Hildesheim - Die Gelbbauchunke zählt zu den stark gefährdeten Tierarten. Einen Schutz- und sogar Aufzuchtbereich bietet ihnen das Schulbiologiezentrum in Ochtersum. Doch nun ist um die Unke ein Streit entbrannt. Denn der ehemalige Vorsitzende des Trägervereins des Zentrums, der Zoologe Reiner Theuert, greift die derzeitige Vorsitzende Nina Lipecki scharf an.
Sein Vorwurf: Lipecki würde zu wenig tun, um die Gelbbauchunken vor dem Aus zu schützen. Außerdem hätte sie EU-Gelder nicht abgerufen, die eigentlich für eine Aufzuchtstation für die Amphibien gedacht waren. Stattdessen habe sie beim Landkreis „Steuergelder lockergemacht“, die in die Sanierung des Gebäudes fließen würden, „das in einem beklagenswerten Zustand“ sei.
Reaktion auf Vorwürfe
Als Lipecki mit den Vorwürfen konfrontiert wird, muss sie erstmal tief durchatmen. Sie sei einiges von Seiten Theunerts gewohnt, sagt sie und kontert: „Nichts von dem, was er sagt, entspricht der Wahrheit.“ Die von der EU bewilligten Mittel in Höhe von 30000 Euro für das Projekt „Life Bovar“ würden nicht wie ursprünglich geplant in das sogenannte Bienenhaus auf dem Gelände des Schulbiologiezentrums investiert, da das keinen Wasseranschluss habe.
„Wir haben das mit den beteiligten Vertretern des Naturschutzbund und von Stadt und Landkreis vor Ort besprochen“, sagt Lipecki. Stattdessen sei die Kröten-Aufzuchtstation in einem anderen Gebäude, einem ehemaligen Schuppen, eingerichtet. „Wir hatten gehofft, bis zum Ende dieses Jahres mit den Baumaßnahmen fertig sein zu können“, sagt sie. Doch auch ihr Verein sei von den Lieferproblemen in der Baubranche betroffen. Die Fertigstellung werde erst nächstes Jahr gelingen.
Angebote für Kitas und Schulen
Vor wenigen Tagen habe sie zudem Gespräche mit den Projektpartnern geführt, um über die weitere Planung der Bildungsmaßnahmen zu sprechen. Geplant sei unter anderem flexibel einsetzbares Mobiliar anzuschaffen, damit vor allem Kindergärten und Schulen auf dem Gelände über den Naturschutz informiert werden können. Auch dafür seien entsprechende Mittel notwendig gewesen.
Theunert hat in seinem Schreiben bei den Kritikpunkten auch ausgeführt, dass gerade die heißen Sommerphasen dazu geführt hätten, dass die Rückzugsräume für die auf dem ehemaligen Militärgelände Osterberg ausgesetzten Gelbbauchunken gefährdet seien. „Die Fortpflanzung unterblieb vollständig.“ Er habe sich bereits 2017 für den Einsatz von flachen Ton- oder Betonwannen eingesetzt, um ein Versickern von Niederschlägen auf dem Osterberggelände zu verhindern. Das sei aber damals von der Stadt abgelehnt worden.
Unterstützung gegen Folgen der Hitze
Lipecki hält auch bei diesem Punkt gegen: „Die Betonwandungen werden geschaffen.“ Das sei – und in diesem Punkt gibt sie Theunert uneingeschränkt Recht – gerade aufgrund des Klimawandels und der zunehmenden Trockenheit in der Tat wichtig. „Unsere Arbeit wird wissenschaftlich begleitet“, betont Lipecki. Und wie diesen Sommer beispielsweise auch im Rahmen von Jugendprojekten tatkräftig unterstützt. Für das Projekt „Life Bovar“ haben Jugendliche zuletzt Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten für die Gelbbauchunken geschaffen und Kleinstgewässer angelegt, um der Trockenheit in diesem Jahr zu trotzen.
