Hildesheim - Am Sonntag, 28. September, wird der Hildesheimer Marktplatz ein bisschen wunderlich aussehen: Dort versammelt sich dann eine Gruppe an Pedaleuren aus Stadt und Region in Tweed-Kleidung. Der grobe, noppige Stoff aus Wolle wurde in Großbritannien besonders in den 20er- und 30er-Jahren getragen. Erfolgreiche Serien wie „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“ machten den Stoff dann vor über zehn Jahren auch in Deutschland populär.
Der Trend hat es allerdings schon vor Ausstrahlung der Serie nach Hildesheim geschafft: Der sogenannte Tweed Ride geht in das 13. Jahr. Bei dem Fahrradausflug sammeln sich Radfahrerinnen und Radfahrer in Tweed-Kleidung und Vintage-Fahrrädern auf dem Marktplatz. Im gemütlichen Tempo geht es dann über Landstraßen und Feldwege – zwischendurch gibt es immer wieder Pausen, für ein Picknick und verschiedene Fototermine. Ziel der Reise ist das Heimatmuseum in Borsum.
„Ein bisschen wie ein Familientreffen“
Am 28. September, bevor sich der Rad-Tross auf den Weg macht, ist von 10 bis 11 Uhr „Check-in“ auf dem Hildesheimer Marktplatz. Dort bekommen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Startnummer, befestigen sie am Rad und haben Zeit für einen Plausch. Begleitet wird der Auftakt vom Drehorgelspieler Helmut Beelte – mit echten Drehorgeln, wie Veranstalter Matti Müller betont: „Keine elektronischen Nachbauten, sondern noch richtige Handarbeit.“
Um 11 Uhr setzt sich die bunte Radgruppe dann in Bewegung. „Es ist immer ein bisschen wie ein Familientreffen“, sagt Müller. „Viele kennen sich seit Jahren, manche fahren auch bei Tweed Rides in anderen Städten oder im Ausland mit.“
Braucht man für eine Teilnahme Tweed-Kleidung?
Strenge Regeln bezüglich der Kleidung gibt es nicht, aber etwas Mühe sollte sein: „Eigentlich gilt nur, moderne Alltagskleidung und Funktionskleidung zu vermeiden“, erklärt Müller. „Eine Schiebermütze reicht schon, Hosenträger oder eine Weste tun es auch. Hier ist Kreativität wichtiger als Geld.“
Tweed sei zwar namensgebend, aber nicht verpflichtend. Bei sonnigem Wetter könne der dicke Stoff ohnehin schnell zu warm werden. Fahrräder müssen ebenfalls nicht historisch sein, auch wenn es immer wieder besondere Schmuckstücke zu sehen gibt. „Mindestens ein Hochrad haben wir jedes Jahr dabei, manchmal sogar mehrere“, sagt Müller.
Zwischenstopp in Borsum, Picknick in Asel
Nach etwa einer Stunde erreicht die Gruppe das Heimatmuseum in Borsum. Dort gibt es Holunderblütenlimonade und eine kleine Ausstellung. „Das Museum ist ein echtes Kleinod“, schwärmt Müller. „Besonders spannend sind die Exponate des früher berühmten Borsumer Rennradvereins. Die Tradition lebt ja heute noch, jedes Pfingsten findet dort ein Radrennen statt.“ Der Tweed-Ride selbst soll aber keine sportliche Herausforderung werden – eher eine ruhige Fahrt durch das Hildesheimer Umland.
Nach gut einer Stunde Pause geht es dann weiter nach Asel. Auf dem Gelände von Zweirad Kracke erwartet die Radlerinnen und Radler ein Mittagspicknick, dazu spielt die Volksgruppe „Stimmig“ ein kleines Konzert. Im Anschluss macht sich der Tross auf den Rückweg nach Hildesheim, wo er gegen späten Nachmittag wieder ankommen wird.
Hier kann man sich noch anmelden
Nach dem Erlebnis gibt es auch etwas zu gewinnen: Sponsoren stiften für die besten Outfits Preise wie Fahrradschlösser, Ledersättel und -taschen. „Es ist spannend zu sehen, mit wie viel Kreativität die Leute ihre Outfits gestalten“, sagt Müller. „Viele Menschen kommen auch nur zum Start, um die Kostüme und alten Räder zu bestaunen. Und unterwegs wird überall gewunken und fotografiert.“
Die Teilnahme kostet bei Voranmeldung 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Wer sich spontan am Veranstaltungstag entscheidet, zahlt 25 beziehungsweise 20 Euro. Anmelden kann man sich online unter www.tweed-ride.de – oder direkt am 28. September auf dem Marktplatz.



