Hildesheim - Die neue Fundstelle von Überresten der historischen Brücke auf der Ostseite der heutigen Innerstebrücke wird die Dauer der Bauarbeiten in der Dammstraße nicht verzögern. Das hat Stadtbaurätin Andrea Döring noch einmal bestätigt. An der Stelle seien weder weitere archäologische Grabungen beabsichtigt, noch werde nach Hohlräumen gesucht. Das Stück eines Brückengewölbes, welches an der EVI-Baustelle entdeckt wurde, sei bereits dokumentiert. Bis zur Öffnung der Dammstraße rechnet die Stadt noch immer mit weiteren etwa acht Monaten Bauzeit. Der Zeitpunkt verschiebe sich, wenn aufgrund der Witterung nicht durchgehend gearbeitet werden könne.
Das historische Brückenteil war am Freitag vergangener Woche bei Arbeiten der EVI gefunden worden. Wie Döring erläutert, muss die EVI östlich der Innerstebrücke eine neue Wasserleitung an das bestehende Netz anschließen und hat zu diesem Zweck ein sogenanntes Kopfloch gegraben. Die Baustelle werde noch wenige Meter bis zum nächsten Schieber vergrößert, die Baugrube werde aber nicht tief, sondern bleibe oberhalb der historischen Brücke – falls die sich dort überhaupt so weit fortsetze. Die Bauarbeiten werden weiterhin archäologisch begleitet, die Kosten für diese Baustelle muss die EVI tragen.
Weder Länge noch Verlauf der mittelalterlichen Brücke seien bekannt, nicht einmal die Breite der Innerste zur Zeit des Brückenbaus im 12. Jahrhundert, so Döring. Daher habe man einen Fund an dieser Stelle zwar vermuten, aber nicht zwingend erwarten können. Das Gewölbe werde dort von einer alten Wasserleitung aus den 1950er Jahren „brutal“ zerschnitten, ein Brückenfund wurde damals aber nicht dokumentiert.
Keine Bedenken wegen Tragfähigkeit der Straße
Habe die EVI ihre Arbeiten erledigt, werde die Baugrube wieder zugeschüttet und die Straße wieder hergestellt, erklärt die Stadtbaurätin. Der Straßenaufbau auf dieser Seite der Innerstebrücke sei anders als im Westen. Die Bauingenieure hätten keine Bedenken wegen der Tragfähigkeit der Straße.
Für Irritation hatte gesorgt, dass Andrea Döring in einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses in der vergangenen Wochen noch erklärt haben soll, Baumaßnahmen im Osten der Innerstebrücke seien nicht beabsichtigt. Sie habe sich dabei aber auf künftige Maßnahmen der Stadt bezogen, nämlich die Sanierung der Dammstraße und den Brückenneubau, erklärt Döring. Doch bis dahin würden sicherlich acht bis zehn Jahre vergehen. Zurzeit sei dafür auch gar kein Personal vorhanden: „Wir können nicht alles auf einmal machen.“
Wenn es aber in Zukunft soweit sei und die Straßensanierung beginne, werde die Dammstraße wohl zu einem Grabungsfeld. Denn neben der Fortsetzung der historischen Brücke seien andere Funde, zum Beispiel Gewölbekeller, zu erwarten. Doch dieses Mal sei die Stadt vorbereitet, könne beispielsweise vorab Radaruntersuchungen machen lassen und ihr Vorgehen besser planen.
Politiker wollen Informationen aus erster Hand
Die Ratspolitik hatte mit einem gemeinsamen Antrag der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und PARTEI sowie der Oppositionsgruppe aus CDU, Unabhängigen und FDP nach dem neuen Fund eine Sondersitzung des Verwaltungsausschusses beantragt, die am Dienstagabend stattfand. Angestoßen hatte das CDU-Fraktionsvorsitzender Dennis Münter. Die Politiker und Politikerinnen müssten Informationen schnell und aus erster Hand erhalten, um ihrerseits Fragen von Bürgern und Bürgerinnen angemessen zu beantworten, so Münter.
Die erhofften Informationen und Erklärungen habe er in der Sitzung erhalten. Er sei auch froh, dass sich die Öffnung der Straße nicht weiter verzögere. Es bleibe aber ein Gefühl der Unzufriedenheit, sagt Münter. Allzu oft habe es in den vergangenen zwei Jahren Überraschungen und Änderungen bei Zeitplan und Kosten gegeben. Die Unberechenbarkeit von Arbeiten an einer Grabungsstelle sei für ihn keine ausreichende Erklärung.
„Mein Wissensdurst ist gestillt, meine Fragen wurden beantwortet“, sagt Stephan Lenz, Fraktionsvorsitzender der SPD. Ihre widersprüchliche Aussage der vergangenen Woche habe Andrea Döring mit einem Kommunikationsfehler erklärt. Ausreichend informiert fühlt sich auch Rosa Wagner-Kröger (Grüne): „Es war eine sehr gute Sitzung.“ Mit dem Vorgehen der Stadt an der Stelle sei sie einverstanden.
Sitzungen des Verwaltungsausschusses sind nicht öffentlich. Stadtbaurätin Döring hat die Informationen zu dem neuen archäologischen Fund der HAZ in einem gesonderten Gespräch mitgeteilt.
