Ermittlungen wegen Totschlags

Nach tödlicher Messerattacke in Sarstedt: Landkreis äußert sich zu Situation in Geflüchtetenunterkunft

Sarstedt - Der mutmaßliche Täter, der am Montag einen 61-jährigen Hotelbetreiber in Sarstedt getötet haben soll, sitzt inzwischen in U-Haft. Er lebte in dem zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Hotel – dort hat es in der Vergangenheit bereits Konflikte gegeben. Wie der Landkreis den Fall einordnet.

Einsatzkräfte der Polizei sichern nach der Tat am Montag Spuren rund um den Tatort in der Sarstedter Bahnofstraße. Foto: Chris Gossmann

Sarstedt - Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 61-jährigen Hotelbetreiber in Sarstedt sitzt der mutmaßliche Täter seit Dienstag in Untersuchungshaft. Wie die Hildesheimer Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamen Pressemeldung am Dienstag mitteilten, handelt es sich dabei um einen 35-jährigen Mann mit irakischer Staatsbürgerschaft. Er soll in dem vom Opfer betriebenen Hotel gelebt haben, das seit Juni 2023 als Unterkunft für Geflüchtete dient. Dort soll es in der Vergangenheit bereits Konflikte zwischen Betreiber und Bewohnern gegeben haben, wie der Landkreis mitteilt. Allerdings gebe es keinen Hinweis auf eine zurückliegende eventuelle Gefährdung speziell durch den jetzt Tatverdächtigen.

Spezialkräfte entdecken Verdächtigen im Gebüsch

Einsatzkräfte der Polizei nahmen den Tatverdächtigen am Montag gegen 21.15 Uhr „auf dem Areal eines weitläufigen Firmengeländes“ fest. Nach HAZ-Informationen versteckte sich der Mann dort in einem Gebüsch nahe der Giftener Seen, wo die Beamten ihn entdeckten und verhafteten.

Der 35-Jährige wird dringend verdächtigt, am Montag gegen 10 Uhr den Betreiber eines Hotels an der Bahnhofstraße in Sarstedt getötet zu haben. Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft sollen beide Männer in einen Streit geraten sein. Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der mutmaßliche Täter ein Messer gezogen und zugestochen haben. Das 61-jährige Opfer erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Wie Christina Wotschke, Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft, auf HAZ-Nachfrage mitteilt, sei der Mann binnen weniger Minuten verstorben. Für die Tat an sich gebe es Augenzeugen, die beobachtet hätten, wie der Täter auf sein Opfer einstach. Wie oft er zustach und wo genau er sein Opfer traf, dazu machte Wotschke keine Angaben. Ermittler stellten in der Nähe des Tatorts ein Messer sicher. Ob es sich dabei auch um die Tatwaffe handelt, ist bisher noch unklar.

Videoaufnahmen zeigen Flüchtigen

Nach der Attacke konnte der Verdächtige zunächst fliehen. Stundenlang suchten Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot in Sarstedt nach ihm. Ein Helikopter der Polizei Hannover kreiste zeitweise über der Kleinstadt; auch Spürhunde waren im Einsatz. Die Polizei befragte Passanten, kontrollierte Straßenbahnen und wandte sich mit einer Täterbeschreibung an die Öffentlichkeit. Auf die Spur des Verdächtigen kamen die Ermittler dank Zeugenaussagen sowie der Auswertung einer Überwachungskamera. Die Aufnahmen stammen von einer Überwachungskamera, die am Hotel angebracht ist – die Kamera filmte zwar nicht die Tat an sich, aber zeichnete auf, wie sich der Täter in und um das Gebäude bewegte und schließlich flüchtete, schilderte Wotschke der HAZ.

Fluchtgefahr: Der 35-Jährige muss in Untersuchungshaft

Wegen des dringenden Tatverdachts gegen den Iraker und der aus ihrer Sicht gegebenen Fluchtgefahr des Mannes beantragten die Strafverfolger beim Amtsgericht Hildesheim, den 35-Jährigen in Untersuchungshaft zu schicken. Dem kam der zuständige Amtsrichter am Dienstagmittag nach, wie der Pflichtverteidiger des Verdächtigen, der Hildesheimer Anwalt Thorsten Grunenberg, gegenüber der HAZ bestätigte. Darüber hinaus machte der Jurist keine Angaben zu seinem Mandanten und den Vorwürfen gegen ihn. Nach HAZ-Informationen soll sich der 35-Jährige bisher gegenüber den Ermittlern und dem Richter nicht zu den Vorwürfen eingelassen haben. Die Staatsanwaltschaft führt die Ermittlungen gegen ihn nun wegen des dringenden Verdachts auf Totschlag an dem 61-Jährigen Betreiber des zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Hotels.

Gespräche mit Landkreis wegen „Problemen mit Bewohnern“

HAZ-Recherchen zufolge soll sich der Betreiber der Unterkunft in der Vergangenheit einige Male an den Landkreis Hildesheim gewandt haben. Die Kreis-Pressestelle bestätigte das auf Nachfrage: Es habe mehrfach telefonischen Kontakt gegeben, „um Probleme mit Bewohnern zu klären, die sich schlecht in das Wohnumfeld einfügen“. Das sei jedoch kein Einzelfall. In der Unterkunft an der Sarstedter Bahnhofstraße habe es „wiederholte Verstöße gegen die Hausordnung oder Auseinandersetzungen mit Mitbewohnern“ gegeben, so der Landkreis. Daraufhin sei ein Integrationshelfer eingesetzt worden, um die Situation zu deeskalieren. Dieser Integrationshelfer „ordnet die geschilderten Konflikte als übliche Vorkommnisse ein, die ihm aus allen Flüchtlingsunterkünften bekannt sind“, heißt es aus der Pressestelle des Landkreises weiter. Eine konkrete Bedrohungslage, insbesondere durch den mutmaßlichen Täter, habe der Betreiber nicht angesprochen. „Und derartige Erkenntnisse lagen auch dem Landkreis nicht vor.“

Kreisverwaltung zeigt sich „tief erschüttert“

Der Landkreis zeigte sich „tief erschüttert über den Vorfall“ und sprach den Angehörigen des Opfers sein Beileid aus. Mitarbeiter seien am Dienstag in Sarstedt gewesen, „um mögliche Hilfestellung zu klären“. Der Sohn des Opfers habe indes dem Landkreis gegenüber bereits signalisiert, die Geflüchtetenunterkunft weiter betreiben zu wollen. Dort leben aktuell 39 Geflüchtete aus Syrien, dem Iran, dem Irak, der Türkei, aus Afghanistan und der Ukraine.

Von Jan Linkersdörfer, Jan Fuhrhop und Manuel Lauterborn

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