Safari

Nichts für Paare – ehemalige Hildesheimer Studentin organisiert außergewöhnliche Safaris

Hildesheim - Einst studierte Maika Kretschmer in Hildesheim Pädagogik. Das Schicksal führte sie aber nicht an irgendeine bundesdeutsche Schule, sondern nach Afrika. Ihre neue Heimat zeigt sie Frauen und Männern bei Safaris – aber getrennt. Eine Klein Düngenerin war schon dabei.

Maika Kretschmer, die einstige Studentin aus Hildesheim, ist nun Unternehmerin in Botswana. Foto: privat

Hildesheim - Sieben Jahre lang war Hildesheim ihre Heimat. Maika Kretschmer studierte Pädagogik, wohnte im katholischen Studentenwohnheim in der Braunsberger Straße. Heute lebt die 44-Jährige in Botswana. Genauer gesagt in Main im Okavango Delta. 2020 hat sie dort ihr eigenes Unternehmen Miss Guided Safaris gegründet. Maika Kretschmer organisiert Safaris – vornehmlich für Frauen.

Von der Wildnis in die Wildnis

„Ich komme aus der Wildnis und bin auch wieder in der Wildnis gelandet“, sagt Maika Kretschmer beim Videotelefonat und lacht. Denn geboren ist sie in Sachsen-Anhalt, in einem Dorf bei Gardelegen. 1997 verschlug es sie zum Studium nach Hildesheim, dort machte sie 2004 ihren Abschluss. Dazwischen lag die Expo in Hannover und die schicksalhafte Begegnung mit einem Mann, der sie das erste Mal mit nach Afrika nahm. Dabei war sie anfangs von der Idee ihres Freundes gar nicht so begeistert. „Afrika war nicht mein Thema“, erinnert sie sich. Doch sie flog. Gleich die erste Nacht in einem Zelt auf einem Autodach machte Afrika dann zu ihrem Thema. „Ich sah die Elefantenrücken in der Dämmerung durch das Gebüsch ziehen“, erinnert sie sich. Das war in Botswana, am 31. Dezember 2001 – und es war um sie geschehen.

Die Wende im Leben

Maika Kretschmer kam zurück, zog in Hildesheim ihr Studium durch. Sie blieb in Deutschland, zog nach Berlin und arbeitete dort als Kommunikationstrainerin und als Businesscoach für interkulturelle Kompetenz. Als solche schulte sie für große Unternehmen die Führungskräfte, die für ihr Unternehmen ins Ausland reisen sollten. Zentrale Themen dabei waren, die Unterschiede, auf die die Mitarbeiter treffen würden, etwa ein anderes Zeitverständnis oder Hürden in der Kommunikation. Mit 30 Jahren nahm sie sich eine Auszeit vom Job und volontierte in Sambia in einem Kinderhaus, um nach ein paar Monaten in Deutschland ihre Arbeit wieder aufzunehmen – bis 2017. In dem Jahr verunglückte Maika Kretschmer mit dem Auto. Die körperlichen Verletzungen waren nicht sehr schwer. Jedenfalls nicht so schwer, wie die psychische Belastung, die sie bis dahin mit sich herumtrug. Die brach sich in der Ruhe des Krankseins Bahn. Sie hatte einen Burnout und war neun Monate krank.

Die Zeit nutzte Maika Kretschmer um sich zu fragen: Wohin geht meine Lebensreise? Wo bin ich am liebsten? Diese Frage, konnte sie sich ganz einfach beantworten: Afrika. Anfang 2017 buchte sie schließlich einen Safari-Guide-Kursus und flog im März nach Afrika. „Ich nahm einfach den nächstmöglichen Kursus“, erinnert sie sich. Zusätzlich meldete sie sich für eine Fortbildung an, um Vögel in Afrika am Gesang und an der Gestalt erkennen zu können. „Während des Kurses rollte dann die große Wende an“, erinnert sich Kretschmer.

Auf nach Botswana

Sie flog nach Hause, verkaufte ihre Möbel, vermietete ihre Wohnung und zog nach Botswana. Dort bildete sie sich als Walking-Guide weiter und entschloss sich, Safaris anzubieten. Doch Leute durch die Gegend zu fahren, erschien ihr für die Urlauber zu passiv. Ihre Teilnehmer sollten aktiv sein und so startete sie mit vier Autos, in denen je zwei Reisende sitzen. Über Walkie-Talkies sind sie verbunden mit Kretschmer, zur Nacht werden die Autos abgestellt und auf den Dächern die Zelte installiert, so, wie bei ihrer allerersten Afrika-Reise. Etwas Luxus können die Teilnehmenden dann bei ihren Stationen in Lodges genießen. Die Reisedauer liegt zwischen zehn und 15 Tagen.

Damit sich die Teilnehmenden frei fühlen, bietet Maika Kretschmer zwei Safari-Touren im Jahr nur für Männer und mehrere Reisen für Frauen an. „Ich will vermeiden, dass traditionelles Rollenverhalten bei den Touren aufbricht“, erklärt die Unternehmerin. Die Wildnis sei immer noch männerdominiert. Sie fürchtet, wenn sie mit Paaren reist, übernehmen die Männer das Steuer, bauen das Zelt auf und machen Feuer. Aber Frauen können das auch. Das haben Kretschmers 67 Jahre alte Mutter Sabine und Kundinnen schon unter Beweis gestellt. Wie Daniela Lehrke-Rohde aus Klein Düngen. Sie buchte schon 2019 mit zwei Freundinnen die Afrika-Reise. Doch dann kam Corona und die Frauen mussten warten. Aber das, so sind sie sich einig, hat sich gelohnt. Sie erlebten Elefanten und Löwen ganz aus der Nähe- „Das Brüllen der Löwen ging durch Mark und Bein“, erinnert sich Daniela Lehrke-Rohde. Als ein Löwe sich einmal dem Camp näherte, suchten die Frauen schnell Schutz in ihren Autos. „Ich habe mich die ganze Zeit sehr sicher gefühlt. Maika hat echt alles im Griff“, sagt Daniela Lehrke-Rohde, die ihre nächste Afrika-Tour für 2024 schon gebucht hat.

Bisher hat Maika Kretschmar 20 Frauen durch die Wildnis geführt, ihnen unvergleichliche Einblicke in die einmalige Natur Afrikas gegeben. Vor der Reise lernen sich die Interessentinnen bei einer Zoom-Konferenz kennen und die Veranstalterin spürt, ob das Team zusammenpasst. Für das kommende Jahr plant die Maika Kretschmer zehn Reisen, die nach Namibia, Sambia, Simbabwe und Uganda führen sollen. Natürlich wird sie auch wieder durch ihre neue Heimat Botswana, mit dem artenreichen Okavango Delta führen. Dort lebt die alleinstehende Frau in einem kleinen Haus direkt am Fluss.

Am Sonnabend, 14. Oktober, wird Maika Kretschmer in Hannover-Ricklingen, ab 19 Uhr auf dem Hundeübungsplatz, Vor der Kornhast 16, an einem Lagerfeuer über ihre Safaris berichten. Bei der Organisation des Abends wird sie von Daniela Lehrke-Rohde und Anja Lögering, die bereits mit ihr gereist sind, unterstützt. Auch sie werden von ihren Reiseeindrücken berichten. Eine Anmeldung für den Info-Abend ist online hier möglich.

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