Bettmar - „Duff, duff“, dieses Geräusch kennen die Anwohner der Dinklarer Straße in Bettmar nur zu gut. So hört es sich an, wenn die Autos durch die Schlaglöcher fahren. In letzter Zeit hören die Bettmarer zudem häufig verschiedene Huptöne. Der Grund dafür ist, dass das Tempo auf der Straße auf 10 Stundenkilometer reduziert wurde. Das nervt Autofahrer und auch die Anwohnerinnen und Anwohner.
Von 70 auf 30
Die L 411 ist in keinem guten Zustand. Fährt man von Dinklar nach Bettmar, wird das schnell deutlich. Mit Tempo 100 zwischen den Dörfern ist niemand mehr unterwegs. Nach dem Ortsausgang von Dinklar ist eine kurze Zeit noch Tempo 70 möglich, dann geht es auf 30 Stundenkilometer, am Ortseingang sind nur noch zehn Stundenkilometer erlaubt. „Die Leute im Dorf verstehen diese Begrenzung nicht“, sagt Ortsbürgermeister Christoph Aue (CDU). Denn mit Tempo 10 durch den Ort zu fahren ist beinahe ein Kunststück, auch im ersten Gang. Die Autos rollen mehr, als sie fahren.
Einwohner aufgebracht
Zudem kommt, dass sich kaum jemand an die Begrenzung hält. Und wenn er das tut, sieht er wütende Gesichter im Rückspiegel. Viele drücken auf die Hupe, berichtet Aue. Am Gründonnerstag sind die Schilder aufgestellt worden. Ein paar Tage später beim Osterfeuer mussten sich Aue und die anderen Ortsratsmitglieder einiges von aufgebrachten Mitbürgern anhören. „Obwohl wir dafür ja nichts können“, sagt Aue. Ebenso wenig wie die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Sarstedt, die die Schilder im Auftrag der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr aufgestellt haben.
Stark befahrene Strecke
Durch Bettmar rollen vor allem im Berufsverkehr viele Autos. Manche versuchen nun die Ortsdurchfahrt zu umfahren und biegen in die Straße In den Wispeln ab. Dort hat Aue seinen Bauernhof. „Der Umweg bringt aber nicht viel, die müssen ja doch wieder auf die Landesstraße“, sagt er. Die Anwohner der Dinklarer Straße seien ziemlich auf der Zinne, hätten auch schon Briefe an den Ortsrat geschrieben, doch der könne dies nur weiterleiten. Ob und wann die Straße saniert wird, das steht in den Sternen.
Ein Jahr in Klein Himstedt
Die gleiche Situation gab es in Klein Himstedt. Dort ist das Schild im September 2021 aufgestellt worden, mehr als ein Jahr später war die L475 saniert und wieder Tempo-50 erlaubt. Für die Sanierung hatte sich seinerzeit der Landtagsabgeordnete Markus Brinkmann (SPD) stark gemacht. Wird er das auch in Bettmar tun? „Ich fahre dort regelmäßig lang und habe die Straße im Blick“, sagt Brinkmann. Allerdings gebe es nach Rücksprache mit der zuständigen Landesbehörde kurzfristig keinen Grund für Optimismus. Das Geld sei knapp und zunächst müssten die Hochwasserschäden an Straßen beseitigt werden. Wohl könne sich Bringmann vorstellen, dass zumindest Ausbesserungen möglich wären.
„An der Dinklarer Straße hat man kein gutes Wohngefühl mehr“, sagt Aue. Erst klapperten vor allem die leeren Lastwagen oder Anhänger, wenn sie über die kaputte Straße donnerten – und nun das Gehupe.
Bußgeld wird fällig
Tatsächlich ist es so: Wenn man sich außerorts an Tempo 30 hält, wird man ständig überholt. Dabei ist der langsame Autofahrende auf der sicheren Seite, denn die Tempobegrenzung ist keine freundliche Empfehlung. Und so gilt auch auf der L 411: Wer die Höchstgeschwindigkeit um 30 Stundenkilometer überschreitet, muss mit einem Bußgeld von mindestens 200 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Innerorts sieht es nicht anders aus. „Die Verstöße sind mit den uns zur Verfügung stehenden Geräten messbar“, erklärt Polizeisprecher Jan Makowski. Derzeit sind Geschwindigkeitskontrollen in Bettmar nicht geplant. Gebe es allerdings Bürgerbeschweren, dann werde die Polizei aktiv und gehe den Hinweisen nach.
Ortsbürgermeister versteht es nicht
Ortsbürgermeister Aue versteht nicht, warum im Zuge der Sanierung der B1 im Kreuzungsbereich von Bettmar die 500 Meter der Landesstraße nicht auch in Ordnung gebracht wurden. Da hätten sich doch Bund und Land absprechen können, so der Ortspolitiker mit Blick auf den großen Aufwand, der im Zuge der Baustelle zur Verkehrsregelung gefahren wurde. „Ich komme eben noch aus der Generation, in der man sich an einen Tisch setzt und versucht Probleme zu lösen“, sagt Aue. Steigt auf seinen Trecker und tuckert Richtung Feld. Mit Tempo 30.
