Hildesheim - Die Nasa fliegt wieder zum Mond – und anders als noch beim Apollo-Programm lässt sich dank Internet jeder Schritt live verfolgen. Diese zweite Mission des neuen Mondprogramms der Nasa wird zwar kein spektakuläres Landemanöver liefern, denn man möchte auf dieser Mission erst einmal alle Systeme ausgiebig testen. Und doch ist Artemis II für Raumfahrtfans besonders spannend. Denn erstmals seit über 50 Jahren fliegen wieder Menschen zum Mond – und man könnte zumindest theoretisch Teile der Mission auch von Deutschland aus direkt verfolgen.
Wie kommt das Raumschiff überhaupt bis zum Mond?
So schön die SLS-Rakete auch aussieht – sie ist nur Wegwerfware. Denn fast die ganze Rakete dient nur dazu, das Orion-Raumschiff an der Spitze der Rakete wie einen Stein von der Erde in Richtung Mond zu werfen, damit es weit genug fliegt. Der „Wurf“ dauert dabei immerhin ungefähr acht Minuten, dann ist das Orion-Raumschiff acht Kilometer pro Sekunde schnell. Um zum Mond zu kommen, muss dann ein Triebwerk noch einmal für etwa sechs Minuten Schub geben, bis die Orion ganze elf Kilometer pro Sekunde zurücklegt. Den Rest der etwa dreieinhalbtägigen Reise bis zur Ankunft am Mond erfolgt dann aber tatsächlich antriebslos – eben wie ein geworfener Stein. Dabei wird die Orion immer langsamer, bis sie beim Mond nur noch ungefähr so schnell wie ein Düsenflugzeug ist.
Und wie kommt es wieder zurück?
Ganz einfach: Das Raumschiff fällt vom Mond wieder herunter – eben wie der geworfene Stein. Das geschieht genauso antriebslos wie der größte Teil des Fluges zum Mond, wobei die Orion beim Rücksturz immer schneller wird, bis sie kurz vor der Landung wieder elf Kilometer pro Sekunde schnell ist. Natürlich kann sie mit so einer Geschwindigkeit nicht landen, sondern muss vorher abbremsen. Dafür nutzt man die Erdatmosphäre, in die die Orion-Kapsel gleich zweimal eintaucht, um durch Reibung die Geschwindigkeit abzubauen. Sie wird dann zwar extrem heiß, aber das kann sie aushalten. Die letzten Meter schwebt die Kapsel dann an Fallschirmen und landet im Meer.
Was macht die Artemis II-Mission so besonders?
Dieser Flug zum Mond wird einige Rekorde aufstellen: Erstmals fliegen gleich vier Astronauten zum Mond. Beim Apollo-Programm waren immer nur drei Personen in der Raumkapsel. Nie zuvor werden sich Menschen so weit von der Erde entfernt haben (über 400.000 Kilometer, beim Apollo-Programm waren es jeweils einige Tausend Kilometer weniger). Deshalb werden sie auch schneller sein als je ein Mensch zuvor – klar, denn sie „fallen“ ja auch aus größerer Höhe zur Erde zurück als alle Mondmissionen vor ihnen. Und erstmals wird der „doppelte Wiedereintritt“ in die Erdatmosphäre eine Raumkapsel abbremsen.
Kann man die Artemis-Mission von Hildesheim aus beobachten?
Das Internet macht’s möglich, dass wir jeden einzelnen Moment der Mission live werden verfolgen können – auf YouTube oder gleich bei der Nasa (www.nasa.gov/trackartemis). Für Smartphones ist auch die Nasa-App empfehlenswert, dort erhält man auch Informationen, wo die Orion-Raumkapsel gerade am Himmel steht. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist übrigens an der Artemis-Mission beteiligt. Unter www.dlr.de gibt es viele Hintergrundinformationen (in deutscher Sprache). Natürlich wäre es spannend, wenn man den Flug der Orion-Raumkapsel direkt von Hildesheim aus beobachten könnte. Allerdings ist das Raumschiff so klein und damit so lichtschwach, dass man es nicht mal im Teleskop wird sehen können. Speziell ausgerüstete Fotografen werden vielleicht eine Chance haben, das Lichtpünktchen auf den Sensor zu bannen, aber leider wird nicht einmal das Teleskop auf dem Gelben Turm groß genug sein.
Und trotzdem wird man in der Zeit, wenn die Orion dem Mond am nächsten ist, einfach nur hochschauen müssen, sofern der Mond am Himmel steht, und wissen: Irgendwo dort draußen fliegen sie gerade. Wenn alles gut geht, wird das etwa am 6. und 7. April sein. Wir haben dann abnehmenden Mond, deshalb wird unser Erdtrabant nur in der zweiten Nachthälfte und am Vormittag über dem Hildesheimer Horizont stehen. Und vielleicht ist genau das der schönste Gedanke: Während wir in Hildesheim vergeblich in den Himmel schauen, fliegt irgendwo da draußen eine winzige Kapsel – kaum sichtbar, aber voller Menschen, die genau das tun, was wir auch tun würden: staunen.
Von Arndt Latußeck
