Besonderes Hobby

Turnierreiter, Züchter und jetzt Kutscher im Kreis Hildesheim: Siegfried Sievers’ Liebe zu den Pferden

Wülfingen - Früher ritt Siegfried Sievers aus Wülfingen Turniere. Mit 72 Jahren ist er Pferden immer noch zugetan, doch den Sattel tauschte er gegen den Kutschbock und den Hannoveraner gegen das Kaltblut Marlene. Für Sievers sind die Kutschfahrten mehr als nur ein Hobby. (Mit Video)

Ein eingespieltes Team: Siegfried Sievers mit seiner Marlene. Foto: Andrea Hempen

Wülfingen - Marlene will es unter den Hufen etwas weicher haben. Das Pferd zieht etwas nach rechts und verlässt so den geschotterten Feldweg. Auf dem Grünstreifen ist der Hufschlag nicht mehr zu hören, offenbar läuft es sich so angenehmer. Siegfried Sievers auf dem Kutschbock schmunzelt und lässt Marlene gewähren. Mehrmals in der Woche spannt der Wülfinger an, um mit seiner Marlene ein bis anderthalb Stunden durch die Natur zufahren.

Landwirt Siegfried Sievers ist schon von klein auf mit Pferden vertraut. Auf dem elterlichen Hof in Pattensen züchtete sein Vater Friedrich Hannoveraner und so saß der Junior schon früh sicher im Sattel, nahm als Jugendlicher an den ersten Spring-Turnieren teil. Auch Sievers züchtete, sein letzter Zuchterfolg ist eine mittlerweile vier Jahre alte Stute, deren Großvater eine richtige Größe war. „De Niro war über Jahre der erfolgreichste Dressurvererber der Welt“, erzählt Sievers.

Marlenes Box ist die gleich gegenüber von den Hannoveranern. Sievers öffnet die Tür und führt Marlene hinaus. Das Schwarzwälder Kaltblut kaufte er vor zehn Jahren als Fohlen. „Wer mit der Jugend und dem Pferde lebt, wird niemals alt“, ist Sievers Motto. Den Spruch trägt er immer bei sich im Portemonnaie, nachdem er ihn mal in der Zeitschrift Land und Forst entdeckt hatte. Um seinem Motto treu zu bleiben, hat der einstige Springreiter den Hannoveraner gegen Kaltblut und den Sattel gegen den Kutschbock getauscht.

Das Kutschefahren hält Mensch und Tier fit. „Man muss ja gängig bleiben“, sagt Sievers und meint damit beweglich. Auch geistig. Denn beim Kutsche fahren ist Konzentration gefragt. Er muss vorausschauend steuern, auf Hindernisse und die Beschaffenheit des Weges achten, damit er seinen Einspänner nicht etwa durch Schlaglöcher steuert und so die Gesundheit seines Pferdes gefährdet. „Komm!“, ruft Sievers Marlene zu, als er die Kutsche auf den Feldweg steuert und die Stute beginnt zu traben. „Von hier aus hat man einen ganz anderen Blick auf die Natur“, schwärmt Sievers. Auch auf die Felder, auf seine und die der Berufskollegen aus dem Ort.

Auf Bundesebene erfolgreich

Marlenes Ohren bewegen sich schnell. „Das Ohrenspiel zeigt, dass sie etwas wahrgenommen hat, vielleicht ein Reh“, sagt der Wülfinger. Das dunkle Tier mit der weizenblonden Mähne stellte Sievers 2017 in Tarmstedt, Landkreis Rotenburg, bei der der Landeskaltblutschau an und qualifizierte sich dort mit ihr für die Bundesschau in Berlin. Dort landete das Tier unter elf Bewerbern auf Platz vier. Marlene und ihre Artgenossen müssen täglich gepflegt und versorgt werden. Dafür, dass die Mähne gut sitzt, sorgt Sievers selbst. Mit einem sogenannten Verziehmesser bringt er die Haare in Form.

Nicht nur ein Hobby

„Haja“, ruft Sievers und Marlene beginnt auf gerader Strecke zu galoppieren. Mit den unterschiedlichen Gangarten schafft das Duo bis zu zehn Kilometer in der Stunde. „Für mich ist das mehr als ein Hobby“, räumt Sievers ein. Deswegen pflege er auch die verschiedenen Gangarten, wenn er mit dem Einspänner unterwegs ist. Neben ihm auf dem Bock ist noch ein Sitzplatz, dahinter sind zwei kurze Bänke. Fremde kutschiert der Wülfinger allerdings nicht durch die Gegend, wohl aber seine Enkelkinder, wenn sie zu Besuch sind.

Besonders schön und sanftmütig sei dieses Pferd, sagt der Landwirt. Als Marlene vor ein paar Jahren sehr krank war, sei die Beziehung zwischen ihm und ihr noch enger geworden. Als es in Richtung Straße geht, bewegen sich die Ohren des Pferdes wieder schnell. Sie hört die Autos, aber die bringen sie nicht aus der Ruhe. „Nicht alle, aber die meisten Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll, wenn wir mal auf der Straße fahren“, berichtet Sievers. Mit einem „Brrr“, bringt er Marlene zum Stehen. Als die Straße frei ist, gibt er das Kommando „komm“ und es geht weiter.

Spruch in der Geldbörse

Wieder auf dem Hof angekommen klettert Sievers vom Kutschbock und nimmt der Stute das Geschirr ab. Auf dem Ausschnitt aus der „Land und Forst“, den Sievers immer bei sich trägt, steht noch ein Spruch: „Ein williges Pferd soll man nicht zu viel reiten“, soll einst Martin Luther gesagt haben. „Das ist wahr“, sagt Sievers, tätschelt ihr den Hals. Feierabend für heute.

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