Unternehmensgründung

Nettlinger gründen zweites Start-up – und bieten pünktlich zur Weihnachtszeit außergewöhnliche Geschenkverpackungen an

Nettlingen - Innerhalb von nur zwei Jahren haben Andreas Fischer und Ronja Diederich aus Nettlingen ein zweites Start-up gegründet. Die beiden vermieten bereits seit einiger Zeit Babykleidung. In ihrem neuen Unternehmen bieten sie nun wiederverwendbare Stoffe zum Verpacken von Geschenken an. Wie sie mit ihren beiden Start-ups künftig wachsen wollen.

Andreas Fischer und Ronja Diederich haben ihr zweites Start-up gegründet. Foto: Julia Moras

Nettlingen - Bücher, Schmuck, Spielzeug oder Gutscheine: Wer noch nicht alle Weihnachtsgeschenke gekauft hat, sollte sich beeilen, denn übernächste Woche ist schon Heiligabend. Wer bereits alle Präsente hat, fängt nun mit dem Einpacken ein. Und genau da wollen Andreas Fischer und Ronja Diederich mit ihrer Idee für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Diederich und Fischer, die beide ursprünglich aus Nettlingen kommen, haben am 24. November ein Start-up gegründet. In ihrem Online-Shop stoffverpackt, der am 3. Dezember an den Start gegangen ist, bieten sie Kleber und wiederverwendbare Geschenkstoffe zum Verpacken an – und versprechen vor allem den Jüngsten: Beim Öffnen soll das klassische Aufreißgeräusch weiterhin zu hören sein.

Die Idee entstand an Weihnachten 2022, erzählt Diederich. Ihre damals zweieinhalb Jahre alte Nichte sei ganz aufgeregt und nervös gewesen, endlich ihre Geschenke auspacken zu dürfen. Doch beim Auspacken bildete sich rund um den Tannenbaum schnell ein großer Berg aus Folie und Papier, der später im Müll landete. Aus der Idee, nachhaltige Verpackungsalternativen anzubieten, ist nun, ein Jahr später, ein Unternehmen geworden.

Bei ihrem ersten Start-up Amarill vermieten sie Kleidung

Für Fischer und Diederich ist es nicht das erste Start-up: Vor etwa zwei Jahren haben sie Amarill gegründet. In einem Online-Shop können Eltern ein Abonnement abschließen, um sich dort Babykleidung zusammenzustellen und paketweise zu mieten. Auch hier findet sich der Nachhaltigkeitsgedanke wieder. Die Abopreise liegen je nach Variante monatlich zwischen 19,99 und 34,99 Euro. „Es wird gut angenommen, zwar etwas langsam, aber es geht in die richtige Richtung.“ Fischer und Diederich bereiten die Kleidung auf und reinigen sie. Auf die Idee kam Diederich als sie sah, wie schnell ihr noch junges Patenkind aus der Kleidung wuchs. Warum aber immer Neues kaufen, wenn die alte Kleidung teilweise nur ein paar Wochen getragen wurde? So kamen die beiden auf das Miet-Modell. „Für uns ist Fast-Fashion eine Verschwendung von Geld, Zeit und Ressourcen.“

Noch kümmern sich die beiden Nettlinger nebenberuflich um die Start-ups, Diederich schreibt aktuell ihre Masterarbeit, Fischer arbeitet als Koch. Wenn die Masterarbeit allerdings abgegeben ist, wird sich Diederich den beiden Unternehmen hauptberuflich widmen.

Auch Diederichs Eltern sind selbstständig

„Unser Ziel ist es natürlich, uns zu vergrößern und schnell weiter zu wachsen“, sagt Diederich, die mittlerweile in Hannover wohnt und ihren Masterabschluss in Unternehmensführung machen möchte. Ihren Bachelor hat sie in Engineering Logistics. Während ihrer ersten Start-up-Gründung hätten beide bereits viele Erfahrungen sammeln können. „Und wir sind ein sehr gutes Team und ergänzen uns gegenseitig, das ist wichtig.“ Eine Unternehmensgründung sei immer auch eine Herausforderung, sagt die 31-Jährige. Doch ihr privates Umfeld gebe ihnen viel Rückendeckung, „und meine Eltern sind beispielsweise auch beide selbstständig“.

Nun möchten Fischer (38), der aktuell weiter in Nettlingen wohnt, und Diederich aber die Geschenkstoffe bekannter machen und sich einen Kundenstamm aufbauen, die ersten Käufe gab es in dieser Woche schon. „Wir setzen zum Beispiel viel auf Social Media, wollen aber auch bald lokal und regional präsent sein und würden gerne Kooperationen starten, zum Beispiel mit Buchhandlungen oder Märkten.“

„Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit keine Einschränkung oder Verzicht bedeuten“

Generell habe das Thema Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, „aber das muss noch mehr werden“, findet Diederich. „Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit keine Einschränkung oder Verzicht bedeuten.“ Die Stoffe kaufen sie im Großhandel, diese werden dann von ihnen behandelt, zugeschnitten und an den Kanten versiegelt, sodass das Verpackungsmaterial „im Normalfall locker 30 Jahre halten sollte“. Der ebenfalls angebotene Kleber (Kostenpunkt: zwischen 4,99 und 6,99 Euro) aus Wachs und Harz besteht aus biologischen Inhaltsstoffen und soll sich ohne Rückstände vom Stoff wieder entfernen lassen. Nach etwa 5 Stunden soll der Kleber vollständig getrocknet sein – und dann auch beim Öffnen das Aufreißgeräusch erzeugen, damit vor allem Kinder darauf nicht verzichten müssen. Ziel sei es, den Kleber in Zukunft auch noch weiterzuentwickeln und etwa die Inhaltsstoffe und Tube noch nachhaltiger zu gestalten.

Die Stoffe kosten – je nach Größe – zwischen 5,99 und 9,99 Euro. Für Sets werden 19 bis 25 Euro fällig. Noch reichen die Bestellmengen nicht aus, um eigene Designs anbieten zu können, „langfristig wäre das aber schon unser Ziel, zum Start geht das aber noch nicht“.

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