Hildesheim - Die Stadt hat das im August eingeführte Verkehrsleitsystem neu justiert: Nun könnten sich die Autofahrer darauf verlassen, heißt es aus der Verwaltung. Zuvor hatte die zwei Millionen Euro teure Anlage immer wieder Staus angezeigt, die es gar nicht gab, sogar nachts waren entsprechende Warnungen auf den Infotafeln aufgeleuchtet – dem Rathaus hatte das viel Spott aus der Bevölkerung eingebracht.
Kai-Uwe Hauck hatte gar nicht erst versucht, drumherum zu reden: Die Hinweise des Leitsystems stimmten oft nicht, räumte der zuständige Fachbereichschef vor vier Wochen bei einem Termin mit der Presse ein. Doch man wisse, woran das liege, und sei zuversichtlich, die Probleme nun abstellen zu können.
Das sei auch gelungen, sagte Bettina Beyer, Verkehrstechnik-Expertin der Verwaltung, jetzt der HAZ. Und verwies darauf, dass die neun Info-Tafeln am Stadtrand, die Staus und Umleitungsempfehlungen anzeigen, nun deutlich seltener anspringen als zuvor – nämlich nur noch dann, wenn es wirklich Überlastungen in der Schuh- oder in der Kaiserstraße gebe.
Denn die Stadt und die Fachfirmen, die sie unterstützen, haben die Vorgaben des Systems verändert. Die ursprünglichen Ansätze basierten auf Werten, die in der verkehrsarmen Zeit in den Sommerferien erhoben worden waren.
Ein Radfahrer reichte nachts, um einen Stau-Hinweis auszulösen
Zudem waren die Reisegeschwindigkeit – wie lange braucht ein Fahrzeug von A nach B – und die Verkehrsmenge – was ist auf den Straßen los – zuvor nicht gekoppelt. Das führte unter anderem dazu, dass ein einsamer Fahrradfahrer, der nachts unterwegs war, bereits einen Stau-Hinweis auslösen konnte.
Die Stadt ließ die Anlage daraufhin zunächst zwischen 20 und 6 Uhr abschalten. Vor allem aber betrachtet das System nun Reisegeschwindigkeit und Verkehrsmenge gemeinsam; zuvor hatte die Verwaltung die jeweiligen Schwellenwerte am Betrieb nach den Ferien neu ausrichten lassen. Das Ergebnis passe jetzt zum tatsächlichen Geschehen auf den Straßen, versichert Beyer. So zeige das System nur noch Staus an, die es auch gebe. Die Stadt-Mitarbeiterin ist diesbezüglich deshalb so sicher, weil sie gemeinsam mit dem Vertreter einer Fachfirma über Stunden einen Praxistest auf der Kaiserstraße absolviert hat: Das Duo fuhr zu den Stoßzeiten morgens, mittags und abends immer wieder zwischen der Bückebergstraße am Bockfeld und dem Berliner Kreisel hin und her.
Kein Stau-Hinweise mehr bei zu schlechter Luft durch Schadstoffe
Auch eine weitere Quelle falscher Stau-Hinweise ist eliminiert. So leuchteten diese bisher auch bei Überschreitungen einer bestimmten Stickstoffdioxidmenge in Schuh- oder Kaiserstraße auf. Dort war dann zwar die Luft zu schlecht, einen Stau gab es aber nicht. Diese Botschaft sollen künftig auch die Anzeigen auf den Infotafel vermitteln. Mit welchem Begriff aber genau, müsse die Stadt noch mit der zuständigen Landesbehörde klären, sagt Beyer.
Sie muss zudem mit dem Lufthygienischen Überwachungssystem des Landes abstimmen, bei welchem Stickstoffdioxid-Anteil in der Luft das System künftig überhaupt anspringen soll. Denn auch hier passte die Datenbasis nicht, waren die Schwellenwerte auf Grundlage verkehrsärmerer Zeiten ermittelt worden. Bis die neuen Vorgaben und die Formulierung für die Schadstoffüberschreitungen geklärt seien, fließe die Luftbelastung nicht mehr in das Verkehrsleitsystem ein, versicherte Beyer der HAZ. Wann sich das wieder ändere, sei noch nicht abzusehen; auf jedem Fall noch in diesem Jahr, betonte Beyer.
Sie ist zwar grundsätzlich überzeugt vom Erfolg der Generalüberholung. „Wir werden das System demnächst auch nachts wieder einschalten.“ Doch zum einen werde die Stadt dieses auch weiterhin immer wieder mal anpassen müssen. Zum anderen empfänden Autofahrer das Verkehrsaufkommen auch unterschiedlich: „Was für den einen ein Stau ist, ist für den anderen nur etwas stockender Betrieb.“
