der Startlinie bereits die erste Laufgruppe der 9,5-Kilometer Strecke bei ihren Dehnübungen zu beobachten. Auf den ersten Platz bei den Männern läuft hier für das Ingenieurbüro Blank der 24-jährige Felix Büchel, Deutscher Meister im Duathlon und neuerdings als Triathlet in der ersten Bundesliga aktiv. Ab dem ersten Kilometer sei es auf der Strecke einsam geworden, sagt er. „Dann habe ich keinen mehr gesehen.“ Mit genau 30 Minuten war Büchel 3:42 Minuten schneller als der Zweitplatzierte Christof Bodenburg von der Universität Hildesheim und 4:26 Minuten schneller als der Drittplatzierte Silas-Markus Witte von Waggonbau Graaff. Die schnellste Frau auf dieser Streckenlänge war mit 40:36 Minuten Simone Günther vom Gewerbeaufsichtsamt, dicht gefolgt von Henriette Abramowski (40:52), die für das St. Bernward Krankenhaus (BK) lief. Platz Drei sicherte sich Elisabeth Schindehütte (44:50) von Dynamo Fahrradideen.
Phänomenale Stimmung
Je später es an diesem Freitag wird, desto voller wird es im Zielbereich; überall lächelnde, nach Luft schnappende Gesichter, glühende Wangen, Kollegen, die einander erschöpft, aber stolz auf die Schultern klopfen, sich in den Armen liegen, lachen oder singen. Jeder Blick, der einem anderen begegnet, verwandelt die Miene des Gegenübers in eine lächelnde. Einer rennt nach dem Ziel noch etliche Meter weiter, wirbelt herum und lässt sich in einer fließenden Bewegung rittlings auf den Boden fallen, mit schmerzverzerrtem Gesicht, Füße gen Himmel. Ein anderer schaut betreten, aber voller Sehnsucht auf die Zigarette, die in seiner Handfläche liegt, bevor er sie ungeraucht wieder in der Hosentasche verschwinden lässt. Manche Läuferinnen und Läufer sinken entkräftet in die Hocke, andere atmen mit durchgestreckten Armen gegen die Seitenstiche an. Unterdessen brandet immer wieder Applaus auf, die Menschen jubeln, angestachelt von dem Moderatoren-Duo Scholz und Jascha Körner.
Orange, Gelb, Blau, Rot oder Pink – die verschiedenen Trikotfarben ergeben ein buntes Durcheinander unter einem wolkenverhangenen Himmel. Mindestens sechs verschiedene Grüntöne sind vertreten, und natürlich riecht es in der stetig wachsenden Menge am Ufer des Hohnsensees nach Sportkleidung, Deodorant – und Bananen. Die gibt es neben anderen Erfrischungen und gesunden Snacks am Stand des diesjährigen Medienpartners, dem Medienhaus Gerstenberg.
5,5 Kilometer am beliebtesten
Im Gesicht von Pia Meineke sitzt ein strahlendes Lächeln, als sie nach der Überquerung der Ziellinie auf ihre Kollegen trifft. Die Lehrerin der Friedrich-List-Schule hatte Spaß an der Strecke. „Aber am Schönsten war die Stimmung.“
Auch Mit-Organisator Holger Gröbitz ist begeistert. „Man spürt hier wirklich den Team-Spirit bei den verschiedenen Firmen“, betont er. In seinem Rücken bilden die Mitarbeitenden der Firma Rapiro einen hüpfenden und singenden, orange-leuchtenden Pulk. „Das meine ich“, sagt Gröbitz lachend. „Die Stimmung ist super.“ Auch auf der Strecke hätten sich die Leute gegenseitig angefeuert, selbst wenn sie einander gar nicht gekannt hätten, sagt Gröbitz, der selbst die 5,5-Kilometer-Strecke gelaufen ist. Es war die Distanz mit den meisten Teilnehmenden (1.362). Gewonnen hat die 5,5 Kilometer bei den Männern Alexander Kleiner-Bley von der Firma MeKo Manufacturing (17:19). Auf Platz Zwei landete von der Firma Bosch Frank Berkemeyer (19:10), Platz Drei belegte Alexander Affelt (19:28) vom Betrieb Rainer Hariefeld. Bei den Damen gewann die 5,5 Kilometer Angelique Reimer (22:26) vom Studienseminar Hildesheim für das Lehramt an Gymnasien, auf Platz Zwei lief Katharina Tergau (24:24) vom BK, und den Dritten Platz ergatterte Manuela Tummer (24:38), ebenfalls BK.
Beste Teamwertung
Die Teamwertung gewannen auf der Strecke von 9,5 Kilometern die Bosch Research Runners (2:37:03). Auf der 5,5-Kilometer-Strecke gewann das Team MeKo Manufacturing (1:2524).
Die schnellsten Männer und Frauen im Einzel erhielten als Preis jeweils einen 75-Euro-Gutschein von Sport Voswinkel. Die besten Teams erhielten je vier Karten für das GOP Varieté-Theater Hannover. Erst als alle über die Ziellinie waren, kam der Regen.
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