Im Gespräch

Neuer Betreiber des Seniorendomizils Hoheneggelsen setzt auf Verlässlichkeit

Hoheneggelsen - Jan Kirschbaum hat für die Seniorenheim Almetal GmbH die Verhandlungen für die Übernahme des Seniorendomizils Hoheneggelsen geführt. Er hofft auf einen Dialog mit der Heimaufsicht.

Ab dem 1. November soll ein neuer Betreiber das Seniorendomizil in Hoheneggelsen übernehmen. Foto: Christian Gossmann

Hoheneggelsen - Ab Montag wird das Seniorendomizil in Hoheneggelsen aller Voraussicht nach einen neuen Betreiber haben. Damit könnte ein unrühmliches Kapitel des Hauses enden. Denn seit Jahren liegen der Betreiber der Einrichtung und der Eigentümer der Immobilie im Clinch. Darunter litten das Personal und die Bewohner. Jan Kirschbaum führte als Prokurist für die Seniorenheim Almetal GmbH die Verhandlungen mit den bisherigen Betreibern.

Herr Kirschbaum, was werden Sie am Montag als erstes in Hoheneggelsen machen?

Ich werde mit Herrn Hecker (von Betreiber Kollmeier als Liquidator eingesetzt, Anm. d. Red.) noch einige formale Dinge zu klären haben.

Bisher sind Sie und Ihr Unternehmen im Südkreis aktiv. Woher kommt das Interesse für die Hoheneggelser Einrichtung?

Ich bin in meiner Kindheit fast jedes zweite Wochenende in Hoheneggelsen bei meinen Großeltern zu Besuch gewesen. Habe oft mit meinem Opa auf dem Fußballplatz gespielt. Ich war immer gerne in Hoheneggelsen und fahre öfter zum Haus meiner Großeltern. Hoheneggelsen hat mich nie losgelassen, dort sind meine Großeltern begraben. Sie sind und bleiben ein Teil von mir und von meinen Wurzeln, denn auch sie haben mich geprägt und mich viel lernen lassen. Als man mich fragte, ob ich mir die Unterlagen anschauen könne, habe ich das gerne für Herrn Kuhnle gemacht. Und so wurde das Interesse für das Heim in Hoheneggelsen geweckt.

Haben Sie, nachdem Sie im vergangenen Dezember Ihr Interesse für eine Übernahme bekundeten, mit solchen Schwierigkeiten, wie sie Sie jetzt erleben gerechnet?

Nein, definitiv nicht. Als ich mir die Unterlagen im Oktober und November 2020 angeschaut hatte, und im Dezember das Gespräch mit der Heimaufsicht hatte, bin ich von solchen Schwierigkeiten nicht ausgegangen.

Wie wollen Sie wieder Ruhe ins Haus bringen?

Ich möchte mich an dieser Stelle erstmal bei allen Bewohnern, Angehörigen und auch dem Personal bedanken für alles, was Sie dort erlebt haben und mitgemacht haben. Ein großes Dankeschön! Ich würde gerne einiges, was ich in meiner Laufbahn gelernt habe, dort umsetzen. Dazu gehört unter anderem, den Bewohnern, den Angehörigen und auch dem Personal zuzuhören und Lösungen zu finden.

Was meinen Sie, wie lange wird es dauern, bis das Haus in Hoheneggelsen wieder in ruhiges Fahrwasser gelangt?

Das kann ich aus dem Stegreif leider nicht beantworten, da die Details im Haus noch nicht zu 100 Prozent kenne. Wir alle sind bemüht die Dinge schnell anzugehen und umsetzen. Herr Kuhnle (Eigentümer der Immobilie, Anm. d. Red.) und ich haben da sehr lange und intensiv darüber gesprochen und Lösungen für das Haus in Hoheneggelsen gefunden. Herr Kuhnle und ich stehen zu 100 Prozent hinter dem Haus.

Wie wird sich der Wechsel für die Bewohner bemerkbar machen?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Wir möchten für die Bewohner ein verlässlicher Partner sein und für sie und ihre Angehörigen da sein. Wir möchten die Senioren respektieren und uns auch bedanken, für das, was sie für uns alle aufgebaut haben. Sie haben uns junge Menschen erzogen, gefordert, gefördert und Sicherheit im täglichen Leben gegeben. Unsere Aufgabe ist es, ihnen ein schönes sicheres, schönes und verlässliches Zuhause zu geben. Jetzt sind wir an der Reihe alle Bewohner zu beschützen und zu unterstützen. Wenn sie das spüren, dann fühlen sich Bewohner auch wohl in Ihrem Zuhause.

Und wie für die Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter sind das Kernstück in allen Altenheimen. Die Mitarbeiter sind täglich an der Basis, kämpfen, geben Zuversicht und Verlässlichkeit. Für die Mitarbeiter möchten wir, dass sie mit einem guten und sichereren Gefühl zu Arbeit kommen. Wenn wir uns auf sie verlassen, können die Mitarbeiter sich darauf verlassen, dass wir für sie einstehen werden und für sie da sind.

Ist Ihre Frau Sabrina, die das Haus ja führen möchte, auch in die Verhandlungen involviert?

Nein, meine Frau kümmert sich zur Zeit um unsere Tochter und um das Projekt Tagespflege in Sibbesse, die Anfang November 2021 startet. Sie kümmert sich um das Personal und um die restlichen Arbeiten am Haus, dessen Abnahme für diese Woche bei der Heimaufsicht angefragt ist.

Haben Sie es in Ihrem bisherigen Berufsleben schon einmal mit einer derart verfahrenen Situation zu tun gehabt?

Die Antwort ist sehr einfach: Nein.

Glauben Sie, dass Sie sich in der Zusatzvereinbarung mit Familie Kollmeier einigen können?

Ich hoffe es, ich wünsche es mir wirklich. Wir haben gute Gespräche gehabt und ich möchte nicht aufhören daran zu glauben, dass es eine Möglichkeit mit der Familie Kollmeier und/oder Herrn Hecker als meinen Ansprechpartner vor Ort gibt. Wir sind auf der Zielgeraden. Wir haben noch einen offenen Punkt, der zu klären ist. Ich hoffe und wünsche es mir, dass wir Einigkeit erzielen können. Das setzt aber immer eine beidseitige Bereitschaft voraus. Ich appelliere an die Vernunft der anderen Partei, diese auch noch gütlich mit uns zu vereinbaren.

Welche Erwartungen haben Sie an die Heimaufsicht?

Was ich an Erwartungen habe? Dass wir alle miteinander in einen Dialog kommen, und nicht wie es jetzt seit über sechs Monaten ist: ein Monolog von unserer Seite. Das hat mich in den vergangenen Monaten echt irritiert. So kenne ich die Heimaufsicht nicht. Mit anderen Abteilungen des Landkreises – Gesundheitsamt, Veterinäramt, Bauamt – läuft das alles anders. Dort spricht man etwas ab und setzt es um. Man ist im Austausch miteinander und das vermisse ich extrem bei der Heimaufsicht. Ich wünsche mir eine enge und vertrauenswürdige Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ich wünsche mir, das wir Probleme in der Einrichtung strukturiert mit der Heimaufsicht anpacken und abarbeiten können. Denn Sicherheit und Zuverlässigkeit zum Schutz für Bewohner und Personal kann man nur gemeinsam mit der Behörde haben. Daher wünsche ich mir diesen Austausch und die Art des Umgangs miteinander.

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