Borsum/Giesen/Harsum - Ein Sieg im Fußball-Kreispokalfinale setzt offenbar besondere Emotionen frei – so auch der Erfolg am Pfingstmontag bei den Spielern und Anhängern des VfL Borsum. Der VfL hat wie berichtet im Endspiel den Nachbarn TSV Giesen mit 2:0 geschlagen.
Die Borsumer schweben ohnehin auf Wolke sieben: Schließlich konnten sie bereits vor einer Woche die Meisterschaft in der Kreisliga und den Bezirksliga-Aufstieg klarmachen. Nun kommt noch der Pokalsieg dazu.
Wir fahren jetzt in den Borsumer Wald, da wird es sicher einige Kaltgetränke geben
Dieser Doppeltriumph, in Fachkreisen Double genannt, muss ausgekostet werden. Und das taten die Borsumer bereits auf der Anlage des SV Emmerke, wo das Kreispokalfinale stattfand. Laute Gesänge, Pyrotechnik und Freudentänze hielten lange an. VfL-Verteidiger Alexander Karthaus kündigte schon in Emmerke an: „Wir fahren jetzt in den Borsumer Wald, da wird es sicher einige Kaltgetränke geben.“
Hausbesetzung in Giesen
Auf dem Weg dorthin machten Spieler und Fans, die mit dem Bus zum Finale angereist waren, aber gleich zweimal Halt. Zunächst beim Endspiel-Verlierer und Nachbarn Giesen – genauer: am Giesener Rathaus. Spieler und Fans versammelten sich freudetrunkend vor dem Gebäude, kletterten auf das Rathaus-Vordach und ließen sich ablichten. „Hausbesetzung“ in Giesen.
Zwischen dem VfL Borsum und dem TSV Giesen gibt es eine sportliche Rivalität, auch resultierend aus der laufenden Saison. Beide Mannschaften schafften nun den Aufstieg in die Bezirksliga. Aber in den Liga-Spielen behielt jeweils der TSV die Oberhand: einmal mit 2:0, einmal mit 1:0. Das Pokalendspiel gewann dann aber der VfL.
Schon während der 90 Minuten beim Finale in Emmerke hatten die Borsumer Anhänger einen Zaunbanner mit der Aufschrift präsentiert: „Gegen jeden Trend.“ Dabei war das Wort Trend in schwarzen Buchstaben geschrieben, aber das E als grünes €, also als Eurozeichen. Wohl eine Provokation in Richtung der Giesener, zu deren Vereinsfarbe das Grün gehört und die vor dieser Serie ordentlich auf dem Transfermarkt zugeschlagen haben. Unter anderem kamen Lennart Fiech und Felix Bielicke vom Landesligisten SV Bavenstedt zum TSV.
Nach dem Stopp am Giesener Rathaus machten die Borsumer auch beim anderen Gemeinde-Rivalen SC Harsum (SCH) Station. Vor dem Eingang des Sportgeländes an der Förster Straße wurden blau-weiße Pyros (Vereinsfarben des VfL) gezündet und erneut für ein Foto Aufstellung genommen. Vorher beim Finale in Emmerke hatten die Borsumer Fans in Richtung einiger anwesender Harsumer gesungen: „Borsum wird Meister, und Harsum steigt ab.“
Im Anschluss an die Pyro-Aktion an der Förster Straße ging es endlich weiter ins Borsumer Waldstadion – dann wurde die finale Party gestartet.
Bekanntlich gehört zum Fußball längst nicht nur Spiel an sich, sondern auch das Gerede und Geläster um das Drumherum des Sports. Nach den Vorfällen rund um das Pokalfinale gibt es freilich in der Szene wieder viel zu quatschen.
Eklat bereits nach Finale 2019
Wie auch nach dem Endspiel von vor vier Jahren. 2019 hatte der VfB Bodenburg den Titel geholt. Während der anschließenden feucht-fröhlichen Feier machten sich die Bodenburger am Kreispokal, der eigentlich eine Schale ist, zu schaffen. Auf der Schale sind alle Sieger mit ihrem Vereins-Logo verewigt.
2015 hatte die SG Wehrstedt/Bad Salzdetfurth den Cup gewonnen – der ungeliebte Nachbar des VfB Bodenburg. Offenbar wurmte der Anblick des Wehrstedter Logos die feiernden Bodenburger. Sie nahmen damals einen Veltins-Bierdeckel, schnitten ihn in Form, schrieben ein Schimpfwort auf das Stück Pappe und legten dieses selbst gebastelte Fake-Logo auf das eigentliche Emblem des Erzrivalen Wehrstedt. Das Ganze wurde fotografiert und in den Sozialen Medien gepostet. Selbstredend war die Aufregung groß.
Wie gesagt: So ein Kreispokalfinale setzt große Emotionen frei.
Von Maximilian Willke und Ulrich Hempen



