Hildesheim - Besucherinnen und Besucher des Ochtersumer Wildgatters können sich am ersten tierischen Nachwuchs des Jahres erfreuen: Frischlinge, Kamerunschaflämmer und bald auch Hirschkälber. Die Ziegen hingegen sehen zwar rund aus, aber dort gibt es erstmal keine Zicklein, „die sind einfach nur zu dick“ sagt Fabian Langner (27), einer der Vollzeit-Tierpfleger.
Frischlinge
Seit vergangener Woche laufen sieben Frischlinge mit ihrer Bache – so nennt man Wildschweinmuttertiere – Doris durchs Gehege. Durchs Mutterdasein ist der Beschützerinstinkt von Doris geweckt, deshalb schubst sie die anderen Gehegemitbewohner auch gerne mal, wenn sie sich ihrem Nachwuchs nähern. Nach etwa vier Monaten Tragezeit kamen die sieben Schweinchen zur Welt. Üblicherweise werden sie drei Monate gesäugt und verlieren dann ihre typischen Streifen, doch Doris gebar einen etwas anderen Wurf. Zwei der Frischlinge sind gestreift, die anderen fünf sind schwarz-weiß gepunktet. Das liege am Erbgut, das manche Wildschweine in sich tragen, erzählt Pfleger Langner. Es habe sich durch die Paarung mit Hausschweinen im Laufe der Zeit verändert. „Früher haben Bauern ihre Schweine frei im Wald laufen lassen“, erzählt Langner. Deshalb sei es wahrscheinlich zum veränderten Erbgut gekommen.
Kamerunschaflämmchen
Im Gehege, das sich die Kamerunschafe und die schottischen Hochlandrinder teilen, sind bereits seit Mitte Januar vier Lämmer zuhause. Wie man es auch von Babys kennt, sind die Lämmer derzeit in einer „oralen Phase“ und stupsen mit ihren kleinen Schnuten alles an, zum Ertasten und Erschmecken ihrer Umgebung.
Hirsche
Die Brunftzeit von September bis Oktober ist vorüber, die Hirschkühe sind gedeckt, so dass die Hirsche in den nächsten Tagen oder Wochen ihre Geweihe wie jedes Jahr abwerfen. Das passiert hormonell bedingt und sieht durch die starke Durchblutung „schlimmer aus, als es ist“, sagt Langner. Ab Mai können dann auch die Hirschkälber im Wildgatter besucht werden. Bis zur nächsten Brunftzeit haben die Hirsche ihre neuen Geweihe, die von Jahr zu Jahr größer werden.
Wildgatter-Konzept
Mit einer Vielfalt von 40 bis 50 Tierarten und ungefähr 300 Tieren auf 60.000 Quadratmetern hat das sechsköpfige Wildgatter-Team grundsätzlich alle Hände voll zu tun. Im Gegensatz zu einem Zoo ist der Eintritt im Wildgatter frei und das Futter der Tiere sowie die Tierarztkosten werden durch Spenden finanziert.
Im vergangenen Jahr hatten einige Tiere gesundheitliche Probleme – eine Ziege verendete sogar. Woran das liegt, ist für Tierpfleger Langner klar: Leere Nudelpackungen deuteten darauf hin, dass Gäste die Tiere mit nicht artgerechtem Futter gefüttert haben. Dabei gilt gerade im Frühjahr: Viel Nachwuchs bedeutet viel Vorsicht. Besucher dürfen die Tiere deshalb nicht füttern.



