Nordstemmen: Anklage gegen Ex-SS-Mann Karl M.

Nordstemmen/Hildesheim - Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat gegen den früheren SS-Mann Karl M. aus Nordstemmen Anklage wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung Verstorbener erhoben.

Nordstemmen/Hildesheim - Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat gegen den früheren SS-Mann Karl M. aus Nordstemmen Anklage wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung Verstorbener erhoben. Das ist das Ergebnis von gut sieben Monate währenden Ermittlungen gegen den 96-Jährigen. Wann es zu einem Prozess kommt, steht noch nicht fest.

Zunächst muss die 1. Große Strafkammer des Landgerichts um den Vorsitzenden Richter Peter Peschka über die Zulassung der Anklage entscheiden. Ein Prozess dürfte internationales Interesse auf sich ziehen und unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ablaufen. Aus Frankreich will mehr als ein Dutzend Nebenkläger anreisen. M. muss im Fall einer Verurteilung mit einer Haft- oder Geldstrafe rechnen. Er lässt sich von einem Anwalt aus Leipzig verteidigen.

Autogramme für Rechte

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die Ausstrahlung eines Beitrags in der ARD-Fernsehsendung Panorama im November vergangenen Jahres. Darin hatte M. unter anderem den Holocaust relativiert und sinngemäß gesagt, die Opfer eines Massakers in Nordfrankreich am 1. April 1944, an dem er als SS-Unterscharführer beteiligt war, seien selbst Schuld an ihrem Schicksal.

Außerdem hatte er berichtet, dass er bei einem Vortrag vor jungen Rechtsradikalen im Haus des stellvertretenden NPD-Vorsitzenden Thorsten Heise Autogramme auf Dokumente mit Hakenkreuz-Symbolen gegeben habe. Gleich nach der Sendung waren bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim mehrere Anzeigen aus Deutschland und Frankreich eingegangen.

Das Massaker von Ascq

Vor allem in Ascq, einem Vorort von Lille, hatten M.s öffentliche Äußerungen Betroffenheit und Empörung ausgelöst. In der Kleinstadt hatte die SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ am Abend des Palmsonntags 1944 insgesamt 86 Einwohner im Alter von 15 bis 75 Jahren erschossen – in einer Vergeltungsaktion für einen Anschlag von Partisanen auf die Bahnlinie, bei dem niemand verletzt wurde.

M. gehörte dort nach eigenen Angaben in einem weiteren Fernsehbeitrag zu den SS-Männern, die die Anwohner des Bahnhofs und umliegender Straßen aus ihren Häusern holten. Er betont allerdings, er selbst habe nicht geschossen.

Frühere Ermittlungen ohne Anklage

In dieser Sendung erklärte er zudem, die Getöteten seien französische Freischärler gewesen. Die französische Historikerin Jacqueline Duhem kommt in einem Buch „Ascq – eine deutsch-französische Affäre“ allerdings zu dem Schluss, es habe sich ausschließlich um Zivilisten gehandelt.

M.s Rolle bei dem Massaker selbst ist nicht Gegenstand des Verfahrens. Die Generalstaatsanwaltschaft in Celle hatte bereits vor Jahren wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord in 86 Fällen gegen ihn ermittelt. Zur Anklage kam es aber aufgrund internationaler Rechtsabkommen nicht.

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