Hildesheim - In der einen Hand das Telefon, in der anderen das Funkgerät. Ständig wurde Timo Biedermann am Samstag angefragt, um irgendetwas an den Ständen zu regeln. Der 33-Jährige ist Chef im zehnköpfigen Organisations-Team des „größten Hildesheimer Straßenfestes“ (sein O-Ton), der „Kulturmeile“.
Die ging ab Samstagmittag bei allerbestem Wetter in der Sedanstraße erstmals an den Start. Schon vor der Eröffnung schoben sich endlose Menschenschlangen durch eine bunte Kulisse aus Kunst, Kultur und Kulinarik. Da wurde von der obligatorischen Bratwurst über Pasta, Crêpes bis hin zur veganen Falafelrolle auch die ein oder andere Spezialität angeboten.
Kletterwand als Attraktion
Und bereits am frühen Nachmittag war kaum noch ein Durchkommen möglich. Rund 140 Stände und insgesamt 16 Live-Acts auf zwei Bühnen sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Insbesondere für die Kinder hatten die Veranstalter ein buntes Programm mit Mitmach-Aktionen und Bastelstationen zusammengestellt.
Großen Zulauf hatte der acht Meter hohe Kletterturm von „Jimmys Spielewelt“. Von dessen Höhe ließ sich der sechsjährige Yasin Orhan überhaupt nicht beeindrucken. Während seine Eltern, Jana und Egemen, ihn von unten anfeuerten, machte er sich mit Unterstützung durch den Klettertrainer Rachid Mhammdi auf den Weg nach oben.
Für den Workshop „Portraitzeichnen“ hatten sich Julia Kolb und ihr Freund Till Wolkenhauer bei der Theatermalerin Sarah Ottensmeier angemeldet. „Ich habe schon immer gern gemalt, und durch den Workshop möchte ich mir einfach noch etwas mehr „Input“ verschaffen“, sagte Kolb. In Zweier-Teams lernten die Teilnehmenden bei Ottensmeier einige Grundregeln im Umgang mit Stift und Papier.
„Es ist ein Riesenerfolg“, freute sich Veranstalter Biedermann in einer ersten Bilanz. Er habe quasi als Privatperson die Initiative für die Veranstaltung ergriffen und bereits im vergangenen Dezember mit den Vorbereitungen begonnen.
Viele unterstützen die Macher der „Kulturmeile“
Eine besondere Herausforderung sei die nötige Infrastruktur gewesen, wie zum Beispiel Wasser- und Stromanschlüsse. Da habe sich aber die EVI ausgesprochen hilfsbereit gezeigt. Überhaupt gab es vielerlei Unterstützung. „Finanziell haben uns die Sparkasse und das Bernward Krankenhaus unter die Arme gegriffen.“ Die Gastro-Anbieter mussten eine Gebühr entrichten. Auch kleinere Spendenbeträge seien eingegangen.
Um den Antragsmarathon für die Veranstaltung zu bewältigen, hatten die Ortsräte Stadtmitte und Ost sowie die Initiative Neustadt geholfen. Auch die Stadtverwaltung im Rathaus sei sehr kooperativ gewesen.
Einer Neuauflage der Kulturmeile steht also nichts im Weg. Allerdings wird die erst in zwei Jahren stattfinden. „Wir möchten immer das Jahr nutzen, in dem die Hildesheimer Wallungen pausieren“, sagte Biedermann und hatte schon wieder das Handy am Ohr.
Von Waldemar Lorenz


