Hildesheim - Es passt dann irgendwie doch ins Saisonbild der Oberliga-Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim. Nach dem letzten „perfekten Spieltag“ schien auch an diesem Wochenende in Niedersachsens höchster Spielklasse vieles zugunsten der Borussen zu laufen. Am Samstag verloren nämlich die bis dato Führenden Bersenbrück (0:4 gegen VfL Oldenburg) und Rehden (1:2 gegen Meppen II). Mit einem eigenen Sieg gegen den Rotenburger SV hätten die Hildesheimer mindestens auf Rang drei springen können, bei einer Emder Niederlage in Vorsfelde sogar auf Rang zwei. Doch daraus wurde nichts, denn der VfV 06 kam gegen den Tabellen-13. nicht über ein 1:1-Remis hinaus.
„Das ist ernüchternd“, reagierte Trainer Marcel Hartmann nach der Partie enttäuscht. Auch Kollege Björn Kollecker fand deutliche Worte: „Das ist definitiv zu wenig und fühlt sich nach zwei verlorenen Punkten an. Wir haben es nicht hinbekommen, zielstrebig den Ball im Tor unterzubringen.“
Mensah trifft
Vor 460 Zuschauern auf äußerst tiefem und schweren Geläuf im Friedrich-Ebert-Stadion kamen die Borussen gut in die Partie. Schon früh erspielten sich die Hildesheimer einige Möglichkeiten. Während Fred Mc Mensah nach 15 Minuten noch abgedrängt wurde, zielten Marco Drawz und Yusuf Akdas über das Tor. Nach gut einer halben Stunde schlugen dann die Standardspezialisten wieder zu. Mensah verwandelte eine Freistoßflanke von Mohammad Baghdadi zum 1:0.
Beinahe hätten die Borussen keine fünf Minuten später sogar auf 2:0 erhöht, doch Drawz blieb nach traumhaftem Zuspiel von Yannik Schulze Verlierer im Eins-gegen-Eins mit RSV-Torwart Jannis Trapp. Nur kurz darauf war Karsan Doski auf und davon – er schoss neben das Tor.
Nach Chancenwucher trifft RSV
Die vergebenen Chancen sollten sich schnell rächen. Nach einem langen Pass trat Hildesheims Gabriel Michalek am Ball vor, Noel Lohmann blieb vor Tobias Dahncke eiskalt und traf zum Ausgleich. „Wir wussten, dass lange Bälle kommen“, sagte Kollecker später. „Leider rutscht der durch und landet direkt im Netz.“ Vielmehr haderten aber sowohl Kollecker als auch Hartmann mit den vergebenen Möglichkeiten. „Wir hatten genug Chancen“, ärgerte sich Kollecker. Hartmann ergänzte: „Wir laufen drei Mal allein auf das Tor zu. Machen wir davon einen und stellen auf 2:0, dann glaube ich nicht, dass Rotenburg noch einmal zurückkommt.“
Mit dem Gegentor wurde die Partie aber sofort offener. Tarek Flohr prüfte Dahncke, der stark parierte. Auf der anderen Seite köpfte Hady El Saleh zu unplatziert auf das Tor. Zu allem Überfluss kam noch ein Abseitstreffer von Mensah dazu. Flohr zielte für die Gäste bei einer weiteren Chance daneben. Hartmann bemängelte später: „Wir denken zu sehr nach, werden zu wild.“
Schwache 2. Hälfte
Nach dem Seitenwechsel verflachte die Begegnung. Auf dem immer schlechter werdenden Untergrund wurde die Partie zu einem „Abnutzungskampf“, wie es Hartmann nannte. Zwar versuchten die Borussen, auf den Führungstreffer zu drängen, doch klare Chancen blieben Mangelware. Immer wieder warf sich ein Rotenburger in einen Schuss.
Kollecker und Hartmann brachten im zweiten Durchgang mit Can Gökdemir, Hassan El Saleh, Carlos Christel und Erhan Yilmaz etliche frische Offensivkräfte. Nutzen sollte es nichts. Was Hartmann verständlicherweise ärgerte: „Wen wir da einwechseln konnten, welche Qualität die Spieler mitbringen – da haben wir uns natürlich einen Punch erhofft. Der bleibt aber aus, und das nervt mich.“
VfV 06 bleibt auf Platz fünf
Ändern sollte sich also am Ergebnis nichts mehr, dabei hatten die Borussen in der Nachspielzeit sogar auch noch Glück, denn Dahncke parierte einen Kopfball von Erik Köhler nach einer Ecke. So blieb es nach 90 Minuten beim 1:1.
Gäste-Coach Tim Ebersbach sagte nach der Partie: „Wir müssen ehrlich sein, die Platzverhältnisse kamen eher uns gelegen als Hildesheim. Für mich ist der VfV 06 mit Ball mit das Maß der Dinge.“ Hartmann konnte das Lob nur schwer entgegennehmen. „Die guten Worte des Kollegen möchte ich heute eigentlich nicht hören“, so der Hildesheimer Trainer.
Statt mit einem Erfolg mindestens auf Platz drei, womöglich sogar auf Platz springen zu können, verharren die Borussen auf Rang fünf. Immerhin fällt das Remis durch die Patzer der Konkurrenz nicht so schwer ins Gewicht.
