Hildesheim - Wer hat es auf das Jobcenter in Hildesheim abgesehen? Das Gebäude an der Ecke Kennedydamm/Kaiserstraße ist offenbar von einem Unbekannten attackiert worden – und zwar mehrfach nachts durch Schüsse. Die Einschläge sind deutlich an den Fensterscheiben zu sehen.
Auf Nachfrage möchte sich das Jobcenter dazu nicht weiter äußern. Sprecher Walter Prigge bestätigt nur: „Ja, es gibt tatsächlich Einschüsse.“ Auf die Frage, ob auch Menschen verletzt worden seien, antwortet er: „Nein“. Für alle weiteren Details verweist Prigge jedoch an die Polizei in Hildesheim.
Die Beamtinnen und Beamten haben Ermittlungen aufgenommen. Das bestätigt Polizeisprecher Jan Makowski auf Nachfrage der HAZ. Demnach gehen die Attacken auf das Jobcenter schon seit mehreren Monaten. „Der Tatzeitraum liegt zwischen Mitte Juni und Ende September“, sagt der Hauptkommissar und bestätigt ebenfalls, dass es keine Verletzten gab. Nach bisherigen Erkenntnissen sind lediglich Fensterscheiben beschädigt worden. Das ist auch von außen gut sichtbar – vor allem im Erdgeschoss. „Die Anzahl der bei uns bekannt gewordenen Taten bewegt sich in einem höheren einstelligen Bereich, wobei jeweils mehrere Scheiben beschädigt wurden“, erläutert Makowski. Die genaue Schadenshöhe könne derzeit nicht beziffert werden.
Schüsse auf Scheiben
Was ist das für eine Waffe? Offensichtlich kann damit das Fensterglas beschädigt werden, aber es gibt keinen Durchschuss in die Büroräume der mehr als 200 Angestellten im Jobcenter oder im Treppenhaus. Das neue, fünfstöckige Gebäude hat das Jobcenter erst Ende 2017 bezogen. Seitdem sind in der Stadt alle Dienstleistungen – vom Erstantrag über die Leistungsberechnung bis zur Vermittlung – unter einem Dach.
Besonders auffällig sind die Einschüsse auch an der Tür zur sogenannten Job-Schmiede, zu der man über den Eingang am Marienfriedhof gelangt. Dort ist die Eingangstür aus Glas durch mindestens zwei Einschüsse gesprungen. Dennoch antwortet der Polizeisprecher: „Den Ermittlungen zufolge spricht momentan allerdings nichts dafür, dass der Beschuss mit einer erlaubnispflichtigen Feuerwaffe erfolgte.“
„Situation beängstigend“
Bleibt die Frage, wer der Täter sein könnte oder ob es sich um mehrere Täter handelt. Aggressionen oder auch Attacken auf Arbeitsämter, Gerichte oder Sozialämter sind auch in Niedersachsen immer wieder ein Thema. Dennoch sind Schüsse à la Wild-West-Manier wohl schon eine Ausnahme. „Die Situation ist schon beängstigend“, so eine Aussage aus der Behörde direkt. Denn nach Informationen der HAZ ist auch im Flur des Jobcenters schon eine Patronenhülse gefunden worden. Zudem sei zwischenzeitlich auch mal ein Drohbrief eingegangen, in dem anonym angekündigt werden, dass das Gebäude „angezündet“ oder „in die Luft gesprengt“ werde. Ob es da einen Zusammenhang zu den nächtlichen Schüssen gibt, das ist nicht bekannt.
Mehrfach ist die Polizei im Haus gewesen. Die Einschussstellen werden von dem Ermittlungsteam genau markiert, um neue Schäden sofort feststellen zu können. Nach Recherchen der HAZ soll auch der Sicherheitsdienst in und um den fünfstöckigen Behördenbau deutlich erhöht worden sein.
Ermittlungen dauern an
Trotzdem: Wer hinter den Schüssen steckt, das bleibt bislang unbekannt. „Bisher konnten keine Tatverdächtigen ermittelt werden“, sagt Sprecher Makowski. Ein Bekennerschreiben gebe es nicht. Die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung dauern an. Wer Hinweise zu den Taten, zu Tatverdächtigen oder dem Umfeld geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei in Hildesheim unter der Telefonnummer 05121/939-115 zu melden. „Jeder noch so kleine Hinweis kann wichtig sein“, betont Polizeisprecher Makowski.



