Impfpanne

Nach Impfpanne in Hannover: Experten geben vorsichtig Entwarnung

Hannover - Insgesamt 42 Kinder hatten am Montag am Zoo Hannover versehentlich die dreifache Dosis des Corona-Impfstoffs bekommen. Wie Experten die Lage nun einschätzen.

Mehrere Kinder waren am Montag im Impfzentrum am Hannover Zoo versehentlich mit der Impfdosis für Erwachsene geimpft werden. Das entspricht der dreifachen Menge an Impfstoff, die Kinder eigentlich bekommen sollen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover - Nach einer Panne im Corona-Impfzentrum am Zoo Hannover geben Experten Entwarnung. 42 Kinder zwischen fünf und elf Jahren hatten dort am Montag versehentlich die Erwachsenendosis erhalten, wie die Region Hannover am Abend mitgeteilt hatte. Die Jungen und Mädchen haben in der Impfstraße im ehemaligen Regenwaldpanorama die dreifache Dosis des für diese Altersgruppe bestimmten Biontech-Vakzins erhalten: 30 statt 10 Mikrogramm.

Auch das Volumen des verabreichten Impfstoffs ist mit 0,3 Millilitern etwas größer – eigentlich werden Kindern nur 0,2 Milliliter gespritzt.

Kinderarzt: Kein Risiko durch falsche Dosis

„Nach menschlichem Ermessen ist aber nicht davon auszugehen, dass es zu schweren Nebenwirkungen kommt“, sagte Kinderarzt Thomas Buck auf Anfrage. Die Dosis für die Altersgruppe sei im Vergleich zu Erwachsenen verringert worden, weil Immunantwort und Immunsystem der Kinder besser seien und die Kleinen für einen guten Schutz daher nicht so viel Wirkstoff benötigten.



Eine höhere Dosis sei daher überflüssig – aber nicht schädlich. Buck erwartet daher keine maßgebliche Erhöhung von Nebenwirkungen. „Ich sehe da kein Risiko für die Kinder, da kann man beruhigen.“

Lob für Transparenz

Der Kinderarzt betont, wie wichtig die Transparenz sei, mit der die Region Hannover die Impfpanne kommuniziert habe. „Das Impfen darf durch so einen Zwischenfall nicht diskreditiert werden. Dadurch, dass der Vorfall schnell öffentlich gemacht wurde, kann Vertrauen bewahrt werden.“

Allerdings, betont Buck, müsse das Qualitätsmanagement in Impfzentren immer wieder überprüft werden, „auch wenn medizinisch nichts passiert“.



In seiner Praxis impft das Team etwa Erwachsene und Kinder in komplett getrennten Räumlichkeiten. Buck betont, dass auch die mit dem fälschlicherweise hoch dosierten Impfstoff versorgten Kinder nach einigen Wochen, wie im Impfschema vorgesehen, die zweite Spritze erhalten können.

MHH-Arzt rät zur Kontrolle beim Kinderarzt

Prof. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und seit Beginn der Pandemie maßgeblich mit Corona befasst, schließt dagegen nicht aus, dass das Dreifache der empfohlenen Dosis zu erhöhten Nebenwirkungen führen kann.

Dies könnten zunächst lokale Nebenwirkungen wie Fieber und andere grippale Symptome sein. „Ob es mehr schwere Impfreaktionen gibt, ist unklar“, so Welte. „In den Zulassungsstudien ist es ebenfalls bei einigen Kindern zu Überdosierungen gekommen, ohne dass etwas passiert ist.“

Die Kinder sollten jedoch vom Kinderarzt in den nächsten Tagen kontrolliert werden, der sei der richtige Ansprechpartner.

Tierexperimente zeigten keine wesentlichen Folgen

Ein Bericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zur Überdosierung von Vakzinen bei Kindern präsentiert Daten, aus denen hervorgeht, dass mit wesentlich höheren Dosen durchgeführte Tierexperimente keine wesentlichen Folgen gezeigt haben.

Im Falle einer Überdosierung werden seitens der EMA dennoch eine Überwachung der Vitalfunktionen sowie eine mögliche symptomatische Behandlung empfohlen.

Impfung im Zoo Hannover nur noch für Kinder

„Was passiert ist, hätte nicht passieren dürfen“, erklärte Regionspräsident Steffen Krach am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz zu dem Vorfall. Als erste Maßnahmen, um weitere Versehen zu verhindern, werden künftig am Zoo nur noch Kinder geimpft, Erwachsene in der Ernst-August-Galerie.

Des Weiteren wurde das Team mit sofortiger Wirkung verstärkt. „Wir haben zusätzliche Experten zur Verfügung, sodass kein Mitarbeiter mehr alleine für die Vorbereitung der Impfspritzen zuständig ist“, betonte Krach.

Die Region hat sofort nach Bemerken der Impfpanne sämtliche betroffene Familien erreicht. „Bislang haben wir noch keine Kenntnis von erhöhten Impfreaktionen“, sagt Krach. Den Eltern seien Ansprechpartner in der Kinderklinik auf der Bult und der Medizinischen Hochschule zur Beratung vermittelt worden. Dass es überhaupt zu der Verwechslung kommen konnte, erklärte der Regionspräsident damit, dass zwar beim Aufziehen der Spritze die verschiedenen Dosen noch farblich gekennzeichnet sind, in der Spritze dann aber nur das Volumen (0,3 Milliliter für Erwachsene, 0,2 Milliliter für Kinder) den optischen Unterschied darstellt. „Wir wollen künftig so vorgehen, dass auch die fertigen Impfspritzen deutlich gekennzeichnet werden.“

Von HAZ.

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