Von Martina Prante
Hildesheim. Ryan Scott Oliver ist auf eigene Kosten eigens aus Los Angeles angereist, um sich am Donnerstagabend „sein“ Musical auf der Hildesheimer Bühne anzusehen. Das Theater für Niedersachen hat „Jasper in Deadland“ als erstes Haus in Europa aufgeführt.
Gestern Vormittag erzählt der 34-Jährige – im Blümchenhend und mit schwarzer Cap –, dass er aufgeregt und stolz war, auch wenn er natürlich kein Wort verstanden habe. „Aber das führt dazu, dass ich mich mehr auf das Gefühl konzentrieren konnte.“ „Musikalisch klinge es „wie im Original“, lobt er der Umsetzung seiner Musik durch den musikalschen Leiter Andreas Unsicker und seine Band. Auch der Sound gefällt ihm: „Am Broadway ist der Sound oft sehr ruhig, obwohl man einen überwältigenden erwartet.“ Das Bühnenbild findet er okay, „an einem Repertoiretheater erwarte ich da nichts Bombastisches“. Von den Sängern dagegen ist Ryan Scott Oliver überwältigt: „Ganz viel Talent.“ Er habe schon vor drei Wochen Tracks von der CD bekommen „und ich bin sehr beeindruckt“.
Ryan Scott Oliver war in seiner Heimat vor allem als Songschreiber bekannt, als er vor acht Jahren in seiner Funktion als künstlerischer Direktor des Pasadena Musical Thetre Programs in California mit einer Gruppe von Jugendlichen, „endlich mal ein Musical auf die Beine stellen“ wollte. Als Fan der griechischen Mythologie kam er auf Orpheus und Eurydike. „Ich bin ein Fan der Dunkelheit. Allzu gern würde ich mal die ,Addams-Family’ inszenieren“, erzählt er. Und Ryan Scott Oliver wollte einen Mann in der Hauptrolle, „meistens sind das Frauen“. Er habe viel lernen müssen und dann alles zusammengepackt und mit 16 Teenagern auf die Bühne gebracht. „Dann war Ende.“
Bis drei Jahre später eine kleine Company nachfragte. Seitdem ist das Musical – reduziert auf neun Personen – sechs Mal aufgeführt worden, zwei Mal – in New York und Seattle – unter Mitarbeit von Oliver. „Zwei sehr unterschiedliche Produktionen: einmal mit 100, einmal mit 2000 Plätzen, einmal mit einem Budget von 100 000, dann zwei Millionen Dollar.“ Die Erfahrung des Komponisten: „Teenager lieben die Show, weil sie die Gefühle des Nicht-verstanden-Werdens von Familie und Umgebung verstehen.“ Erwachsene täten sich da schwerer.
Oliver ist überzeugt, dass jede Inszenierung etwas Neues bringt, „in Hildesheim ganz besonders“. Der Wunsch des Leiters der TfN-MusicalCompany, Craig Simmons, mit Regisseur Bart de Clerq eine Inszenierung „wie im LSD-Rausch“ zu bekommen, kann er nicht nachvollziehen. Für ihn ist der Abend werkgetreu und eine „großartige Show“.
Er selber liebt Stephen Sondheim und vor allem dessen Musicals „Into the Woods“ und „Sweeney Todd“ – beide waren in Hildesheim schon zu sehen. Allerdings sind sich Simmons und Oliver einig, dass mit der Übersetzung 50 Prozent der Faszination weg sind.
Inzwischen „erfindet“ Oliver ein Musical pro Jahr – elf sind es bis jetzt. „Ich schreibe die Songs, das Buch lasse ich schreiben, das ist einfacher für mich“, sagt er lachend. Am Sonntag geht es für den Komponisten und Ehemann Matthew Murphy zurück nach Amerika. Gestern ist das Paar zu einem Großstadt-Besuch nach Berlin aufgebrochen.
Die nächste Aufführung von „Jasper in Deadland“ ist am 2. März im TfN. Die CD zum Musical gibt es für 12.50 Euro im TfN.
