Oratorium im tfn

„Monty Pythons das Leben des Brian“ in Hildesheim – jeder bitte nur ein Kreuz

Hildesheim - Die Premiere des Oratoriums „Monty Pythons das Leben des Brian“ ist von Anfang bis Ende ein Spaß. Das Publikum in Hildesheim ist aus dem Häuschen.

Von Anfang bis Ende gelungen - das Oratorium „Monty Phytons das Leben des Brian". Foto: Tim Müller

Hildesheim - Um es vorweg zu nehmen: das Oratorium „Monty Pythons das Leben des Brian“, das jetzt Premiere in tfn hatte, ist von Anfang bis Ende eine Riesenspaß. Das Stück bezieht sich auf die verrückt skurrile Story des Monty-Python-Films, bei dem der bedauernswerte Brian irrtümlich für den Messias gehalten wird und folgerichtig auch am Kreuz endet. Natürlich kommen die Python-Klassiker wie der Römer Schwanzus Longus oder der sprachgestörte Pilatus vor, der Satz „Jeder nur ein Kreuz“ bekommt ebenfalls seinen Platz. Eric Idle, Gründungsmitglied des legendären Monty-Phyton-Teams, verband die Brian-Geschichte mit der turbulenten Parodie auf ein klassisches Oratorium und landete damit 2007 bei der Uraufführung in Toronto einen Volltreffer. Der Kabarettist Thomas Pigor schuf mit Wortwitz eine deutsche Version. Und die ging jetzt im Stadttheater in einer amüsanten teilszenischen Aufführung über die Bühne.

Zunächst sieht es klassisch aus

Zunächst sieht es wie ein traditionelles Oratorienkonzert aus: ein Solistenquintett mit Sonja Isabel Reuter-Sopran (Brions Geliebte Judith), Sofia Pavone-Mezzosopran (Brians Mutter Mandy), Julian Rohde-Tenor (Brian), Felix Mischitz Bariton (Pilatus) und Uwe Tobias Hieronimi-Bass (Schwanzugs Longus). Später werden sie noch manche andere Rollen übernehmen. Dazu der von Achim Falkenhausen bestens vorbereitete Chor und das groß besetzte Orchester – das gesamte Ensemble im Frack oder Abendgala gekleidet (Kostüme Anna Siegrot). Und genauso klassisch soll der Abend auch mit einer Ouvertüre beginnen. Aber daraus wird nichts. In den Auftakt des Dirigenten Sergei Kiselev stolpert der großartig agierende Jan Kämmerer in der Rolle der Transe Betty Parkinson herein und übernimmt die Führung. Den ganzen Abend ist er/sie moderierend, kommentierend, lamentierend und ironisierend zwischen den Musiknummern in Aktion. Ein Kabinettstück an komödiantischer Kunst. Dem stehen die anderen in nichts nach. Mal singen sie Ensembles im Barockstil, dann wieder schmelzende Musicalmelodien, dann wieder Folklore und kurz danach groovende Gospelklänge. Und der Orchesterklang schlägt einen weiten Bogen von barockisierender Instrumentierung über süffige Filmmusik-Anmutungen bis zu fetzigem Bigbandsound. Ein herrlicher Stil-Misch-Masch ist das. Dabei wird von allen stets auf bestem Niveau gesungen und gespielt. Und die Tontechnik liefert einen differenziert abgestimmten Klang.

 

Chor locker und einfallsreich

Seinen besonderen Pfiff bekommt der Abend durch die szenischen Akzente (Regie Jan Langenheim). Chor und Solo-Ensemble provozieren mit Slapsticks, witzigen Interaktionen und tänzerischen Einlagen einen Lacher nach dem anderen. So zum Beispiel der überraschend locker und einfallsreich spielende Chor: als Hirten schwingen sie munter Schafsmasken und stellen lapidar im Schaf-Zähllied fest: „Schaf, Schaf, Schaf, wir finden Schafe scharf“. Leider agiert das Ensemble weit hinten auf der Bühne, sodass ihre komödiantische Rolle für das Parkett nicht immer wahrgenommen werden kann.

„Oh-Oh-Ja-Ja. Oh-Oh-Ah-Ah“

Als später Brians und Judiths erste Liebesnacht in einem „Oh-Oh-Ja-Ja. Oh-Oh-Ah-Ah“-Koloratur-Duett mündet und auf der Schrifttafel nur noch xxx-Zeichen erscheinen, platzt der Saal vor Lachen und Beifall.

Bei aller Ironie, Verulkung und amüsanter Blödelei gibt es jenseits aller Komik auch anrührende Momente. Dazu gehört das in bester Musical-Tradition komponierte große Abschieds-Duett zwischen Judith und Brian oder auch der Epilog. Ich ihm werden die vorherigen unglaublichen und komischen Ereignisse nachdenklich eingeordnet in die Unendlichkeit der Galaxien-Welten.

Am Schluss dann natürlich der Kultsong „Always look on the bride side of life“. Das Publikum, vom Dirigenten ermuntert, singt mit.

Danach im ausverkauften Haus tosender Jubel, rhythmisches Klatschen, die Gäste erheben sich und rufen „Zugabe“. Also noch einmal der Kultsong und weiterhin Jubel für eine gelungene Premiere.

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