Energiewende

Mit Abstand größter Solarpark im Kreis Hildesheim: Wann ein Bau frühestens beginnen könnte – und was Eon zu Protesten sagt

Groß Ilde - Die Anlage soll fünfmal so groß werden wie alle bestehenden Solarparks im Kreis Hildesheim zusammen. Die zuständige Kommune könnte das Projekt aber verhindern, der Bürgermeister sieht den Rat vor einer Grundsatzentscheidung.

Blick über Groß Ilde: Von hier aus gesehen hinter dem Ort, also im Westen und Südwesten, plant der Eon-Konzern den mit Abstand größten Solarpark im Landkreis Hildesheim. Foto: Michael Vollmer

Groß Ilde - Es soll der mit Abstand größte Solarpark im Landkreis Hildesheim werden – und vor Ort läuft eine neu gegründete Bürgerinitiative bereits Sturm. Nun hat sich der Energiekonzern Eon auf HAZ-Anfrage zu seinem Vorhaben geäußert, westlich und südlich von Groß Ilde (Stadt Bockenem) eine Freiflächen-Photovoltaikanlage zu bauen. Zudem kündigte das Unternehmen an, Bürgerinnen und Bürger „zeitnah“ zu einer Info-Veranstaltung vor Ort einzuladen. Eon plant das Projekt gemeinsam mit sieben örtlichen Grundbesitzern.

Die Erwartung: 55 Millionen Kilowattstunden im Jahr

Nach Angaben einer Eon-Sprecherin soll der geplante Solarpark rund 55 Hektar groß werden, das entspricht einer Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Der Konzern widerspricht indes den Darstellungen der BI über die geplante Lage des Solarparks, der Groß Ilde demnach im Westen und Süden weitgehend einfassen würde: „Die auf der Website der BI gezeigten Pläne entsprechen nicht unserer aktuellen Planung.“ Wie diese stattdessen aussieht, sagte Eon aber noch nicht.

Der Solarpark soll etwa 55 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Das entspricht dem Jahresbedarf von rund 16.000 Durchschnitts-Haushalten – zumindest rechnerisch, da Solarstrom in der Praxis natürlich sehr unregelmäßig erzeugt wird.

Eon plant Antrag an die Stadt

Allerdings betont Eon, dass das Vorhaben sich noch im Anfangsstadium befinde. Entscheidende Voraussetzung sei die Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Stadt Bockenem. Heißt: Wenn der Stadtrat dies ablehnt, kommt auch der Solarpark nicht. Eon will Anfang 2025 einen Antrag an die Stadt stellen, dieses Verfahren zu starten.

Das ist anders als beim Thema Windkraft in Bockenem, bei dem die Stadt praktisch keinen Einfluss darauf hat, wo Windräder errichtet werden dürfen. Außerdem liegt die vorgesehene Fläche nicht an einer Bahnlinie oder einer Fernstraße und damit nicht in einem Bereich, in dem Solarparks als privilegierte Vorhaben gelten.

Solarparks nur an der Autobahn?

Bockenems Bürgermeister Rainer Block sieht den Bockenemer Rat vor einer Grundsatzfrage. Er verweist zum einen darauf, dass die Kommune „zum Erreichen der Klimaziele im Bereich Windenergie einen größeren Beitrag wird leisten müssen als ihr lieb ist“. Zum anderen stünden für Solarparks in Bockenem insgesamt 225 Hektar Land entlang der Autobahn 7 zur Verfügung – eben in jenem Bereich, in dem Photovoltaik privilegiert ist. Deshalb habe er den Rat gebeten, zu entscheiden, ob Solarpark-Projekte außerhalb dieser privilegierten Bereiche überhaupt noch unterstützt werden sollen. Er erwarte dazu eine Entscheidung noch in diesem Jahr,

Eon zeigt sich indes zuversichtlich, eine Mehrheit im Stadtrat und in der Bevölkerung zu gewinnen – „da ein Solarpark nach Errichtung keinen Lärm macht, keine Luft-Emissionen ausstößt, keine Verkehrsbelastung mit sich bringt, dafür aber einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Energiezukunft leistet“. Zudem verweist Eon darauf, dass im Kreis Hildesheim zwar viele Windräder, aber nur weniger und eher kleine Solarparks in Betrieb seien. Dabei würden sich Wind- und Solarstrom durch unterschiedliche Hauptproduktionszeiten sehr gut ergänzen.

Petition schon jetzt erfolgreich

Zudem verspricht Eon Stadt und Bevölkerung eine finanzielle Beteiligung an den Erträgen des geplanten Solarparks. Mit Blick auf das Thema Landschaftsbild, das durch die drei Meter hohen Module erheblich verändert würde, verweist das Unternehmen darauf „dass die dunkle Rückseite der Module nach unserer Planung beim Blick von Groß Ilde aus vor dem dunklen Waldrand liegen wird“. Unter den Modulen sei Platz für Vegetation und zum Beispiel für weidende Schafe. „Üblicherweise umfassen wir unsere Solarparks zudem mit Hecken, die einen wertvollen Lebensraum für Insekten und Vögel bilden und so die Biodiversität vor Ort fördern“, ergänzt eine Eon-Sprecherin.

Die Groß Ilder BI hat indes für ihre Petition gegen den Solarpark bereits 429 Unterschriften gesammelt – deutlich mehr, als nötig sind, damit sich der Stadtrat mit der Petition befasst. Dabei läuft die Zeichnungsfrist noch bis zum 2. April nächsten Jahres.

So argumentiert die Bürgerinitiative

Ein wesentliches Argument der BI ist die Entwicklung im Bockenemer Stadtgebiet mit Blick auf die Energiewende insgesamt. So gibt es dort schon jetzt – auch nah bei Groß Ilde – recht viele Windräder. Und verschiedene Investoren planen bis zu 60 weitere. Hinzu kommen unter anderem eine Biogasanlage sowie die Stromtrasse Wahle-Mecklar. „Wir sind nicht gegen die Energiewende, jedoch erdrückt die geballte Menge an Projekten einen Ort wie unseren mit 240 Einwohnern“, moniert die BI und warnt: „Aus einer historischen Kulturlandschaft wird sich der Ambergau zu einer zerstörten Energielandschaft entwickeln.“

Zudem kritisiert die BI, der erzeugte Strom könne angesichts der Netzkapazitäten ohnehin zumindest nicht in Gänze abtransportiert werden. Dazu erklärt Eon: „Selbstverständlich würden wir den Solarpark in Groß Ilde nicht bauen wollen, wenn eine Einspeisung und damit das Projekt unwirtschaftlich wäre.“

Baustart nicht vor 2027

Kommt es tatsächlich zur nötigen Aufstellung des Bebauungsplans und den weiteren nötigen Genehmigungen, rechnet Eon mit einem Baustart frühestens im Jahr 2027.

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