Wirtschaft

Nordzucker investiert Millionen-Beträge für neue Technik – und verarbeitet die süßesten Rüben in der Region Hildesheim

Clauen - Die Rübenkampagne rollt weiter: In der Region Hildesheim läuft die Zuckerproduktion auf Hochtouren. Zu Besuch im Clauener Werk, wo Nordzucker kräftig investiert. Worauf es dem Konzern im Sinne seiner Großabnehmer und der Verbraucher ankommt. Und wie lästige Gerüche eingedämmt werden sollen.

Aus der Luft betet sich ein beeindruckender Blick auf das Nordzucker-Werk in Clauen an einem kalten November-Tag. Foto: Chris Gossmann

Clauen - Am blauen Himmel zeichnet sich an diesem Tag der weiße Dampf aus einem Schlot weithin sichtbar ab – imposant erstreckt sich die große Fabrik in der Hildesheimer Börde, die aktuell knapp 200 Menschen samt 26 Azubis beschäftigt und deren Ursprünge auf das Jahr 1869 zurückgehen. Mehr als eine Million Tonnen Rüben wird das Nordzucker-Werk in Clauen 2025 nach vorläufigen Schätzungen bis zum Kampagnenende Mitte Januar verarbeiten, 1,3 Millionen Tonnen waren es im vergangenen Jahr. Sieben Kilogramm Rüben ergeben ein Kilo Zucker. Gearbeitet wird sieben Tage die Woche: Die Werksleitung ist mit dem bisherigen Verlauf der Kampagne zufrieden, die Lieferungen von 800 landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region allein nach Clauen laufen zuverlässig. 1300 Betriebe sind es, die den deutlich größeren Standort Nordstemmen anfahren. Bei Nordzucker geht es immer wieder um große Zahlen – aber natürlich auch darum, die Verarbeitung der Feldfrucht für die Zukunft zu sichern. Kampagne für Kampagne, damit lebensmittelverarbeitende Unternehmen etwa für die Süßwarenherstellung aber auch die Kundschaft im Supermarkt weiter Qualität dank eines heimischen Naturprodukts bekommt, hebt der Clauener Werkleiter Jörg Vietmeier hervor. Aber dafür muss moderne Technik sorgen. Und dafür investiert das Unternehmen siebenstellige Beträge.

Allein im Jahr 2024 flossen hohe Summen für eine Anlage, die Dekanteur genannt wird. Diese wird eingesetzt, wenn zuvor durchgefrorene Rüben auftauen und darum schnell an Qualität verlieren, erklärt Vietmeier. Der Saft von Rüben guten Zustands wird gefiltert – und der Dekanteur ergänzt die Verarbeitung, wenn Feldfrüchte kaum mehr verwertbar sind. Denn diese Anlage kann Flüssigkeit vom Feststoff trennen. Unbrauchbarer Saft muss nicht wie sonst in die nahen Teiche an der Fabrik abgelassen werden. Die Produktion kann also sozusagen „sauber“ weiter laufen, erläutert Vietmeier. Und: Dadurch kann auch die organische Belastung auf den Absatzteichen der Zuckerfabrik reduziert werden. Heißt: weniger Mief. Das dürfte manchen Anwohnern sehr gefallen, in den vergangenen Jahren beschwerten sich etliche wegen des Geruchs.

Süßes Top-Ergebnis

Moderne Technik soll also auch dieses Problem eindämmen helfen – und eben die Produktion wertvollen Zuckers sicherstellen. Der Standort Clauen befindet sich dabei inmitten der fruchtbaren Hildesheimer Börde – und in dieser erzielten die Anbauer jüngst aus deren Sicht stattliche Zuckergehalte: zwischen 18 und 19 Prozent im Durchschnitt, berichtet Joachim Liehe, der bei Nordzucker in der Disposition arbeitet und die Rübenmengen bestellt. Dieses Jahr wurden in Clauen sogar 20 Prozent erreicht – im konzerninternen Vergleich der beste Wert. „Wir haben die süßesten Rüben hier. Und das macht mir großen Spaß“, schwärmt Vietmeier.

Hier gute Rübenqualität dank fortschrittlicher Verarbeitung, dort Emissionen des Unternehmens. Eine Herausforderung ist für Nordzucker in den beiden nächsten Jahrzehnten möglichst CO2-neutral zu werden. Durch den Abbau fossiler Brennstoffe und den Einsatz anderer Technologie mit Strom. „Ähnlich wie die Wärmepumpe bei Wohnhäusern. Nur in weitaus größerem Umfang. Um nicht auf Gas und Öl zugreifen zu müssen“, erläutert der Werkleiter. Zudem müsse die Leittechnik, also die Software-Steuerung der Fabrikanlagen, stets modernisiert werden. Damit der regional hergestellte Zucker weiter in den Kaffee auf dem Wohnzimmertisch rieselt oder damit sich Süßigkeiten im Supermarktregal stapeln. 80 Prozent der Geschäftspartner von Nordzucker sind Unternehmen, die Lebensmittel herstellen. Etwa 20 Prozent des Zuckers landet in den Regalen des Einzelhandels. Und die Kundschaft hat großen Bedarf. Also muss der Konzern an seinen Fabrikstandorten in der Region kräftig weiter produzieren und auch weiter in die Anlagen investieren – „um für die Zukunft gewappnet zu sein“, gibt Vietmeier die Devise aus.

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