Pothole Rodeo

Mit dem Heizölporsche über Schotterpisten – vier Freunde aus dem Kreis Hildesheim brechen zum Abenteuer durch Großbritannien auf

Harsum - Was haben Rostlauben, Discokugeln und Atomraketensilos gemeinsam? Sie alle können einem bei der Abenteuer Rallye Pothole Rodeo begegnen. Was vier Freunde aus dem Kreis Hildesheim in diesem Jahr davon erwarten – und welche Herausforderungen sie womöglich meistern müssen.

Fabian Plog, Jannik Klawitter, Marius Germer und Nathalie Weber (von links) fahren in ihrem alten BMW über Schotterpisten durch Großbritannien.  Foto: Joscha Röhrkasse

Harsum - Auf einem Handtuch am Strand liegen und sich zwei Wochen lang die Sonne auf den Pelz scheinen lassen? So kann Urlaub aussehen. Allerdings nicht, wenn es nach Fabian Plog, Jannik Klawitter, beide 25, Marius Germer, 27, und Nathalie Weber, 26, geht. Die vier Freunde aus Harsum und Hildesheim haben Urlaubspläne – das schon – mit Erholung allerdings haben die nicht viel zu tun. Am 18. August startet das selbst ernannte Team Heizölporsche zur Celtic Edition des Pothole Rodeo, einer Abenteuer Rallye quer durch England, Wales, Schottland und Irland.

Bis zum 26. August wollen die vier dann in Tages-Etappen durchs Hinterland der britischen Inseln juckeln, typisch für das Pothole Rodeo vor allem über Schotter- und Huckelpisten – und das, wie Klawitter schätzt, „so acht bis zehn Stunden täglich“.

Für ihn und Marius Germer wird es die dritte Abenteuer Rallye des österreichischen Veranstalters Back Road Club, Fabian Plog kommt zum zweiten Mal mit, für Nathalie Weber wird es die erste Tour dieser Art. Um einen Platz auf dem Siegertreppchen geht es beim Pothole Rodeo nicht. „Der Weg ist das Ziel“, sagt Germer. „Es geht vielmehr darum, dass alle auch wirklich ankommen.“ Dass davon nicht immer auszugehen ist, erklärt sich beim Blick auf die Teilnahmebedingungen.

Eine Rallye für Rostlauben

Das Pothole Rodeo ist eine Rallye für Rostlauben. Zugelassen sind drei Fahrzeugklassen: Shitbox, 50 PS und 500.000 Km. Zur Shitbox Klasse zählen Fahrzeuge, die nicht mehr als 500 Euro gekostet haben, in der 50 PS Klasse – der Name verrät es – darf kein Auto mehr als 50 Pferdestärken besitzen; in beiden Klassen müssen die Vehikel mindestens 20 Jahre alt sein. In der 500.000 Km Klasse spielt das Alter des Wagens keine Rolle mehr, dafür die Laufleistung. Die muss bei mehr als einer halben Million Kilometer liegen.

„Unser BMW liegt jetzt ungefähr bei 550.000 Kilometern“, sagt Germer. Die 20 Jahre hat der E39 520d auch schon überschritten. „Wir haben uns das Auto für unsere erste Rallye vor drei Jahren gekauft“, berichtet Klawitter. Rund 1750 Euro haben sie damals dafür bezahlt. Dass ein Rallye-Teilnehmer dann unterwegs mal liegen bleibt, sei nicht ungewöhnlich, sagt Germer. Man helfe sich in der Regel gegenseitig, um schnell wieder auf die Piste und am Ende doch noch durchs Ziel zu kommen.

Neben Checkpoints und Tageszielen gibt es tägliche Challenges, also Herausforderungen – und die haben, wie Germer erzählt, mit Motorsport nicht viel zu tun. „Letztes Jahr im Baltikum gab es die Challenge, sich bei irgendeiner Oma selbst einzuladen, um mit ihr in der Küche Pudding zu kochen.“

Verrückte Herausforderungen

Eine andere Herausforderung sei es gewesen, so viele Reifen wie möglich auf dem Auto zu stapeln, sagt Klawitter. „Die Challenges wurden täglich immer verrückter.“ Der Spaß steht dabei offensichtlich an erster Stelle. Bleibt eine, für alle Roadtrips essenzielle, Frage: Was für Musik läuft während der Fahrt? „Alles“, sagt Klawitter. „Oft hören wir auch einfach die Radiosender der Länder, durch die wir fahren. Selbst dann, wenn wir nichts verstehen.“ Alle vier grinsen beim Gedanken an ihre bevorstehende Reise. In Hotels werden sie unterwegs übrigens nicht absteigen. Bei richtig hartem Wetter sei das zwar auch nicht verboten, sagt Germer. „Aber bei so einer Rallye gehört Camping dazu.“

Um möglichst viel Gepäck unterzubringen, hat das Team Heizölporsche das Reserverad aus dem Kofferraum entfernt und auf den Dachgepäckträger eine geräumige Kiste und ein großes Fass geschnallt. Darin sollen Schlafsäcke und Isomatten verstaut werden. Natürlich sorgt die Tonne auch für den passenden Look.

Zur Orientierung hat der Backroad Club auf seiner Internetseite einen sogenannten Style Guide veröffentlicht, der die Teilnehmenden dazu auffordert, die Hochglanzpolitur zu vernachlässigen, dem fahrbaren Untersatz dafür aber ein wenig Style zu verpassen. Sitzbezüge in Leopardendesign werden da beispielhaft genannt oder die Discokugel anstelle der Innenbeleuchtung. „Der 20 Liter Reservekanister am Dach ist zwar nicht notwendig, aber schon cool.“

Beim russischen Atomraketensilo

Der Reiz einer solchen Rallye liege doch gerade darin, mal etwas anderes zu machen, sagt Klawitter. Es sei wie Sightseeing. „Aber eben nicht an den Touristenhotspots in den Großstädten“, ergänzt Germer. „Man fährt ja eher durchs Hinterland.“ So ließen sich Länder auf eine ganz andere Weise kennenlernen.

Und mitunter außergewöhnliche Entdeckungen machen. „Auf unserer letzten Route haben wir uns in Lettland ein russisches Atomraketensilo angeschaut“, sagt Klawitter. So einem werden sie auf ihrer diesjährigen Strecke wohl nicht erneut begegnen. Dafür laut dem Backroad Club aber sehr vielen Schafen.

Geld für gemeinnützige Projekte

Damit das Pothole Rodeo nicht nur den Teilnehmern Freude bereitet, gibt es zu jeder Rallye einen Spendenaufruf für verschiedene gemeinnützige Projekte. In diesem Jahr dienen die Spenden dem Bau einer Vorschule in Marokko, der psychologischen Unterstützung geflüchteter ukrainischer Kinder oder der Aufrechterhaltung einer Kindertagesstätte in Albanien. Bislang (Stand 2. August) sind bereits rund 38.000 Euro für diese Projekte zusammengekommen.

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