Hildesheim - Die Kritik aus dem Stadtfeld daran, dort den Campus für die Herman-Nohl-Schule anzusiedeln, ist so alt wie die Idee selbst. Schließlich muss der Ortsteil im Nordosten Hildesheims bereits das neue Gefahrenabwehrzentrum der Feuerwehr verkraften. Kein Wunder also, dass viele Bürger und Kommunalpolitiker befürchten, ihr Quartier könnte überfordert werden. Umso wichtiger wäre es, den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Genau das hätte die Ortsratssitzung jüngst leisten sollen und müssen. Doch die Versammlung ist nach hinten los gegangen: Die Nachricht, dass für die Berufsschule in der Von-Thünen-Straße nicht nur ein neues Gebäude, sondern zwei entstehen sollen, hat die Skepsis wachsen lassen und Misstrauen geschürt. Zumal auch die Ortsratsmitglieder erst in der Sitzung davon erfuhren. Der Stadtrat war darüber ebenfalls bislang nicht im Bilde, ist von verärgerten Politikern zu hören – und das, obwohl der Landkreis schon vor längerer Zeit die Kreistagsabgeordneten unterrichtet und wegen des Themas auch bereits im Herbst im Rathaus vorstellig geworden sein soll. Was bedeuten würde: Um die Kommunikation der Beteiligten ist es nicht zum Besten bestellt.
Zahlt die SPD im Stadtfeld bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr die politische Zeche?
Dass dann auch noch die Gefahr droht, dass weder die zusätzliche Busanbindung noch der neue Radweg zum Start der Schule geschaffen sein könnten, trübt die Stimmung zusätzlich. Und auch, wenn Stadtbaurätin Andrea Döring gute Gründe gehabt haben mag, die Sitzung zu verlassen, bevor die Einwohner ihren Sorgen Luft machen konnten: Im Stadtfeld kam dies nicht gut an. Es wäre keine Überraschung, wenn die Hildesheimer SPD bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr für all das die politische Zeche zahlen muss – schließlich haben Rot-Grün in Rat und Kreistag das Stadtfeld als Standort ausgewählt, damit die Herman-Nohl-Schule nicht ins Kreisgebiet abwandert. So rettet man vielleicht den Standort Hildesheim, kann aber Glaubwürdigkeit im Stadtfeld verlieren.

