Abfall-Entsorgung

Neue Kehrtwende: Die Gelbe Tonne im Kreis Hildesheim kommt nun doch

Kreis Hildesheim - Erst schien die Einführung der Gelben Tonne im Kreis Hildesheim sicher – dann schien sie auf Jahre gescheitert. Nun wird sie doch eingeführt. Was Bürgerinnen und Bürger jetzt wissen müssen.

Kreis Hildesheim - In Stadt und Landkreis Hildesheim wird mit Beginn des nächsten Jahres nun doch die Gelbe Tonne anstelle des Gelben Sackes eingeführt. Das hat Jens Krüger, Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH), am Mittwochnachmittag angekündigt. Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen mit den Anbietern des Dualen Systems, angeführt vom Kölner Unternehmen Zentek. Herausgekommen ist ein Kompromiss: Die Gelbe Tonne soll alle vier Wochen abgeholt werden und nicht, wie der Gelbe Sack seit drei Jahren, alle zwei Wochen. Neu ist zudem, dass Einwohner noch kleinere Tonnen beantragen können als bislang vorgesehen.

Ein Klageverfahren über zwei bis drei Jahre wäre sicher nicht im Sinn des Bürgers gewesen, auch wenn wir denken, dass wir am Ende gewonnen hätten.

Jens Krüger, ZAH-Geschäftsführer

Zunächst hatte der ZAH im Frühjahr die Einführung der Gelben Tonne zum Jahreswechsel angekündigt und die Bürger aufgerufen, sich zu melden, wenn sie eine solche Tonne haben wollen. Mehr als 50.000 Interessenten haben sich bereits registrieren lassen. Für die anstehende Ausschreibung der Verpackungsmüll-Entsorgung in den Jahren 2023 bis 2025 erließ der ZAH eine Rahmenvorgabe, wonach die Entsorgung über eine Tonne und nicht mehr über einen Sack erfolgen solle.

Erst Klage, dann Verhandlungen

Dagegen klagte Zentek als sogenannter Ausschreibungsführer allerdings zusammen mit weiteren Anbietern des Dualen Systems zur Überraschung des ZAH – und schrieb Anfang Mai die Entsorgung erneut über den Gelben Sack aus. Zu diesem Zeitpunkt vertraten beide Seiten die Ansicht, die Tonne sei damit vorerst gescheitert – zumal es Jahre dauern könne, bis das Verwaltungsgericht über die Klage entschieden habe.

Der ZAH entschloss ich dann aber mit Rückendeckung der Stadt- und Kreispolitik zu einem neuen Anlauf: Er wollte noch einmal mit Zentek und dessen Partnern zu verhandeln – mit zwei Zielen: einen langen Rechtsstreit zu vermeiden und die Gelbe Tonne doch noch einzuführen. Tatsächlich kam es zu einer Einigung. Die Kritik der Systemanbieter, dass die Leerung der Tonne aufwendiger und damit kostspieliger sei als das Einsammeln von Säcken, mündete in einen Wechsel zurück zum vierwöchigen Abholrhythmus.

Langfristig alle vier Wochen

„Das ist zwar eine bittere Pille, aber wenn wir dafür die Tonne bekommen, überwiegen die Vorteile“, sagte der Hildesheimer CDU-Ratsherr und Vize-Vorsitzende des ZAH-Verbandsausschusses, Dennis Münter, am Mittwoch. Geschäftsführer Krüger verwies darauf, dass auch die Gelben Säcke 15 Jahre lang nur alle vier Wochen abgeholt wurden, ehe es vor drei Jahren zum Wechsel auf den zweiwöchigen Turnus kam.

Es besteht ja keine Pflicht, eine Gelbe Tonne zu nehmen. Wenn es passt, können sich auch zwei Haushalte eine teilen.

Dennis Münter, stellvertretender Vorsitzender des ZAH-Verbandsausschusses

Ein weiteres Zugeständnis des ZAH an die Systemanbieter: Der Zweckverband verpflichtete sich schon jetzt, auch bei der nächsten Ausschreibung der Gelben Tonne für die Jahre 2026 bis 2028 am vierwöchigen Abholrhythmus festzuhalten. Außerdem will er sich intern zumindest mit der Möglichkeit eines Wechsels hin zur Wertstofftonne beschäftigen. Auch das hatten die Systemanbieter sich ausbedungen. Festlegungen gibt es dazu aber nicht.

Kleinere Tonne auf Antrag

Sicher ist hingegen, dass die Gelbe Tonne gar nicht so gelb wird. Es soll eine schwarze Tonne mit gelbem Deckel geben. Laut ZAH gab es einige Kritik von Bürgern, die nicht noch eine weitere farbige Tonne vor dem Haus stehen haben wollten.

Eine weitere Kritik, die der ZAH aufgenommen hat: Manchen Einwohnern war die Mindestgröße von 240 Litern für eine Gelbe Tonne zu viel. Sie forderten, auch einen halb so großen Behälter ordern zu können. Das soll nun auf Antrag „in begründeten Fällen“ möglich sein, wie Krüger erklärte. „Etwa bei Ein-Personen-Haushalten oder wenn die größere Tonne nicht durch den Keller-Zugang passt“, nannte der ZAH-Chef Beispiele.

Wer bekommt den Zuschlag?

Allerdings gehe er davon aus, dass die Nachfrage nach den kleineren Tonnen nun wieder sinke – weil der Verpackungsmüll ja vier und nicht wie bisher geplant zwei Wochen aufbewahrt werden muss. Ausschuss-Vize Münter merkte noch an, dass die Bürger für die Gelbe Tonne nichts bezahlen müssten. Denn sie wird von allen Verbrauchern finanziert – mit jedem Kauf einer Verpackung. Die Tonne sei deutlich ökologischer und auch ökonomischer als der Sack, betonte ZAH-Chef Krüger. Eine Tonne halte gut und gern 30 Jahre – dagegen würden derzeit pro Jahr rund 12 Millionen Plastiksäcke ausgegeben.

Dass die Tonne kommt, ist nun sicher – das betonte der Verbandsausschuss-Vorsitzende Egbert Homeister (SPD-Kreistagsmitglied) am Mittwoch noch einmal ausdrücklich. Wer am Ende für ihre Verteilung und Abholung zuständig ist, steht aber noch nicht fest. Bis zum 15. August läuft die Ausschreibung, Unternehmen aus ganz Deutschland können sich bewerben.

ZAH will weiter abholen

Bisher hatte immer die Firma Remondis die Ausschreibungen gewonnen und dann den ZAH als Subunternehmer mit dem Betrieb beauftragt. Beide Unternehmen wollen erneut ein gemeinsames Angebot einreichen. Die Entscheidung darüber fällt voraussichtlich Ende September, bis zum Jahresende sollen die Tonnen verteilt werden. Anmeldungen nimmt der ZAH in Kürze wieder über seine Internetseite an – bis zum 31. August.

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