Hildesheim/Himmelsthür - Seit mehr als 50 Jahren wird darüber geredet, totgesagt wurde sie schon öfter – jetzt will die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr das Projekt einer Nordumgehung für den Hildesheimer Ortsteil Himmelsthür doch wieder in Angriff nehmen. Das hat die Behörde am Dienstagnachmittag bekanntgegeben.
„Zur Entlastung der Anwohnerinnen und Anwohner entlang der bestehenden Bundesstraße 1 im Stadtgebiet Hildesheim ist die Ortsumgehung Hildesheim-Himmelsthür nach wie vor notwendig“, heißt es zur Begründung. Rund 25.000 Fahrzeuge wälzen sich derzeit täglich im Schnitt auf der B 1 durch Hildesheim. Um das mithilfe einer Umgehungsstraße zu ändern, seien allerdings neue Planungen notwendig: „Die bisherige Planung war aufgrund inzwischen geänderter europäischer Richtlinien zum Natur- und Landschaftsschutz nicht mehr rechtssicher und damit nicht umsetzbar“, erklärt die Straßenbau-Behörde.
Neuer Weg durchs Idyll?
Mit einer geänderten Linienführung im Bereich des FFH-Gebiets „Haseder Busch, Giesener Teiche, Gallberg, Finkenberg“ solle die Ortsumgehung nun weiter vorangebracht werden. Nachfragen dazu beantwortete die Landesbehörde am Dienstag nicht. Auch äußerte sie sich nicht zu der Frage, warum die seit Jahren in den Schubladen verstaubenden Pläne für die Nordumgehung nun wiederbelebt werden sollen. „Den Belangen des Natur- und Umweltschutzes wird in dem Verfahren umfassend Rechnung getragen“, heißt es in einer Pressemitteilung nur. Was das genau heiße, wollen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben „in der Bürgerbeteiligung weiter konkretisieren“.
Überhaupt, die Bürgerbeteiligung. Stadt und Land ahnen offenbar, dass das Thema Nordumgehung wie schon in der Vergangenheit hohe Wellen schlagend dürfte. „Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und die Stadt Hildesheim wollen mit einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung die Bürgerinnen und Bürger in den weiteren Planungsprozess einbinden“, heißt es in der Mitteilung weiter. Das Land gibt sogar Geld für eine Agentur aus, die ein „Konzept für die begleitende Öffentlichkeitsarbeit“ erarbeiten soll.
Enorme Kosten
Wie viel das kostet, ist unklar. Sicher ist, dass es zumindest im Verhältnis zu den Gesamtkosten des Vorhabens eher wenig sein dürfte. Denn schon in der jüngsten Planung, die aus dem Jahr 2015 datiert, rechnet die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit Kosten von gut 50 Millionen Euro für den 4,7 Kilometer langen, mit vier Fahrstreifen geplanten Streckenabschnitt nördlich um Himmelsthür herum. Angesichts der Entwicklung der Bau- und Materialpreise gerade in jüngster Zeit dürften die tatsächlichen Kosten weitaus höher liegen, zumal bis zu einem möglichen Baubeginn noch viele weitere Jahre vergehen würden.
In den Planungen der Landesbehörde ist die Nordumgehung ein Teil der Pläne zur Beschleunigung des Verkehrs auf der Bundesstraße 1. Dazu gehört auch die Umgehungsstraße für Burgstemmen und Mahlerten, für die frühestens im Herbst eine favorisierte Trasse präsentiert werden soll, und bei der ein Baustart noch in diesem Jahrzehnt als kaum möglich gilt. Bestandteil des Konzeptes ist auch eine Umgehungsstraße für Elze, bei der sich die Pläne aber in einem noch früheren Stadium befinden. Gleiches gilt auf die angedachte vierspurige Erweiterung der Bundesstraße 1 zwischen Heyersum und Groß Escherde.
