Heiligabend

Nach chaotischen Zuständen vom Vorjahr: Hildesheims Guter Hirt sagt offene Weihnacht ab

Hildesheim - Heiligabend im Guten Hirten gehörte für viele Bedürftige zum Fest dazu. Aber zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist die Veranstaltung abgesagt. Das sind die Gründe.

Hunderte Menschen strömen Heiligabend 2023 in die Kirche im Altfriedweg. Nicht alle von ihnen wissen sich anschließend zu benehmen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Manchmal wollen Menschen etwas Gutes tun, hinterlassen am Ende aber genau das Gegenteil. Vermutlich war der Besuch der spendablen Dame an Heiligabend 2022 bei der offenen Weihnacht im Guten Hirten genau so ein Fall. Die Wohltäterin hatte 4000 Euro dabei, die sie an die Bedürftigen verteilte. Immer nur kleine Beträge, jeder sollte etwas abbekommen. „Die Frau wollte Gutes tun“, weiß Guter-Hirt-Diakon Andreas Handzik. Aber ihre Hilfsbereitschaft schlug schnell ins Gegenteil um.

Denn schon an jenem Nachmittag sprach es sich offenbar blitzartig unter den rund 250 Besucherinnen und Besuchern der Veranstaltung herum, dass vor Ort Geld verteilt wird. Und was noch schlimmer war: Bei vielen setzte es sich offenbar im Kopf fest und wurde anschließend weiter verbreitet. „Im Jahr danach kamen schon 400 Frauen, Männer und Kinder“, erinnert sich der Diakon an die offene Weihnacht 2023. Er hat Menschen erlebt, die ihn darauf ansprachen, wo und wann es denn das Geld gebe? Viele hatte er noch nie gesehen. Und was noch bedenkenswerter war: Nicht wenige fingen gleichzeitig damit an, die Geschenke und andere Gegenstände, die dort nach dem Gottesdienst geteilt oder verteilt werden sollten, zu plündern.

Personen wollten ganze Paletten aus der Kirche schleppen

„Diese Menschen haben uns die Kirche komplett auseinander genommen“, beschreibt es Handzik. Er habe Personen gestellt, die ganze Palette aus der Kirche schleppen wollten. Auf seine Frage, was sie dort täten, hätten sie geantwortet, dass sie die Gegenstände geschenkt bekommen hätten – eine dreiste Lüge. „Sie stellen das sofort zurück“, habe er angeordnet, berichtet Handzik ein Jahr später. Sogar die Ehrengäste, etwa Bischof Heiner Wilmer und Oberbürgermeister Ingo Meyer, hätten ob der chaotischen Zustände mit großen Augen dagestanden.

Die Unordnung vom 24. Dezember 2023 ist längst beseitigt, der Ärger verraucht. Aber die Kirchengemeinde will trotzdem, dass sich diese chaotischen Zustände nicht wiederholen. „Es wird in diese Jahr keine offene Weihnacht geben“, kündigt Handzik an. Es sei allen freigestellt, den Gottesdienst in der Kirche zu besuchen. „Aber es wird weder ein Essen für die Bedürftigen geben, noch werden wir dort Geschenke verteilen.“ Letztere werde man über die Essensausgabe im „Zweiten Netz“ unter die Bedürftigen bringen.

Mit Security für Heiligabend will Handzik gar nicht erst anfangen

Dass es zum ersten Mal seit Jahrzehnten keine offene Weihnacht im Altfriedweg geben wird, findet Handzik auch schade. Schließlich gibt es viele Menschen, für die die Veranstaltung ein Stück weit Heimat und gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres sei. „Aber was dort zuletzt passiert ist, geht nicht mehr“, so Handzik. Er sei sehr enttäuscht über die Vorgänge. „Und ich will nicht damit anfangen, hier eine Security für Heiligabend zu engagieren.“

Mit der aktuellen Absage steht die offene Weihnacht womöglich insgesamt vor einer Neuordnung. Wie es ohne ist, erlebten die bedürftigen Menschen schon während der Corona-Pandemie. Im November 2020 sagte der Gute Hirt das gemeinsame Weihnachtsessen an Heiligabend ebenfalls ab. „1500 Menschen in Abstand zu bringen, das bekommen wir nicht hin“, bedauerte Handzik damals. Die Zahl bezog sich nicht nur auf die Teilnehmenden des Essens, sondern auch die vielen anderen, die sich anschließend vor der Halle zur Übergabe der Geschenke einfanden.

Geschenktütchen wird es wohl zunächst weiter geben

Wie es mit der offenen Weihnacht künftig weitergeht, kann im Altfriedweg derzeit noch niemand sagen. Das Essen ist vom Tisch. Geschenktütchen wird es wohl erstmal weitergeben. Aber nicht in der Kirche. Und wie sieht es im Jahr 2025 aus? „Das weiß ich heute noch nicht“, sagt Handzik.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.