Morsches Holz

Im Hildesheimer Liebesgrund werden kranke Bäume gefällt – allerdings nicht nur die

Hildesheim - Manche Bäume sind schon seit Jahren tot, andere schwer beschädigt. Klimawandel, Misteln und Pilzbefall machen den Bäumen im Hildesheimer Liebesgrund zu schaffen, sie könnten Spaziergänger gefährden – doch auch gestalterische Gründe spielen bei den Baumfällungen eine Rolle. (mit Video)

Die kranke Linde ist gefällt, der Fällkran hat die teilweise hohlen Stämme neben dem Stumpf abgelegt. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Säge des Fällkrans geht durch das Holz wie durch Butter. Die Linde am Hohen Wall des Liebesgrunds, die gerade gekappt wird, gehört zu den 76 Bäumen in der Grünanlage, die aus verschiedenen Gründen gefällt werden. Die meisten zur Sicherheit, weil sie nicht mehr standfest sind. Weitere 19 aus gestalterischen Gründen, um wieder Sichtfenster zu schaffen.

Die Krone der Linde war schon zuvor stark beschnitten worden, weil Misteln ihre Äste bevölkerten. Jetzt sei sie nicht mehr zu retten, erklärt der städtische Baumpfleger Ralf Severith. Das zeigt sich kurz darauf: Einer der Äste, die der Greifer des Fällkrans fasst, bricht ab. Die Stammfäule wird sichtbar, aus dem Inneren rieselt morsches Holz. Severith deutet auf andere Bäume, bei denen stellenweise die Rinde fehlt: „Die sind schon seit vier bis fünf Jahren tot“, erklärt der Baumpfleger. Oft sei der Splintkäfer für diese Schäden verantwortlich.

Es werde höchste Zeit, dass im Liebesgrund und Seniorengraben kranke Bäume gefällt werden. Sie einfach der Natur zu überlassen, bis sie den Hang hinunter stürzen, sei zu gefährlich, so Severith. Viele Bäume seien groß genug, um auf den unten verlaufenden Weg zu fallen.

Der Weg über den Hohen Wall ist während der Arbeiten gesperrt

Mit dem rund 25 Tonnen schweren Fällkran kann das beauftragte Unternehmen Cattau Bäume bis zu einer Dicke von rund 90 Zentimeter Durchmesser relativ einfach und schnell kürzen. Bodenplatten verhindern, dass das Gewicht der Maschine den Grund zu sehr verdichtet. Der Kran hält den Baum beim Sägen fest und legt ihn anschließend auf dem Boden ab. Der Weg über den Hohen Wall ist während der Arbeiten für Spaziergänger und Spaziergängerinnen gesperrt. Nicht alle halten sich daran, sie werden vom Sicherungsposten zurückgeschickt.

Bei den Bäumen, die am steilen Hang hinunter zum Seniorengraben stehen, könne der Kran nicht zum Einsatz kommen, erklärt Severith. Dort müssen die Arbeiter selbst mit der Säge ran. Sie werden dabei gesichert und tragen spezielle Schuhe, damit sie nicht abrutschen. Die rot markierten Bäume werden jeweils in Bodennähe abgesägt, nicht gerodet, da ihre Wurzeln den Boden des Hanges festhalten.

Während der Arbeiten werden gleichzeitig auch Sträucher am Wegesrand beschnitten und vereinzelt sowie aufgelaufene Sämlinge teilweise entfernt. Die Baumpfleger schauen dann, welche Jungbäume mehr Luft und Platz bekommen sollen, damit sie sich weiter entwickeln und die gefallenen alten Bäume langfristig ersetzen können, so Severitz.

24 heimische Bäume werden neu gepflanzt

24 der Bäume auf der Fällliste sind geschützt. Für sie gebe es Neupflanzungen auf dem Gelände der Grünanlage, sagt Severith. Wo genau und welche Arten, das werde aber erst im Zuge der Neugestaltung des Liebesgrunds und Seniorengrabens entschieden, die frühestens 2026 beginnen soll. Grundsätzlich seien nur heimische Arten vorgesehen wie Ulmen, Hainbuchen, Ahorn oder Eichen – und eigentlich auch Eschen. Die litten aber aufgrund des Klimawandels zunehmend unter dem Eschentriebsterben, einem Pilzbefall, erklärt Severith. Lediglich die Amerikanische Esche sei davon unbehelligt und könne noch gepflanzt werden.

19 Baumfällungen dienen dazu, an drei Stellen des Weges Sichtfenster zu schaffen. Von der Aussichtsplattform oberhalb des Seniorengrabens aus sollen die Spaziergänger und Spaziergängerinnen wieder freien Blick auf das Gewässer und hinüber bis zur Mauritius- und Christuskirche genießen können, erläutert Severith. Wo derzeit Laub und Äste den Ausblick versperren, sei dann wieder der Sonnenuntergang sehr schön zu beobachten.

Ein weiteres Sichtfenster entsteht an der Stelle, wo ein Tor in der Mauer den Wall mit dem Magdalenengarten verbindet, ein drittes Fenster am südlichen Ende des Seniorengrabens. An diesen drei Stellen wird deltaförmig das Holz so zurückgeschnitten, dass der Blick in die Ferne schweifen kann. Geschützte Bäume sollen dafür aber nicht fallen.

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