Kreis Hildesheim - Das Bedauern war groß, als der riesige Holzwurm am Eingang von Sibbesse am Jahresanfang in Trümmern lag. Das Konstrukt war im Winter unter der Schneelast zusammengebrochen. Der französische Künstler elparo hatte das Werk dort gebaut – und ihn selbst dürfte die Zerstörung seiner Arbeit gar nicht so sehr treffen. Denn dieses Land-Art-Projekt war Teil der „BodenKunstSchätze“. An mehreren Orten im Landkreis sind dabei während der sogenannten KulturRegionale solche Landschaftskunstwerke entstanden. Dass diese vergänglich sind und sich die Natur ihre Orte und Materialien zurückholt, ist Teil des Gedankens. Aber trotzdem sind einige Arbeiten noch zu sehen.
Für die „BodenKunstSchätze“ gestalteten regionale und internationale Künstlerinnen und Künstler Kunstwerke aus und mit natürlichen Materialien. Mitte August 2025 begannen die Arbeiten, ab September 2025 waren diese Land-Art-Kunstwerke zu sehen. „Der Begriff Land Art wird heute meistens für Kunstformen verwendet, die in der Landschaft verwirklicht werden, überwiegend aus Naturmaterialien bestehen, ortsspezifisch und oftmals vergänglich sind“, erklärt Michael Rofka, der gemeinsam mit seiner Frau Anna Rofka die künstlerische Leitung des Projekts übernahm.
Hier ist die Übersicht zu finden
Insgesamt neun Arbeiten sind dadurch entstanden. Das prominenteste war sicherlich der Holzwurm von elparo in Sibbesse. Der Künstler hat seinem Werk übrigens nie einen Namen gegeben. „Ohne Titel/sans titre“ ist es auf hier geführt. Denn dort hat das Kulturbüro des Landkreises alle Arbeiten dokumentiert. Unter „Kulturverstärkung/Projekte“ finden sich Informationen zum aktuellen Stand der Kunstinstallationen, Eindrücke von den Veranstaltungen sowie Beispiele dafür, was das Projekt in den einzelnen Orten angestoßen hat.
Beim Holzwurm heißt es schlicht: „Das Kunstwerk befindet sich nicht mehr an diesem Standort.“ Dafür finden Interessierte dort eine Reihe von Bildern sowie Infos zu Projekt und Künstler. So ist dort zu lesen, dass elparo ursprünglich Graffiti-Künstler war und sich das Modellieren in und mit der Landschaft selbst beigebracht hat. Obligatorisch ist der Hinweis, dass die „BodenKunstSchätze“ ein Kooperationsprojekt zwischen dem Cluster e. V. und der Cluster Projekte GmbH waren.
Die Kunstwerke sind verschwunden
Ebenfalls nur noch als Bilder im Netz gibt es das Marmor-Ei, das Land-Art-Pionier Nils-Udo bei Garmissen/Schellerten in eine Weide gelegt hat. Es wurde im Februar 2026 abgebaut. Schon im November 2025 ist Gras über den „Erdkontrast“ von Michael und Christian Köpper zwischen Söhre und Diekholzen gewachsen. Im wahrsten Sinne des Wortes: „Das Werk ist bewusst vergänglich. Mit der Zeit überwächst Gras die Formen, das Kunstwerk sinkt zurück in den Kreislauf der Natur“, heißt es im entsprechenden Eintrag.
Auch die Projektleiter Anna und Michael Rofka haben eine Arbeit beigesteuert. An der Wittenburger Kirche bei Elze haben sie „Erdboten“ anlegen lassen. Die organischen, aus Zweigen geformten Objekte, in denen sich Kugeln aus Zweigen und Gras befanden, sollten an Boote oder eben Boten erinnern. Seit Februar 2026 sind sie verschwunden. Im selben Monat wurde auch „Hier ist der Boden noch heiliger“ von François Davin aus Frankreich abgebaut. Er hat gegenüber der Kirchenmauer von Betheln bei Gronau eine Installation auf den Boden gelegt, die an ein Buntglasfenster erinnert.
Diese Arbeiten gibt es noch zu sehen
Immerhin vier Arbeiten können aktuell noch besucht werden. Dazu gehören „Subways“ von Stefano Bosi Devoti, der in Lamspringe die Erdschichten als Treppe an die Oberfläche steigen lässt, die „Fata Morgana“ der Niederländerin Karin van der Molen, die transparente Heuhaufenformen auf ein Feld bei Deinsen bei Gronau gestellt hat, „Der traktorlose Pflug“ vom Briten Bob Budd, bei dem eine Vielzahl von Schaufeln sich bei Mahlum in Bockenem um eine Holzachse drehen, und der „Seelenboden (Soulsoil)“ von Lauri Tamm aus Estland, ein Kalksteinkopf, der bei Heersum in Holle an die Statuen auf den Osterinseln erinnert.
„Es ist bewundernswert, wie viel Engagement dieses Projekt hervorgebracht hat“, findet Birgit Krauß, Leiterin des Kulturbüros des Landkreises Hildesheim. Wo sich die Arbeiten genau befinden und welche Projekte um die vergänglichen Werke entstanden sind, steht weiterhin auf www.kulturium.de.
