Nordstemmen - Sie waren alle schon in Nordstemmen, die großen Rocklegenden: Led Zeppelin, Guns N’ Roses, Aerosmith. Natürlich nicht als Originale. Aber die wurden bei der Rocknacht in Nordstemmen alle Jahre wieder von Coverbands aus ganz Europa mehr als würdig vertreten – so wie an diesem Samstag Judas Priest. Die Echten traten im Juli zum Jubiläum der Scorpions im Stadion von Hannover auf, die Unechten von Judas Priest Revival aus Prag hielten bei ihrem Auftritt im Gasthaus Deutsches Haus bestens mit. Wer gedacht hatte, dass nur Original-Sänger Rob Halford mit seiner Viereinhalb-Oktaven-Stimme so hoch kommt, wie er kommt, wurde eines Besseren belehrt: Mr. Steely aus Prag schafft das auch. Seine Band, zu der eine Bassfrau gehört, machte mächtig Dampf. Das Publikum ging mit und sang mit, zumindest bei den bekannteren Stücken wie „Living after Midnight“ oder „United“.
„Irgendwo im Internet ausgegraben“
Marco Wismer, der Vater der Rocknacht, hatte wieder mal ein gutes Händchen bei der Wahl der zweiten Attraktion neben Hellfire bewiesen, dem Herz der Rocknacht. „Marco hat uns irgendwo im Internet ausgegraben“, erzählte Mr. Steely. Die Anreise von Prag sei weit gewesen, „aber die Fahrt hat sich gelohnt.“
Judas Priest Revival war diesmal das Überraschende und Unbekannte, das immer mit zur Rocknacht gehört. Hellfire, die als AC/DC-Coverband in der Region längst Kultstatus hat, war wie immer das Vertraute und Verlässliche – nicht im langweiligen Sinne, ganz im Gegenteil: Dass Hellfire es virtuos und kraftvoll krachen lässt, weiß jeder, der zur Rocknacht kommt. Das tun viele Stammgäste jedes Jahr – sofern sie Karten bekommen, schließlich ist das Event immer fix ausverkauft. Die aktuelle Rocknacht war die 16. ihrer Art. Mancher Fan reiste aus einigen hundert Kilometern Entfernung an. Die Auftritte von Hellfire sind für Ausgeschwärmte immer eine gute Gelegenheit, alte Freunde in der alten Heimat wiederzutreffen – nicht nur auf der Bühne, auch im Publikum.
Gewohnt authentisch
Hellfire servierte AC/DC am Samstag wieder einmal gewohnt authentisch und so selbstverständlich, dass nichts nachgemacht wirkte, auch wenn es das war. Marco Wismer hüpft als Angus-Young-Double in Schuluniform im Entengang über die Bühne und bleibt trotzdem mit seinen Gitarrenriffs auf Kurs. Sänger Ulli Dürkop setzt am Bühnenrand einen Fuß auf den Monitor-Lautsprecher und kreischt wie Brian Johnson ins Publikum. Die Vorbilder aus Australien könnten es kaum besser.
Nach der Show ist vor der Show: Am Samstag, 15. November, ist Hellfire in Algermissen im Gasthaus Weiterer zu erleben. Und für Samstag, 9. Mai 2026, ist in Nordstemmen wieder eine Open-Air-Rocknacht geplant. Die ist auf dem besten Weg, sich als Freiluft-Gegenstück zum traditionellen Indoor-Konzert im Deutschen Haus zu etablieren – nicht zu ersetzen, dann würde zweifellos vielen Stammgästen etwas fehlen.

