Hildesheim - Der gewaltsame Tod eines 63-jährigen Patienten soll jetzt juristisch aufgearbeitet werden: Am Mittwoch, 4. Februar, startet der Prozess um einen Totschlag im Hildesheimer Ameos Klinikum. Dort war in der Nacht zum 20. September 2025 ein damals 32-jähriger Mitpatient auf das spätere Opfer losgegangen – offensichtlich aufgrund einer psychotischen Störung. In dem Doppelzimmer der Klinik soll der Beschuldigte so massiv auf den 63-Jährigen eingetreten haben, dass der Mann schließlich an seinen schweren Schädelverletzungen starb.
Station überbelegt oder personell unterbesetzt?
„Ich verstehe einfach nicht, wie so eine Attacke in einem Krankenhaus passieren kann“, sagt der jüngere Bruder des Opfers im Gespräch mit der HAZ. Ihm stelle sich die Frage, warum auf dieser Station ein offensichtlich psychisch gestörter Patient zusammen mit einem Mann mit einer Suchtproblematik auf ein Zimmer kommen könne. Ist die Station seinerzeit überbelegt oder personell unterbesetzt gewesen? So lauten Fragen, die er sich immer wieder stellt.
Er werde von Osnabrück nach Hildesheim zu den Prozesstagen fahren, um an der Verhandlung persönlich teilzunehmen. „Ich möchte mir den Menschen angucken, der so etwas gemacht hat“, sagt der jüngere Bruder. Er selbst werde in dem sogenannten Sicherungsverfahren nicht als Nebenkläger auftreten, das übernehme die Schwester der insgesamt fünf Geschwister.
Fortbestehende Gefährlichkeit des Beschuldigten
Die Staatsanwaltschaft geht nach einem bisherigen Gutachten davon aus, dass der Beschuldigte dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss – wegen fortbestehender Gefährlichkeit und mangelnder Einsicht in sein Tun. In der Psychiatrie ist der mittlerweile 33-Jährige daher auch schon jetzt und nicht, wie sonst üblich, in Untersuchungshaft.
Der 57-jährige Bruder aus Osnabrück hatte zuletzt im Jahr 2022 Kontakt zu dem Opfer. „Da hatte er mir eine SMS geschrieben.“ Gelebt hatte er offensichtlich in einem Wohnheim, das haben Mitbewohner bei der Beerdigung in Osnabrück berichtet. „Er hatte keinen gesunden Lebenswandel“, so umschreibt es der Bruder. Alkohol und Drogen haben eine große Rolle gespielt. „Wegen seines Zustands ist er ja auch in der Klinik gewesen.“ Warum gerade in Hildesheim, das wisse er auch nicht.
Mehr Infos zu tragischen Umständen des Todes
„Mir haben damals zwei Polizeibeamte und ein Seelsorger die Nachricht von seinem Tod überbracht“, erinnert er sich. Auch wenn die Brüder nicht mehr viel miteinander zu tun gehabt hätten, sei es doch ein seltsames Gefühl gewesen, von dem plötzlichen und so gewaltvollen Tod des Bruders zu erfahren. „Wir haben ihn hier in Osnabrück beerdigt.“ Viel habe es seinerzeit noch nicht an Informationen gegeben. Mehr zu den Umständen, die zu dem tragischen Tod seines älteren Bruders geführt haben, erhoffe er sich nun bei der Gerichtsverhandlung.
Zur Sprache wird sicherlich auch kommen, dass der Beschuldigte nur wenige Tage vor der Gewalttat bereits aufgefallen war: Er war damals in Bad Salzdetfurth nackt aufgegriffen und anschließend ins Bernward Krankenhaus gebracht worden. Von dort ist er weiter in die geschlossene Abteilung des Ameos Klinikums überwiesen worden, weil er randaliert hatte.
