Hildesheim - Das, was in den vergangenen fünf Jahren im Hildesheimer Kreistag passierte, war Kommunalpolitik zum Abgewöhnen. Die Situation zwischen der rot-grün geführten Mehrheitsgruppe auf der einen Seite und der CDU auf der anderen als festgefahren zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung.
Wenn Abgeordnete immer wieder erschöpft nach Hause gehen, dann muss es etwas verdammt falsch laufen
Mögen die Verantwortlichen, allen voran der langjährige Fraktionschef der Christdemokraten, Friedhelm Prior, stets für sich beansprucht haben, zu Recht so zu agieren, wie sie es taten: Wenn mehrstündige Sitzungen die Regel und nicht die Ausnahme waren, viele Abgeordnete erschöpft nach Hause gingen und sich fragten, was denn das nun wieder war, muss etwas verdammt falsch gelaufen sein. Demokratie ist anstrengend, ja – aber so anstrengend wie im letzten Kreistag muss sie nicht sein. Vermutlich haben noch keine Verwaltung und kein Landrat in der Geschichte des Landkreises so unter Dauerbeschuss einer Opposition gestanden wie Bernd Lynack und dessen Mitarbeiter in den vergangenen fünf Jahren.
Weniger Verbissenheit und Rechthaberei, mehr Aufgeschlossenheit
Doch nun spricht vieles dafür, dass im Kreistag neue Zeiten anbrechen: weil zwei Drittel der Abgeordneten neu sind, weil es an den Spitzen von SPD, der CDU und den Grünen einen Generationswechsel gibt. Das neue Personal verheißt einen anderen Stil, weniger Verbissenheit und Rechthaberei, mehr Aufgeschlossenheit. Dass diese allerdings bei der SPD so weit gehen könnte, das Auftreten der CDU unter Prior zu vergessen und eine Koalition mit den Christdemokraten zu bilden (was für eine Mehrheit reicht), ist unwahrscheinlich. Vielmehr dürften wechselnde Mehrheiten künftig das Geschehen bestimmen. Auch das wäre anstrengend. Aber auf eine andere Art.
