Wettbewerb

Nach Diebstahl auf der Kirmes: Hildesheimer Goldschmied entwirft neue Kette für Düsseldorfer Schützenverein

Hildesheim - Ein Meisterschüler aus Hildesheim geht in die Düsseldorfer Schützengeschichte ein – nachdem die 150 Jahre alte Chefkette gestohlen wurde, hat er nun im Rahmen eines Wettbewerbs eine neue entworfen. Und gleichzeitig viel über Vereinskultur gelernt.

Stolze Gesichter in der Goldschmiede Maertens: Simeon Andreas Prade präsentiert seinen Entwurf, vorne sitzt Nadine Feldmann, dahinter Silke Maertens, die Inhaber Jörg Märtens (am Schreibtisch) und Marc Maertens. Foto: Nathalie Benkendorf

Hildesheim - Es war ein Krimi, der sich im Juli 2024 auf der Düsseldorfer Rheinkirmes abspielte. Kurz nachdem das Feuerwerk vorüber war, fehlte die Chefkette von Andreas-Paul Stieber – dem ersten Vorsitzenden des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf 1316. Die Chefkette ist ein schweres, versilbertes und 150 Jahre altes Schmuckstück, das einen hohen sentimentalen Wert für die Schützen hat. Sie wurde damals gestohlen und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Der St. Sebastianus Schützenverein braucht allerdings einen Ersatz und meldete sich deshalb in der Meisterschule der Handwerkskammer zu Köln. Die Idee: Statt die alte Kette auf exakt gleiche Weise nachzufertigen, sollte eine neue designt werden. Der Schützenverein rief einen Wettbewerb ins Leben, an dem alle 13 Schüler und Schülerinnen der Meisterklasse Gold- und Silberschmiede teilnahmen. Einer von ihnen: Simeon Andreas Prade. Der 24-jährige Hildesheimer arbeitet seit zwei Jahren in der Goldschmiede Maertens am Markt – und ist für seine Meisterlehre auch immer wieder an der Schule in Köln.

Schützenkette oder Chefkette?

Bis dahin hatte Prade nicht viel mit Schützenkultur am Hut. Auch von einer Schützenkette hatte er noch nie etwas gehört. „Das musste ich dann alles erst mal lernen“, erklärt er heute. Eine Schützenkette, so erfährt er, wird jährlich weitergegeben. Eine Chefkette bleibt allerdings immer beim obersten Repräsentanten und wird deswegen, anders als die Schützenkette, auch nicht mit zusätzlichen Namen oder Plaketten behangen. Die Meisterlehrlinge machten sich also ans Werk, fertigten Modelle aus Pappe an und vertieften sich in die Vereinsgeschichte.

„Vorher habe ich eher Kettenanhänger, Trauringe oder Manschettenknöpfe hergestellt“, bemerkt Prade. Das massive Schmuckstück sei eine Herausforderung, aber auch ein Highlight gewesen. Der 24-Jährige gestaltete in dem Kurs eine Kette, deren Form an die Düsseldorfer Rose erinnern soll. Sieben Zacken am Wappen sollen die sieben Jahrhunderte darstellen, die der Verein schon besteht. Knotenelemente sollen Verbundenheit zur Gemeinschaft symbolisieren, der hintere Teil der Kette ist zudem flach gestaltet, sodass er sich unter den Kragen eines Sakkos legen lässt. Außerdem ändert er die Gravur vom ursprünglichen „Nie ohne Gott“ zu „Immer mit Gott“ – semper cum deo. „So ist es positiv formuliert“, erklärt Prade. Schnell merkt er, dass seine Kette gute Chancen auf den Sieg hat.

2000 Euro Siegergeld

Und: dass er der Schützenkultur auch etwas abgewinnen kann. „Wenn etwas so lange besteht, muss es sich immer wandeln, um nicht zu verschwinden“, sagt er. „Ich fand es bemerkenswert, wie oft der Verein sich seit 1316 neu orientiert, geöffnet und für unterschiedliche Ziele engagiert hat.“ Passend dazu bekommt sein Entwurf den Namen „Gemeinsam für die Zukunft“.

Und tatsächlich gewinnt er damit den ersten Platz, am Stephanientag, dem 5. Mai, soll er zur Ehrung 2000 Euro erhalten. Prade hofft, dass die Goldschmiede Maertens auch den Auftrag erhält, den Entwurf zu verwirklichen – die Entscheidung darüber steht allerdings noch aus.

Schmuckstücke überdauern die Schmiede

„Ein so großes Schmuckstück darf man selten gestalten“, freut sich Prade. Auch der Gedanke, dass seine Kette möglicherweise mehr als 100 Jahre lang getragen wird, mache ihn dankbar. „Das gehört zum Beruf, viele Stücke überdauern einen selbst. Das verankert sehr.“

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