Hildesheim - Wenn man mal Pech hat im Leben oder irgendetwas passiert, was einen sehr ärgert, hilft es oft, den Blick zu heben und ihn auf andere Leute und deren Probleme zu richten. Ich hatte doch neulich berichtet, dass unser Kellerschlüssel spurlos verschwunden ist. Ist doof, keine Frage. Immer wieder werden im Haus Suchaktionen gestartet, bei denen Sachen gefunden werden, aber nicht das gesuchte Ding. Sei es drum. Die Erfahrung zeigt, das Haus gibt die Geisel irgendwann wieder frei. Spätestens wenn das Schloss ausgetauscht ist, liegt der Schlüssel plötzlich in der Schale auf der Kommode, die man schon zehnmal untersucht hatte.
Seit mehr als zwölf Jahren auf der Suche
Nun, so ein Glück wird James Howell wohl nicht haben. Der gute Mann sucht seit zwölf Jahren auf einer Müllkippe in Newport/England nach einer Festplatte. „Oh, da muss aber etwas ganz besonderes drauf sein“, denken Sie jetzt sicher. Vielleicht Fotos von seiner Hochzeit oder Bilder von den Kindern? Dann hätte er die Suche sicher schneller aufgegeben. Nein, es geht um Geld. Um viel Geld. Um etwa 732 Millionen Euro. In Bitcoin. Schon als die Währung 2009 auf den Markt kam, investierte der Waliser. Legte ein digitales Sparschweinchen mit 8000 Bitcoins an. Gesichert mit einem Privatschlüssel (im Netz: Wallet und Privatkey). Das Ganze befand sich auf einer Festplatte, die bei einer Aufräumaktion 2013 versehentlich in den Müll wanderte. Der Ex-Partner des IT-Technikers Howell war der Unglücksrabe. Es steht zu vermuten, dass die Freundschaft nicht mehr besteht. Egal.
Die Halde wird verkauft
Jedenfalls durchkämmt der Herr Howell seither die Deponie, er soll sogar Computerspürhunde eingesetzt haben. Anfang 2025 nun untersagte die Stadtverwaltung Newport die weitere Suche auf dem Gelände. Wenig später dann die Nachricht: Die Halde wird verkauft, geschlossen, ein Solarpark soll entstehen. Nun will Howell das Gelände kaufen, damit er weiter suchen kann. Für den Kauf braucht der Mann Geld. Das liegt jedoch größtenteils irgendwo zwischen Müllbeuteln, Hundekackabeuteln und kaputten Campingstühlen. Also nahm er ein Angebot an und lässt seine große Suche verfilmen. „Die große Suche“, wäre ein ziemlich guter Filmtitel, fällt mir gerade auf. Auf jeden Fall könnte der Herr Howell dann so lange in Ruhe auf seinem Eigentum weitersuchen, bis er eines Tages dabei stirbt. Oder fündig wird, einsam und mit schmerzendem Rücken.
Film über die Suche bei Hempens?
Falls einer von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine Produktionsfirma kennt, die Hempens Suche nach dem Kellerschlüssel verfilmen möchte und dafür satte Gage bietet – wir würden kurz drüber nachdenken. Geben Sie bitte direkt unsere Nummer weiter. Danke!
