Hildesheim - Flugabwehrraketensysteme vom Typ Patriot sind spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine sehr vielen Menschen ein Begriff. Mit ihnen werden nahende Raketen, Marschflugkörper und Flugzeuge vom Himmel geholt. Sehr viele Nato-Staaten setzen schon auf den mobilen Schutzschirm – auch für Deutschland bilden die komplexen Systeme das Rückgrat der Luftverteidigung.
In den Nachrichten sind die Patriots schon seit vielen Jahren, echte Exemplare zu Gesicht bekommen haben dürften die wenigsten Menschen. Das könnte sich in einigen Wochen bei neugierigen Hildesheimerinnen und Hildesheimern ändern. Die Bundeswehr sucht wegen der derzeitigen weltpolitischen Lage Nachwuchs, und eine Art „Tournee“ des Karrierecenters Hannover startet am 30. Oktober in Hildesheim – mit einem an der Kaiserstraße aufgestellten Patriot-System am Eröffnungstag sowie voraussichtlich an drei weiteren Tagen ganz am Ende des fast zweiwöchigen Besuchs. Die Patriots werden aus diesem Anlass extra aus einem anderen Bundesland nach Hildesheim gebracht.
Bundeswehr registriert ein großes Interesse an ihrer Arbeit
„Sehr viele junge Leute interessieren sich derzeit für einen Besuch bei der Bundeswehr“, sagt Oberstleutnant Johannes Maria Glowka, Leiter des Dezernats Werbung und Beratung des Bundeswehr-Karrierecenters Hannover. Deshalb gehen er und die anderen Beteiligten sowie die eingebundenen Stellen bei der Stadt von einem erheblichen Interesse in Hildesheim aus. Auch an den Schulen in der Umgebung haben die Soldaten heftig die Werbetrommel gerührt. „Wir haben 36 Schulen der Umgebung aufgesucht und sie eingeladen“, berichtet Glowka. Einige Schulen hätten daraufhin angefragt, ob sie mit größeren Gruppen oder ganzen Jahrgängen kommen könnten.
Die Bundeswehr besteht aktuell aus etwa 180.000 Soldaten. Vor dem Hintergrund der weltpolitischen Lage benötigt sie in den kommenden Jahren aber Zehntausende zusätzliche Soldaten. Und das nicht nur bei der aktiven Truppe – also Soldaten unter Waffen –, sondern auch in zahlreichen zivilen Bereichen. An dieser Stelle will sich die Bundeswehr auch in Hildesheim als moderner und vielfältiger Arbeitgeber präsentieren. Und das gleichzeitig durch einen vergleichsweise lockeren Auftritt unterstreichen. „Das Tourneeprogramm trägt den Namen KA.R.L., weil wir Karriereberatung und Roadshow im Lounge-Charakter verbinden“, so Glowka.
Patriots und Schwerlasttransporter an der Kaiserstraße
Und so bringt die Bundeswehr nicht nur wechselnde „Lockvögel“ wie das Flugabwehrsystem Patriot samt Besatzung oder auch ein Exemplar des riesigen Schwerlasttransporters „Elefant“ mit nach Hildesheim, sondern zwei Bürocontainer, in denen sich Neugierige beraten lassen können, sowie einen weiteren, in dem in Kooperation mit vier Hildesheimer Sportvereinen für Einstellungstests erforderliche Leibesübungen gezeigt werden. Ursprünglich sollten alle Container und die Fahrzeuge auf dem Platz in der Fußgängerzone stehen, auf dem die Bernwardstraße auf die Kaiserstraße trifft. Aber irgendwann war klar, dass das zu eng wird. Der Container, in dem die Sportübungen gezeigt werden, steht jetzt auf dem Angoulêmeplatz. „Wir bespielen sozusagen den Bereich zwischen Angoulêmeplatz und Kaiserstraße“, so Glowka.
Aufgebaut wird am Mittwoch, 29. Oktober, der erste Tournee-Tag soll der Donnerstag, 30. Oktober, sein. Bis zum 12. November sind die Beraterinnen und Berater montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr ansprechbar, samstags zusätzlich von 9 bis 16 Uhr. Am Reformationstag, 31. Oktober, bleiben die Stände geschlossen.
Von Hildesheim aus geht es in elf weitere Städte
In den Containern beraten hauptamtliche Kräfte des Karrierecenters Hannover, also auch solche des dazugehörenden Büros im Langen Garten. Auch die aktiven Besatzungen der Patriots oder des Schwerlasters sollen ansprechbar sein und von ihren jeweiligen Berufen erzählen.
Hildesheim ist der Auftakt der Tournee. Anschließend geht es weiter nach Flensburg, Kiel, Lübeck, Buxtehude, Leer, Aurich, Osnabrück, Braunschweig, Göttingen, Wolfenbüttel und Neumünster. Diese Städte seien mit Bedacht ausgesucht worden. Aktive Bundeswehr-Standorte wie Munster, Wilhelmshaven oder Hamburg klammere man bewusst aus. „Da kennt man uns schon gut“, sagt Glowka.
Polizei soll ein waches Auge auf den Bundeswehr-Stand haben
In Vorbereitung des zweiwöchigen Aufenthalts haben der Oberstleutnant und seine Mitarbeiter viele Gespräche geführt, mit Dutzenden Schulen, der Agentur für Arbeit, Sportvereinen und Fitnessstudios. Auch die Polizei ist im Boot. Einen echten Schutz benötige man zwar nicht, vermutet Glowka. Und auch die Patriots sollen am Ende jeden Tages wieder in ihre Kaserne nach Mecklenburg-Vorpommern rollen. Trotzdem hoffe man, dass die Polizei ein Auge auf den Stand der Bundeswehr haben wird.

