Gerichtsverfahren

Nach Autodiebstahl in Delligsen: Im Prozess gegen mutmaßliche Diebesbande gibt es erste Geständnisse

Delligsen - Sie sollen insgesamt elf Fahrzeuge gestohlen haben – zwei davon im Januar vergangenen Jahres in Delligsen. Die mutmaßliche Diebesbande steht in Hildesheim vor Gericht. Beim zweiten Prozesstag gab es erste Geständnisse und kuriose Geschichten.

Landgericht Hildesheim: Vier Männer stehen vor Gericht, weil sie elfmal Keyless-Go-Autos gestohlen haben sollen. Darunter sollen auch zwei Autodiebstähle in Delligsen sein. Foto: Chris Gossmann

Delligsen - Offensichtlich hat es der 28-jährige Angeklagte eilig, den gestohlenen Alfa Romeo Stelvio wieder loszuwerden. Dabei fährt er allerdings zwei Mal mit ordentlich Tempo an einem Blitzer vorbei, der den Mann auch gleich fotografiert. „Man kann den Angeklagten sehr gut erkennen“, sagt ein Polizist am Donnerstag im Hildesheimer Landgericht beim zweiten Verhandlungstag gegen eine Bande von mindestens vier Männern, denen die Staatsanwaltschaft gewerbsmäßigen Bandendiebstahl vorwirft. Insgesamt elf Autos sollen sie gestohlen haben, unter anderem im Januar 2025 zwei Autos in Delligsen. Die Staatsanwaltschaft wirft den insgesamt vier Angeklagten im Alter von 28, 33, 43 und 45 Jahren vor, zwischen Januar und April vergangenen Jahres als Diebesbande unterwegs gewesen.

Etliche Pannen

Auf der weiteren Tour des 28-Jährigen läuft einiges schief. Auf dem Weg zum Übergabeort im hessischen Seligenstadt geht dem Wagen der Sprit aus. Um beim Tanken auf den Aufnahmen der Sicherheitskamera nicht erkannt zu werden, trägt er zwar seine Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. Doch seine auffälligen Tätowierungen auf den Händen sind klar zu sehen. Und er begeht einen weiteren Fehler: Er tankt lediglich 21 Liter Super in den leistungsstarken Wagen. Bei hoher Geschwindigkeit fließen die sehr schnell durch die Einspritzdüsen. Und so bleibt er in der Nähe von Assenheim auf der Autobahn liegen. Ein Autofahrer nimmt ihn mit zur nächsten Tankstelle, wo der Angeklagte einen Reservekanister samt Benzin kauft. Da er kaum Deutsch spricht, ruft er seinen Mittelsmann an, der für ihn ein Taxi zu der Tankstelle bestellt. Das Telefon des Mittelsmanns wird allerdings längst von der Polizei überwacht.

Mit dem Taxi will der 28-Jährige zurück zum gestohlenen Alfa Romeo fahren. Doch er hat vergessen, wo der Wagen steht. Statt zum abgestellten Wagen auf der A49 fährt das Taxi ihn auf die A5. Auch das Problem versucht der 28-Jährige per Telefon zu klären, während die Polizei live mithört. Als er am Standort des gestohlenen Autos ankommt, ist das von der Polizei inzwischen sichergestellt.

Ausgeklügeltes System

Hinter den Taten scheint ein ausgeklügeltes System zu stecken. Eine zentrale Rolle spielt eine Export-/Import-Firma aus Seligenstadt in der Nähe von Frankfurt. Der Inhaber handelt mit Wasserbehältern, die in Frachtcontainern aus Übersee geliefert werden. Die gestohlenen Autos werden auf diesem Gelände abgestellt. Dort verliert sich zunächst ihre Spur. Nach einem Hinweis untersucht der belgische Zoll einen der Container in Antwerpen: Statt Wasserbehältern finden die dortigen Beamten gestohlene Autos.

Nach Ende des ersten Verhandlungstages haben sich die Prozessbeteiligten zu einem Gespräch über eine Verständigung getroffen. Doch die Vorstellungen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft gehen offensichtlich weit auseinander. Staatsanwältin Book sieht daher keine Grundlage für eine Verständigung auf eine maximale Strafhöhe im Gegenzug für umfassende Geständnisse. Der 28-jährige Angeklagte legt trotzdem ein Geständnis ab, zumindest für die Taten, die er ohnehin nicht leugnen kann. Ein weiterer 33 Jahre alter Angeklagter räumt ebenfalls einen Teil der vorgeworfenen Taten ein, will aber nicht Teil der Bande gewesen sein. Der 45-jährige Mittelsmann schweigt zu den Vorwürfen.

Das Verfahren wird am Dienstag, 3. März, um 13 Uhr in Saal 134 des Hildesheimer Landgerichts fortgesetzt.

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