Kreis Hildesheim - Im Landkreis Hildesheim wird in den nächsten Jahren nicht wieder nach Erdöl gebohrt. Das Unternehmen RDG Niedersachsen gibt seine Lizenz vorzeitig an das Land Niedersachsen zurück. Das hat die Firma jetzt auf HAZ-Anfrage erklärt. „Nach intensiver Prüfung aller Daten hinsichtlich des verbleibenden Förderpotenzials zeigt sich, dass eine Fortführung einer Förderung wirtschaftlich nicht darstellbar sein wird“, erklärte eine Unternehmenssprecherin die Entscheidung.
Verwirrung bei Kommunen
Eine mögliche Wiederaufnahme der Erdölförderung in der Hildesheimer Börde war im Jahr 2016 Thema geworden und hatte bei Bürgermeistern, Kreispolitikern und Bürgern für einige Unruhe gesorgt – auch weil die Überlegungen nur langsam an die Öffentlichkeit drangen.
Zwar wurden Landkreis und Kommunen zu Stellungnahmen zum Genehmigungsverfahren aufgefordert. Allerdings wussten Verwaltungen und Kommunalpolitiker selbst nicht so genau, wozu sie da eigentlich Position beziehen sollten. So merkten viele Behörden an, sie lehnten die Fracking-Technik strikt ab – dabei war diese nie vorgesehen.
Das Rätsel „Borsum“
Seinerzeit hatte sich die britisch-amerikanische Firma Kimmeridge eine sogenannte Aufsuchungserlaubnis für ein 1600 Quadratkilometer großes Gebiet im Raum Hannover, Braunschweig, Hildesheim und Salzgitter gesichert. Fünf Jahre lang durfte sich demnach kein anderes Unternehmen eingehender mit möglichen Erdöl-Reserven im betreffenden Gebiet beschäftigen.
Dass der Bereich offiziell den Namen „Erlaubnisfeld Borsum“ trägt, sorgte zusätzlich vor Unruhe. Auch wenn das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das die Erlaubnis erteilt hatte, betonte, der Name sei kein Indiz dafür, wo die größten Ölquellen vermutet werden.
Mölme einst Hochburg
Kurz danach wechselte Kimmeridge und damit auch die Lizenz für die Ölsuche den Besitzer: Die Firma RDG aus Hannover, gegründet vom österreichischen Energiekonzern RAG und inzwischen eine Tochter des Fachinvestors Petroleum Equity, übernahm. Sie hat sich darauf spezialisiert, bekannte kleinere, von großen Konzernen aufgegebene Lagerstätten mit neuer Technologie und schlanken Strukturen daraufhin zu überprüfen, ob sich eine Förderung wieder lohnen könnte. Die Hildesheimer Börde, vor allem die Gegend um Mölme, war über Jahrzehnte ein wichtiges deutsches Ölgebiet.
Fokus auf Bayern
RDG verkleinerte bald darauf das Untersuchungsgebiet um ein Viertel. Gebiete in der Region Hannover und im Landkreis Nienburg flogen als aussichtslos aus der Betrachtung, die Börde rückte damit noch stärker in den Fokus. Doch auch dort ist eine rentable Förderung nicht drin – davon ist das Unternehmen nach Auswertung weiterer Proben und Daten im Lauf dieses Jahres überzeugt. „Wir konzentrieren uns nun auf unsere anderen Erlaubnisfelder“, kündigt RDG an.
Aktuell verfolgt das Unternehmen drei Projekte für eine mögliche Ölförderung in Bayern. Zudem hat die Firma Anfang des Jahres die Ölförderung von DEA Wintershall nahe Suderbruch bei Schwarmstedt übernommen.
