Große Aktion am 7. Januar

Not-Trauung auf dem Weg in die Klinik und Hoffen auf Typisierung: Wie ein Bad Salzdetfurther mit der Leukämie umgeht

Bad Salzdetfurth - Markus Möckel aus Bad Salzdetfurth hat Leukämie. Bei einer Typisierung am 7. Januar wird ein möglicher Stammzellenspender gesucht – und vielleicht nur für jemand anders gefunden. Doch auch diese Perspektive macht Möckel Mut.

Markus Möckel und Daniela Furchner haben auf dem Weg ins Universitätsklinikum geheiratet – mit provisorischen Ringen aus Gummi. Foto: privat

Bad Salzdetfurth - Als Markus Möckel im November die Diagnose Blutkrebs erhielt, musste es schnell gehen: Gleich am nächsten Tag fuhr er zur Behandlung in die Göttinger Universitätsklinik, begleitet von seiner Partnerin Daniela Furchner. Sie wurde noch unterwegs zu seiner Ehefrau: Das Paar entschloss sich spontan zu einer Notfall-Eheschließung, die bei besonderen Schicksalsschlägen in einem Standesamt möglich ist. Zeit, klassische Eheringe zu besorgen, hatte das Paar nicht mehr. So gestaltete Daniela Furchner Ringe aus Gummibändern, ein Provisorium zwar, aber mit Liebe und Individualität gezaubert. „Eigentlich gerade ganz praktisch“, sagt Markus Möckel schmunzelnd, „denn so stören die Eheringe nicht bei den Untersuchungen, bei denen Metall abgelegt werden muss.“

Den Humor nicht verloren

Der Spruch zeigt: Den Humor hat er trotz seiner Krankheit nicht verloren. Doch die Lage bleibt ernst. Über Weihnachten durfte Möckel ein paar Tage nach Hause, nun beginnt seine zweite Chemotherapie. Vielen Erkrankten könne nur noch eine Stammzellenspende helfen, erklärt die Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Daniela Furchner will nun zusammen mit Familie und Freunden alles tun, um die Chancen zu erhöhen, einen geeigneten Spender oder eine Spenderin zu finden: Sie plant für Samstag, 7. Januar, eine große Typisierungsaktion, bei der Blutmerkmale untersucht werden. Wer Markus Möckel, einer anderen oder einem anderen Betroffenen helfen möchte, ist eingeladen, zwischen 14 und 18 Uhr in die Geschäftsräume der motoRien GmbH zu kommen, Bodenburger Straße in Bad Salzdetfurth. Geschäftsführer Andreas Rien ist ein Freund des Paares.

Gewebemerkmale in unzähligen Kombinationen

Die Universitätsmedizin unterhält eine eigene Knochenmark- und Stammzellenspenderdatei. Die Werte von Typisierten werde aber auch direkt an ein zentrales Register in Ulm gemeldet und dort mit den Daten von potenziellen Empfängerinnen und Empfängern in Deutschland und auch international abgeglichen.

Markus Möckel weiß: Die Suche nach einem geeigneten Spender gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Bei einer Typisierung werden Gewebemerkmale analysiert, die sogenannten HLA-Merkmale. Und die gibt es in mehreren tausend Varianten und unzähligen Kombinationen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen die gleichen Gewebemerkmale haben, ist sehr gering“, erläutert das UMG. So ist die Chance, dass die Typisierung in Bad Salzdetfurth einem anderen oder einer anderen Kranken hilft, deutlich größer als die, dass Möckel selbst geholfen wird.

Göttinger Ärztin von positiver Einstellung „berührt“

Doch auch das möchte er in seiner aktuellen Lage bewusst unterstützen: „Egal, wo meine Reise hingehen wird“, sagt er, „wenn es irgendetwas Gutes hat, im Zweifel für andere Patientinnen oder Patienten, dann lohnt es sich, dafür Energie aufzubringen. Auch wenn diese Energie bei mir begrenzt ist.“ Dafür springen seine Frau und Freunde in die Bresche und bereiten die Aktion am 7. Januar vor. Er versuche, so optimistisch zu sein wie möglich, ergänzt Möckel. „Die Situation macht gerade etwas Positives mit mir, und ich bin irgendwie zuversichtlich.“

Dr. Beatrix Pollok-Kopp, die Leiterin der Göttinger Spenderdatei, zeigt sich beeindruckt: „Wir waren sehr berührt von der positiven Einstellung von Herrn Möckel und seiner Frau“, sagt sie im Namen des Teams, „in einer so schwierigen Zeit an andere Menschen zu denken, ist nicht selbstverständlich.“

Der Blutkrebs wurde bei dem Bad Salzdetfurther entdeckt, nachdem er bei einer Routineuntersuchung nichtsahnend eine Blutprobe abgegeben hatte. Die Diagnose war dann ein Schock für ihn und seine Partnerin, die er am Tag danach heiratete.

Weiße Blutkörperchen vermehren sich unkontrolliert

Bei einer Leukämie werden weiße Blutkörperchen gebildet, die nicht funktionstüchtig sind und sich unkontrolliert vermehren. „Dadurch kann das Blut seine lebenswichtigen Aufgaben, zum Beispiel den Sauerstofftransport und die Infektionsabwehr, nicht mehr erfüllen“, erläutert die Göttinger Universitätsmedizin, „der Heilungsprozess ist langwierig und belastend.“ Dazu gehört auch, dass die Haare ausfallen. Möckel hatte vor der Krankheit eine lange Haarpracht und versuchte, auch deren Verlust noch etwas Positives abzugewinnen: Er schnitt sie noch vor der ersten Chemotherapie ab und spendete sie.

Andreas Rien, in dessen Geschäftsräumen die Typisierung stattfindet, ist ein langjähriger Geschäftspartner von Möckel, der sich um das Werbedesign für die Firma kümmerte. „Für mich ist es selbstverständlich, ihn zu unterstützen, wo ich nur kann“, sagt Rien. „Markus ist ein liebenswerter Mensch und selbst sehr hilfsbereit.“ Als Freund sei er positiv überrascht von Möckels Umgang mit der schweren Situation: „Ich finde es faszinierend, dass Markus mit der Diagnose noch die Motivation findet, sich bei der Typisierungsaktion mit einzubringen, so gut es seine Kräfte zulassen.“

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