Ummeln - In Ummeln fehlt es an einer sozialpädagogischen Betreuung für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Fast ein Dreivierteljahr monierte die Gemeinde Algermissen beim Landkreis Hildesheim diesen Umstand. Und beschloss sogar ein Positionspapier, um für die zu Spitzenzeiten im Messehotel untergebrachten 200 Frauen, Männer und Kinder einen professionellen Beistand zu bekommen (die HAZ berichtete). Mittlerweile hat der Landkreis eine Betreuung organisiert. Doch ob die ausreicht, daran bestehen seitens des Ummelner Ortsbürgermeisters Bernd Ingelmann Zweifel. „Es ist ein netter Anfang“, sagt er, „doch auf gar keinen Fall ausreichend.“
141 Geflüchtete, davon 44 Minderjährige
Laut Landkreis wohnen aktuell in dem Freizeit- und Tagungshotel an der Ummilostraße 141 Personen, davon 44 Minderjährige. Diesen Menschen nimmt sich seit einigen Wochen der Asyl e.V. an. „Es handelt sich dabei um eine 0,5-Stelle“, berichtet Kreissprecherin Lena Kubat auf HAZ-Nachfrage. Dabei handele es sich jedoch um keine sozialpädagogische Betreuung.
Die dort eingesetzte Mitarbeiterin hat laut Kubat sowohl die Sprachkompetenzen als auch Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit. Ihr Aufgabenkreis umfasst zum einen die Hilfestellung bei Behördenangelegenheiten durch Beratung und Vermittlung an Ansprechpersonen, zum anderen die Unterstützung bei der Wohnraumsuche in Zusammenarbeit mit dem Amt.
Reicht die halbe Stelle?
Daneben vermittelt die Mitarbeiterin weitergehende Hilfs- und Beratungsangebote und fungiert als Schnittstelle zwischen Ehren- und Hauptamt im Integrationsnetzwerk. Eine „Unterstützung Dritter beim Aufbau von bedarfsorientierten Angeboten für im Messehotel lebende Kinder und Jugendliche“ soll ebenfalls gewährleistet werden – „sofern es die zeitlichen Kapazitäten des eingesetzten Personals erlauben“, wie es im Nachgang heißt.
Und genau mit diesem Punkt tut sich Ortsbürgermeister Ingelmann schwer. Denn in seinen Augen könne mit einer halben Stelle nicht die Betreuung so vieler Geflüchteter gewährleistet werden. Mit Blick auf die Situation 2015, als im Messehotel maximal 150 syrische Geflüchtete wohnten, seien ein bis zwei Betreuer in Vollzeit vor Ort gewesen.
Infrastruktur vor Ort nicht ausreichend
Was erschwerend hinzukommt, ist die Infrastruktur, sagt Ingelmann. Es gebe vor Ort keine Einkaufsmöglichkeiten und die Verkehrsanbindung sei mau: „Man kann froh sein, wenn einmal in der Stunde der Bus kommt.“ Entsprechend machten sich Geflüchteten zu Fuß auf den vier Kilometer langen Weg nach Algermissen auf – direkt an der Straße entlang. Im Vergleich zu beispielsweise Sarstedt, wo es „rundum Animation“ für die Geflüchteten gebe, bestünde in Ummeln indes die Gefahr der Langeweile – nicht selten der Beginn für Probleme.
Das Messehotel selbst sei als Unterbringungsmöglichkeit „optimal“, das will Ingelmann überhaupt nicht bestreiten. „Aber die äußeren Umstände sind nicht angepasst“, sagt er und wünscht sich zudem ein besseres Netzwerken.
Situation in dem Algermissener Ortsteil „besonders“
Dass die Situation in dem Algermissener Ortsteil „besonders“ ist, räumt Kreissprecherin Kubat ein. „Beratungsangebote können allein aufgrund der Lage des Ortes nur schwer wahrgenommen werden. Bei anderen Unterkünften ist die Situation anders und es erfolgt im Regelfall eine Begleitung der Personen durch die kommunalen und regionalen Integrationshelfer und -helferinnen.“
Der Kreis versucht, die Geflüchteten in Wohnungen unterzubringen – sofern möglich. „Die Verhandlungen über eine Fortführung des Vertrages laufen aktuell.“
