Corona-Pandemie

Digitaler Impfpass im Kreis Hildesheim: Noch hapert es an technischen Voraussetzungen

Hildesheim - Für Montag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den digitalen Impfpass angekündigt. Noch aber sind nicht überall die technischen Voraussetzungen geschaffen. Apotheken und Praxen in Hildesheim fürchten einen Ansturm.

Ab Montag soll der digitale Impfpass kommen, der das gelbe Büchlein durch einen QR-Code im Handy oder auf Papier ersetzt. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Am kommenden Montag soll bundesweit erstmals der digitale Impfpass zu haben sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nimmt Apotheker und Ärzte in die Pflicht, geimpften, bereits vollständig immunisierten Patienten dieses Dokument auszustellen. Doch die sind bislang technisch noch gar nicht alle einsatzbereit und haben nur eine Bitte an die Bürger: Montag um Himmels Willen bloß nicht Apotheken und Praxen zu stürmen.

„Wir haben noch gar keine Zugangsdaten und damit auch keinen Zugriff. Und nähere Infos, wie das alles gehen soll, gibt es bislang auch nicht“, sagt Dr. Petra Lattmann, Bezirksvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN), mit Blick auf die Hausärzte in der Region. Die KVN kündigte Donnerstag an, den Ärzten „zur Überbrückung“ bis Mitte kommender Woche eine Softwarelösung des RKI zur Verfügung zu stellen. Denn Software-Updates für das Praxisverwaltungssystem PVS, wie sie die Bundesregierung bis spätestens 12. Juli von den PSV-Herstellern gefordert hatte, stünden noch nicht für alle bereit.

QR-Code statt Impfbuch

Nach den Plänen der Regierung hört sich alles ganz einfach an: Ein bereits zwei Mal geimpfter Patient meldet sich frühestens zwei Wochen nach der letzten Impfung beim Arzt oder Apotheker. Der kontrolliert die Einträge im gelben Impfpass (oder auf einem in Impfzentren ausgestellten Dokument) und gleicht die Personendaten mit dem Personalausweis ab. Dann erstellt eine Software einen QR-Code, den der Patienten scannen und bei Bedarf künftig auf seinem Handy vorzeigen kann.


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Dafür braucht der Geimpfte auf seinem Smartphone aber entweder die Erweiterung 2.3.2. der offiziellen Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts (RKI) – die am Nachmittag noch nicht verfügbar war – oder eine neue, von IBM und RKI entwickelte App, CovPass genannt, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht abrufbar war.

Personal aufgestockt

„Wir geben alles“, sagt Apotheker Benedikt Salzer. Noch sei das benötigte Modul des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), das den QR-Code liefert, aber gar nicht freigegeben. „Die große Frage wird sein, ob das alles bis Montag läuft.“ Vorsichtshalber habe er sein Personal schon mal aufgestockt, falls der Andrang am Montag zu groß wird.

„Theoretisch startbereit“ ist auch die Berg-Apotheke am Moritzberg, doch ob bis Montag alle technischen Voraussetzungen geschaffen sind? Rolf Lachenmeier bleibt skeptisch. Zudem hat der Betriebswirt Zweifel, ob die Prüfung der Dokumente und das Erzeugen des QR-Codes im laufenden Betrieb funktioniert. „Das muss man in Ruhe machen, schließlich handelt es sich um ein offizielles Dokument, das wir da ausstellen.“

Haftstrafe für Fälschungen

Und auf Urkundenfälschung, sagt Polizeisprecher Jan Makowski, stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis oder Geldstrafe, eine Fälschung von Gesundheitszeugnissen, die zur Täuschung von Behörden dienen, wird mit einem Jahr oder Geldstrafe geahndet. Sorgfalt ist also durchaus angebracht.

Auch Frank Denecke, Chef der Andreas-Apotheke, hat sich „so weit wir können“ vorbereitet. „Aber eventuell ist bis Montag ja wieder alles anders, das käme bei Jens Spahn nicht überraschend.“ Schon jetzt wird er mit Anfragen überhäuft – dabei erfüllt das gelbe Impfbuch weiterhin denselben Zweck wie der freiwillige QR-Code. Denecke befürchtet, dass es „anfangs ruckeln“ könnte, bis alles reibungslos läuft.

Server zusammengebrochen

Zeitweise sei der Registrierungsserver des DAV aufgrund der starken Anfrage zusammengebrochen, sagt Apotheker Wolfram Benner, Inhaber der Hirsch-Apotheke in Algermissen und Bezirksvorsitzender im Landesapothekerverband. Auf der DAV-Seite www.mein-apothekenmanager.de soll demnächst eine Übersicht stehen, welche Apotheken den Impfnachweis ausstellen.

„Man kann davon ausgehen, dass am 14. die meisten der 19 000 Apotheken ihren Patienten den Service bieten können“, sagt Benner. Aber ob alles läuft? „Das ist dann die große, große Frage.“

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