Hannover/Salzgitter - Niedersachsen will ab kommender Woche auch die Betriebsärzte in die Corona-Impfkampagne einbinden. Die Landesregierung plant laut Informationen der Hannoverschen Allgemeinen einen Modellversuch mit voraussichtlich fünf großen Unternehmen, die zunächst rund 20 000 Impfdosen erhalten sollen, die dafür aus acht Impfzentren abgezogen werden. Dabei soll es sich um den Autobauer VW, die Drogeriemarktkette Rossmann, den Reifenhersteller Continental, den Stahlkonzern Salzgitter und den Pharma- und Laborzulieferer Sartorius handeln. An VW und Salzgitter ist das Land beteiligt.
Mehr als 100 Betriebe interessiert
Wegen des knappen Impfstoffs sollen die Betriebsärzte bundesweit eigentlich erst Anfang Juni an den Corona-Impfungen beteiligt werden. Die Bundesländer können aber bereits jetzt Pilotverfahren starten. Viele große Unternehmen wie Volkswagen stehen mit eigenen Impfstraßen schon in den Startlöchern, um einen flächendeckenden Impfstart durch die Betriebsärzte zu ermöglichen.
Lesen Sie auch: Corona: So viele Menschen im Kreis Hildesheim sind geimpft
Nach Angaben der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) haben eine Vielzahl von Unternehmen ihr Interesse signalisiert, sich an den Schutzimpfungen zu beteiligen. Er alleine habe mit mehr als 100 Unternehmen gesprochen, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller.
Unmut über Auswahl
Die Einbindung der Betriebsärzte läuft innerhalb der rot-schwarzen Koalition offenbar nicht ganz reibungslos. In der CDU soll es Unmut darüber geben, dass Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) bei den Pilotprojekten keine mittelständischen Unternehmen berücksichtigt. In der SPD sind offenbar nicht alle zufrieden mit der regionalen Verteilung, weil etwa der Oldenburger Fotodienstleister Cewe nicht mitmachen darf. Auch mehrere große Versicherungsunternehmen aus Hannover hatten sich beworben.
Die Kommunalen Spitzenverbände sehen die Pläne ebenfalls kritisch, weil die Impfdosen für die Betriebsärzte aus den von Kreisen und Großstädten betriebenen Impfzentren abgezogen werden sollen. „In der Sache ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Betriebsärzte impfen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Jan Arning. Aber die Impfdosen dafür sollten nicht aus den Impfzentren, sondern aus den Kontingenten der Arztpraxen genommen werden. So sei es auch vereinbart worden.
Von Marco Seng
