800.000 Euro statt 500.000 Euro

Neue Steuer in Hildesheim: Die Stadt nimmt viel mehr Geld ein als erwartet

Hildesheim - Vor einem Jahr hat Hildesheim eine Beherbergungssteuer eingeführt, Hotelgäste müssen einen Aufpreis auf Übernachtungen zahlen. Die Einnahmen sind höher als von der Stadt erhofft, die Hotels finden die Steuer nach wie vor unglücklich. Ein Punkt stört sie besonders – bei dem soll sich nun vielleicht etwas ändern.

Hotels wie das Van der Valk und andere Beherbergungsbetriebe in Hildesheim müssen seit Januar 2025 von ihren Gästen eine Steuer von je vier Prozent des Übernachtungspreises erheben und das Geld dann vierteljährlich an die Stadt überweisen. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Die neue Beherbergungssteuer beschert der Stadt deutlich mehr Einnahmen als erwartet. Zwar liegt die Abrechnung für das vierte Quartal 2025 noch nicht vor. Doch die Abgabe hat in den ersten neun Monaten bereits rund 650.000 Euro in die Stadtkasse gespült.

Insgesamt rechnet das Finanzdezernat für 2025 mit etwa 800.000 Euro – die Kämmerei war ursprünglich von rund einer halben Million Euro ausgegangen. Die Personalkosten im Rathaus schlagen mit etwa 50.000 Euro im Jahr zu Buche.

Die Einnahmen hätten die Erwartungen übertroffen, bestätigt denn auch Stadtsprecher Helge Miethe. Die Beherbergungsbetriebe sind allerdings nach wie vor unglücklich mit der Steuer. Denn diese vergrault nach ihrem Eindruck Gäste und verursache Hildesheim einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Kommunen ohne eine solche Steuer. Die Stadt will gleichwohl trotz der Einwände der Betriebe nicht an der Steuer rütteln, wie sie jüngst in einem Gespräch mit Hoteliers bekräftigt hat.

Hotels müssen auf die Rechnung vier Prozent des Übernachtungspreises draufschlagen

Die Steuer beträgt vier Prozent auf eine Übernachtung ohne Frühstück, die Betriebe müssen sie auf die Rechnung draufschlagen und das Geld dann an die Stadt abführen. Insgesamt sind rund 75 Anbieter betroffen: Die meisten davon sind Eigentümer von Ferienwohnungen, dazu kommen 24 Hotels und zwei Herbergen.

Jürgen Völkel, Verkaufsleiter im Van-der-Valk-Hotel, und einige seiner Kollegen aus anderen Häusern hatten bei dem Treffen mit Vertretern der Verwaltung kurz vor dem Jahreswechsel noch einmal die Bedenken der Branche gegen die Steuer vorgetragen. Diese schrecke Gäste ab, auch wenn sich das zumindest für sein Haus nicht mit Zahlen belegen lasse, sagte Völkel dieser Zeitung: „Wenn jemand nicht kommt, wissen wir ja nicht, ob das an der Steuer liegt.“ Das vergangene Jahr sei aber für seine Branche angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage sowie der Situation der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer ohnehin schwierig gewesen.

Stadt und Hotels denken über Aufmerksamkeiten für Gäste nach, um Kommunikation über die Steuer leichter zu machen

Mit ihren Argumenten konnten die Hoteliers jedoch nicht landen: Die Verwaltung habe auf die Defizite im städtischen Haushalt und die Bedeutung der Steuer verwiesen, berichtet Völkel. Der schildert die Atmosphäre dennoch als konstruktiv. Und so fanden die Vertreter der Übernachtungsbetriebe nach Angaben Völkels zumindest in einem Punkt Gehör.

So erkundigten sich immer wieder Gäste danach, was die Stadt denn mit den Einnahmen aus der Steuer mache, erzählt der Mann aus dem Van-der-Valk-Hotel – die Mitarbeiter wiesen dann darauf hin, dass die Abgabe nicht zweckgebunden sei. Zwar gehe ein gewisser Teil an Hildesheim-Marketing, räumt Völkel ein. Doch vielleicht ließe sich der Aufpreis auf die Rechnung einfacher kommunizieren, wenn die Hildesheim-Besucher eine Art Gegenleistung erhielten – in Form einer Aufmerksamkeit, eines vergünstigten Eintritts in eine Einrichtung oder dergleichen. Die Verwaltung habe sich aufgeschlossen gezeigt und erklärt, sie wolle das prüfen, sagt Völkel. Konkretes stehe zwar noch nicht fest. Doch er und seine Kollegen warteten nun auf eine Entscheidung der Stadt – möglichst vor dem Start der Frühjahrsaison nach Ostern.

Stichtag für Meldungen zum vierten Quartal 2025 ist am Donnerstag, 15. Januar

Die Betriebe müssen ihre Übernachtungszahlen immer quartalsweise der Stadt melden, diese verschickt dann die Steuerforderungen. Die Einnahmen für das erste Vierteljahr beliefen sich auf 154.000 Euro, für das zweite und dritte jeweils auf etwa 250.000 Euro. Stichtag für das vierte Quartal ist am 15. Januar; die Kämmerei rechnet mit etwa genauso hohen Einnahmen wie in den ersten drei Monaten, also rund 150.000 Euro. Eine Prognose sei aber schwierig, betont Rathaussprecher Miethe – es lägen ja keine Vergleichszahlen vor.

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