Während man fast glauben könnte, es existierten nur noch Irre auf der Welt, möchte ich den Gegenbeweis antreten. Mit einer Geschichte, die wahr ist und außerdem superklasse.
Sie geht so: Auf dem Display meines Handys ist ein Auszug aus einem meiner Lieblingsbücher gespeichert, die letzten Sätze aus „H wie Habicht“. Damit ich bloß nie vergesse, was für tolle Geschichtenerzähler und wunderbare Texte es gibt. Dann aber, vor einigen Tagen, bin ich im Wildgatter – und merke zu Hause: Mist, Handy weg. Wahrscheinlich verloren, irgendwo zwischen Ziegen und Waschbären. Das Ding ist zwar uralt, aber alle Nummern drauf und Bilder usw. Frage die Tierpfleger, aber sie haben kein Handy gefunden. Doof.
Wer macht sich solche Mühe, eine Unbekannte zu finden?
Trotz des Ärgers gehe ich am nächsten Tag ins Kino, weil beim Filmfestival „H wie Habicht“ läuft, die Verfilmung genau dieses Buchs. Ich hab nur mein Diensthandy bei mir, so bin ich notfalls wenigstens für Kollegen erreichbar. Der Notfall scheint auch genau während der Vorstellung einzutreten, denn das Ding vibriert immerzu vor sich hin. Hinterher sehe ich: fünf Anrufe, Nummer unbekannt. Zu Hause finde ich eine Mail: „Hey Kathi, ich glaube, ich hab dein Handy gefunden. Ich arbeite in dem kleinen Kiosk am Wildgatter, und jemand gab das Handy hier ab. Da hab ich gesehen, dass du einen Auszug aus ‚H wie Habicht‘ gespeichert hast. Also hab ich überall rumgefragt, ob irgendwer eine Kathi kennt, die gern liest und Tiere mag. Jemand kam dann auf dich, und dann hab ich über die HAZ deine Nummer und Mailadresse rausgesucht. Also falls du tatsächlich dein Handy verloren hast, es liegt jetzt hier, du kannst es abholen. Liebe Grüße, Roya.“
Ich kann es kaum glauben. Jemand macht sich solche Mühe, eine unbekannte Person zu finden, nur um ihr ein altes Handy zurückzugeben? Jemand, der das Buch erkannt hat, weil er offenbar auch gern liest und Tiere mag – und Menschen. 1000 Dank dafür, liebe Roya. Und auch der Person, die es gefunden und abgegeben hat. Ihr seid der beste Grund zu glauben, dass es immer Geschichten zu erzählen geben wird, und zwar nicht nur den alltäglichen Irrsinn, sondern gute Geschichten von guten Dingen. Und mit etwas Glück kommt in manchen davon sogar ein Habicht vor.
